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Schlechte Wirtschaftsdaten – Juhu!

Stefan Riße
Schlechte Wirtschaftsdaten – Juhu!

In China schwächelt das Wachstum. Wunderbar! Endlich kann die Börse steigen, denn das bedeutet ja Lockerung der Geldpolitik. Genauso ist auch zu erklären, dass schon im vergangen Jahr die Börse in Shanghai nach jahrelanger Talfahrt quasi explodierte und das gleiche nun in Hongkong passiert. Die Spekulationswut der chinesischen Bevölkerung trägt ihren Teil dazu bei. Der Hang Seng Index ist in den vergangen zwei Handelstagen in der Spitze um über zehn Prozent nach oben gesprungen. Kommt hier der nächste Crack-Up Boom?

Nur noch die Liquidität zählt

Schon ab dem Jahr 2010 hab ich auf Hongkong gesetzt. Leser, die meine Kommentare schon länger verfolgen, wissen das. Ich glaubte, der Markt wird der Outperformer unter den gestandenen Aktienmärkten. Dabei hatte ich den Boom in China im Auge. Das angrenzende Hongkong sollte genauso profitieren, und für den Aktienmarkt der ehemaligen britische Kolonie sprachen seine Tradition und die freie Zugänglichkeit für ausländische Anleger. Doch die Prognose war falsch. Die Aktienmärkte der alten Industrieländer, wo die Wirtschaft schwächelte, allen voran die Wall Street, waren die Favoriten. Hongkong underperformte und die Aktienmärkte in Festland-China waren eine Katastrophe. Dabei lief die Wirtschaft wie prognostiziert und waren Bewertung, Dividendenrendite und Gewinnwachstum insbesondere der Hongkonger Unternehmen sehr ansprechend. Doch entscheidend war nur eines. In den USA standen die Zinsen nahe Null und die US-Notenbank Fed pumpte mittels Anleihekäufen Liquidität in den Markt, während in China Regierung und Notenbank versuchten, das Schattenbankensystem auszutrocknen. Diesen Effekt hatte ich unterschätzt.

Haussen werden immer von Liquidität getrieben

Immer wieder werden Haussen von Skeptikern als gefährliche Liquiditätshaussen abgetan. Das ist mit Verlaub gesagt Unsinn. Jede Hausse ist von Liquidität getrieben. Es ist fast immer so, dass zunächst die Aktien steigen, bevor die Wirtschaft nach einer Schwäche wieder beginnt zu wachsen und mit ihr dann auch die Unternehmensgewinne. Boomt die Wirtschaft und steuert die Notenbank zwecks Inflationsbekämpfung dagegen, ist die Rallye bei den Aktien zumeist gelaufen.

Ist es also völlig normal, was wir aktuell sehen? Ich befürchte, nein. Denn die Wirtschaft dürfte weder in China, das an Wachstumsgrenzen stößt, als auch den alten Industrieländern richtig in Gang kommen. Denn wir haben teilweise ein demographisches Problem. Staaten und Verbraucher sind in vielen Ländern überschuldet und die Einkommensverteilung ist immer ungerechter. Hier ist insbesondere die USA zu erwähnen. Zu wenig Einkommenszuwachs landet bei der Masse, die sie ausgeben würde.

Mittanzen, solange die Musik spielt?

Der derzeitige Aufschwung der Aktien dürfte also auf Sand gebaut sein. Doch diese Erkenntnis ist wenig hilfreich, wenn die Aktien liquiditätsgetrieben immer weiter zulegen. Wer noch mittanzen will, der sollte sich dann vielleicht jetzt den Markt in Hongkong anschauen. Dieser ist aus einem jahrelangen Seitwärtstrend ausgebrochen und es ist durchaus möglich, dass es der nächste Markt ist, der nach oben durchzieht wie schon der Nikkei 2013 und der DAX in diesem Jahr. Doch immer auf der Hut bleiben. Das dicke Ende wird irgendwann kommen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Börsenkorrespondent, Portfoliomanagement

Stefan Riße, Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für „n-tv“, wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.
Seit Oktober 2011 ist Stefan Riße in der Vermögensverwaltung tätig und mittlerweile Gesellschafter der HPM Hanseatische Portfoliomanagement GmbH in Hamburg. Er managt mit dem „Riße Inflation Opportunities UI“ seinen eigenen Fonds. Nach wie vor ist er gefragter Interviewgast bei „n-tv“ wo er regelmäßig auftritt. Seine Kommentare veröffentlicht er mittlerweile auch auf www.rissesblog.de, einem der erfolgreichsten Finanzblogs im deutschsprachigen Raum.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein aktuelles Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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