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ROUNDUP: Verdi greift zur Flughafen-Streik-Stafette - Branche entsetzt

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Flugreisende müssen sich auch an diesem Freitag auf Streiks gefasst machen. Zehntausende gerieten am Donnerstag in die Mühlen des Arbeitskampfs an den Airports. In Düsseldorf fielen rund 200 von 550 Flügen aus, weil erneut das Sicherheitspersonal streikte. Nach Angaben des Airline-Verbands waren mehr als 40.000 Reisende betroffen.

An diesem Freitag sollen der Flughafen Köln/Bonn und erneut der Hamburger Airport bestreikt werden. Von den ursprünglich rund 200 für Freitag geplanten Flügen sei bereits knapp die Hälfte gestrichen worden, teilte Köln/Bonn am Donnerstagabend mit.

Die Gewerkschaft Verdi greift damit wie angedroht zur flexiblen Streik-Stafette. Die Branche zeigte sich entsetzt: Die Verbände von Flughäfen, Airlines und Luftwirtschaft appellierten eindringlich an die Tarifparteien der Sicherheitsbranche, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Doch die Fronten sind verhärtet. Beide Seiten gaben jeweils der anderen die Schuld an der verfahrenen Situation.

Verdi warf dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) vor, die Streiks bewusst zu provozieren und leichtfertig Millionenschäden bei nicht beteiligten Unternehmen zu verursachen, um die eigenen Gewinne zu sichern. 'Ein Arbeitgeberverband hat die Aufgabe, Tarifkonflikte zu lösen und nicht toter Mann zu spielen', so Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Becker. Es gebe immer noch kein verbessertes Angebot der privaten Sicherheitsdienste.

Die Arbeitgeber zeigten sich unbeeindruckt und verwiesen erneut auf ihr Angebot aus dem Dezember: 'Es ist an Verdi, auf uns zuzugehen', sagte ein BDSW-Sprecher. Das Angebot sei das höchste der vergangenen 15 Jahre und sehe Lohnerhöhungen in NRW zwischen 4,9 und 9,2 Prozent vor. Verdi fordert Lohnzuschläge für die 34 000 Beschäftigten von 30 Prozent. Man wolle sie aus dem Niedriglohnbereich holen.

Mit offenen Briefen wandten sich die Arbeitgeber am Donnerstag an die Passagiere und die Beschäftigten, um für ihre Position zu werben. Die Löhne des Sicherheitspersonals an den Flughäfen seien nicht im Niedriglohnsektor, wie Verdi behaupte.

Die Haltung der Arbeitgeber mache eine Fortsetzung des Streiks unvermeidlich, sagte dagegen ein Verdi-Sprecher. Die Streikbereitschaft sei unverändert hoch bei 90 Prozent. 400 Beschäftigte seien im Ausstand. Trotzdem konnten in Düsseldorf deutlich mehr Sicherheitsschleusen geöffnet werden als beim ersten Streik. Elf statt der üblichen 24 Schleusen waren geöffnet.

Dennoch starteten viele Flieger verspätet. Die Lage sei aber wesentlich entspannter als vor drei Wochen, sagte ein Flughafensprecher. Bereits im Januar hatte Verdi den drittgrößten deutschen Flughafen zwei Tage lang bestreikt.

Nach Gewerkschaftsangaben befinden sich 70 bis 80 Prozent der Beschäftigten im Sicherheitsgewerbe in der untersten Lohngruppe mit einem Stundenlohn von 8,23 Euro. Für den unteren Tarifbereich fordert Verdi eine Erhöhung der die Stundenlöhne auf 10,50 Euro. An den Flughäfen soll er auf 16 Euro brutto steigen.

In der vergangenen Woche war ein Sondierungsgespräch der Tarifparteien in NRW ergebnislos abgebrochen worden. Verdi verlangt von den Arbeitgebern ein neues, verbessertes Angebot.

'Die ständig zunehmenden Streiks von kleinen Berufsgruppen im Luftverkehr haben inzwischen ein bedrohliches Ausmaß für die ganze Branche angenommen', warnte Klaus-Peter Siegloch, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Zehntausende Passagiere würden bei jedem Streik in 'Geiselhaft' genommen. Die deutsche Luftfahrt werde in einer extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage getroffen.

Die Passagiere hätten einen Anspruch darauf, dass die gesetzlich festgelegten Sicherheitskontrollen zügig stattfinden. Die Sicherheitskontrollen als hoheitliche Aufgabe der Bundespolizei waren an private Sicherheitsdienste ausgelagert worden. Diese werden nun bestreikt.

Auch ein Sprecher der Fluglinie Germanwings, die für Freitag in Köln/Bonn mit 24 ausfallenden Flugpaaren rechnete, bezeichnete die Gewerkschaftsforderungen als 'Sparteninteressen'. Dadurch werde ein wirtschaftlicher Schaden in Millionenhöhe angerichtet./fc/DP/he

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