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SCHLUSSNOTE: Sell in Summer?

Börsen-Zeitung

Von Claus Döring

Vermutlich sind Sie auch in diesem Jahr bei der Lektüre von Finanzzeitungen und Anlegerzeitschriften wieder an jene alte Börsianer-Weisheit erinnert worden, die angeblich vor genau 50 Jahren zum ersten Mal in der Financial Times zitiert wurde: "Sell in May and go away - but remember to come back in September." Und es gibt seither viele Anleger, die aus eigener anekdotischer Erfahrung diesen Spruch beherzigen und damit zur sich selbst erfüllenden Prognose beitragen. Viele empirische Untersuchungen haben den saisonalen Verlauf der Aktienmärkte in den USA und auch hierzulande analysiert. In der Tat lässt sich als Ergebnis festhalten, dass in der Regel die Wintermonate im Durchschnitt eine bessere Aktienkursperformance zeigten als die Sommermonate. Die Analyse des Dow Jones über 120 Jahre hat beispielsweise ergeben, dass der schlechteste Börsenmonat der September war, gefolgt vom Mai, und die Zeit zwischen Mai und Oktober die schwächste Sechsmonatsperiode. Zum selben Monatsranking kommt eine Auswertung für den Dax in den vergangenen 40 Jahren. Und auch die Periodenbetrachtung gibt scheinbar eine klare Handlungsempfehlung: Im Winterhalbjahr schafften die deutschen Standardwerte im Durchschnitt ein Kursplus von 7,5 %, im Sommerhalbjahr verloren sie rund 1 %.

Zu solchen Ergebnissen kommt man vor allem bei sehr langen Zeitreihen. Da fallen die Ausreißer einzelner Jahre nicht so sehr ins Gewicht. Denn Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel, wie beispielsweise die Asien- und die Russlandkrise 1997 und 1998, der Crash nach den Anschlägen vom 11. September 2001 oder die Kursstürze nach der Lehman-Pleite im September 2008. Auch in diesem Jahr könnte die politische Großwetterlage rund um Russland und die Ukraine noch für schwer kalkulierbare Turbulenzen an den Aktienmärkten sorgen. Mit Blick auf den deutschen Aktienmarkt wäre es in diesem und in den beiden zurückliegenden Jahren besser gewesen, die Empfehlung der eingangs zitierten Börsenweisheit um einen Monat nach vorne zu ziehen, also schon Anfang April zu verkaufen, um dann Anfang September wieder einzusteigen. Denn aktuell dümpelt der Dax auf dem Niveau vom Jahresbeginn vor sich hin, während er bis Ende März wenigstens noch eine positive Performance auswies. Im vergangenen Jahr kam der deutsche Aktienmarkt im Frühjahr und im Sommer kaum voran, um dann aber ab September bis Jahresende um 1 300 auf 9 400 Punkte zu klettern. 2012 legte der Dax in den ersten drei Monaten fast 900 Punkte zu, schwächte sich ab Mai ab und konnte dann ab September an das März-Niveau anknüpfend bis Jahresende weitere 800 Punkte bis auf knapp 7 780 Zähler zulegen.

So faszinierend es ist, wenn für manche Perioden bestimmte Börsenweisheiten ähnlich wie auch die Chartanalyse im Nachhinein ihre Treffsicherheit bestätigen, so wenig wird man den Markt schlagen können und Outperformance erreichen, wenn man sich in die Schar der Lemminge einreiht. Deshalb gewinnt die saisonale Strategie "Sell in Summer" immer mehr Anhänger, zumal sie sich für die jüngere Vergangenheit gut empirisch untermauern lässt und auf die schwachen Monate August und September abhebt. Aber ganz egal, ob Sie schon im April verkauft haben oder erst im Mai oder danach aussteigen wollen: Die erhoffte Winterrally machen Sie nur mit, wenn Sie rechtzeitig wieder einsteigen - oder erst gar nicht verkaufen.

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