Unternehmensberichte

ROUNDUP 2: Continental von Autokrise weiter unbeirrt - Prognose angehoben

(neu: Aussagen Finanzchef, Details, Aktienreaktion mit Stimmen aktualisiert)

HANNOVER (dpa-AFX) - Der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental spürt weiter wenig von der Autoabsatzkrise in Europa. Nach einem starken Quartal hob der Konzern am Donnerstag seine Prognosen an. Die Erlöse sollen in diesem Jahr statt um 5 Prozent nun mindestens um 7 Prozent auf 32,5 Milliarden Euro steigen, die operative Marge den Vorjahreswert übertreffen. Zugleich betonte Konzernchef Elmar Degenhart aber, dass das Unternehmen angesichts der Unsicherheiten in der Weltwirtschaft und der Krise in Teilen Europas vorsichtig bleibe.

Finanzchef Wolfgang Schäfer bezeichnete die neue Umsatzprognose vor allem als realistisch. Zwar könne auch etwas mehr herausspringen, sagte er der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX im Gespräch. 'Eine deutliche Überschreitung sehe ich derzeit aber nicht.' Schäfer geht im zweiten Halbjahr von einer Fortsetzung der Dynamik aus den ersten sechs Monaten aus - mit leichten Verschiebungen. 'Der US-Markt wird nicht mehr ganz so stark laufen wie im ersten Halbjahr mit einem Wachstum von 17 Prozent. Aber wir denken, dass Brasilien und Südamerika das teilweise kompensieren können.' Im dritten Quartal dürfte die Ferienzeit nach Aussagen von Schäfer den Umsatz etwas unter den des zweiten Quartals drücken.

GEWINN STEIGT UM ZWEI DRITTEL - ROHSTOFFKOSTEN NICHT SO HOCH WIE BEFÜRCHTET

Im zweiten Quartal steigerte der vom fränkischen Familienunternehmen Schaeffler kontrollierte Konzern den Überschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Drittel auf 520,3 Millionen Euro. Der Umsatz stieg um 8,7 Prozent auf 8,19 Milliarden. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern fiel mit 842,8 Millionen Euro um knapp ein Drittel höher aus als vor einem Jahr. Damit übertraf Conti die Erwartungen von Analysten. Händler und Analysten sagten am Vormittag, das Unternehmen habe damit klar die Markterwartungen übertroffen. DZ-Bank-Analyst Jasko Terzic führte die guten Zahlen auf ein überraschend starkes Reifengeschäft zurück. Bis zum Mittag legte die Aktie in Frankfurt um rund 3,7 Prozent zu und setzte sich damit an die Spitze im MDax . Dem Papier fehlten zuletzt nur noch wenige Cent, um den höchsten Stand seit Juni 2008 zu erreichen.

Die bereinigte operative Gewinnspanne lag mit 11,7 Prozent ebenfalls deutlich höher, weil die Rohstoffkosten insbesondere für Naturkautschuk nicht so stark wie befürchtet stiegen. Bei der bereinigten operativen Marge erwartet Conti im Gesamtjahr laut Degenhart nun einen Wert über dem Vorjahresniveau. Für den weiteren Verlauf bleiben die Niedersachsen wegen der Schwankung bei Preisen aber vorsichtig und erwarten eine Gesamtbelastung aus steigenden Rohstoffkosten von rund 100 Millionen Euro. 'Unsere Prognose ist hier auch etwas auf der vorsichtigen Seite', sagte Finanzchef Schäfer. 'Das liegt aber an der Volatilität der Preise in den vergangenen Jahren.' Nach den ersten drei Monaten hatte Conti noch mit einer Belastung von insgesamt 250 Millionen Euro aus den Preisen für Kautschuk und Seltene Erden gerechnet.

SCHULDENABBAU IM FOKUS - DERZEIT KEINE GÜNSTIGE REFINANZIERUNG AM ANLEIHEMARKT

Beide Kerngeschäftsfelder von Conti trugen fast gleichermaßen zum Wachstum bei. Im Autozuliefergeschäft stiegen die Erlöse um gut 8 Prozent, das höhermargige Reifensegment legte um 9 Prozent zu. Über 60 Prozent der Umsätze kamen damit weiter aus der Automotive-Sparte. Die Entwicklung des Geschäfts mit Ersatzreifen blieb in Europa und Nordamerika weiter schwächer als vom Unternehmen erwartet. Lagerabbau, der Konjunktureinbruch in Südeuropa sowie das gute Vorjahr hätten im ersten Halbjahr zu einem Minus von 11 Prozent geführt.

Die Nettofinanzschulden, die Finanzvorstand Schäfer bis Ende des Jahres unter die Marke von 6,5 Milliarden Euro drücken will, lagen mit 6,88 Milliarden Euro etwa auf dem Niveau von vor drei Monaten. Das sogenannte Gearing - das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital - sank im Vergleich zu Ende März um 2,6 Prozentpunkte auf 82,7 Prozent. Bis Ende 2013 will das Unternehmen eine Marke von unter 60 Prozent erreichen. Die Möglichkeit, sich im derzeitigen Umfeld am Anleihemarkt günstig zu refinanzieren, besteht laut Schäfer nur bedingt. 'In diesem Jahr stehen keine Anleihen zum Rückkauf aus, erst im nächsten Jahr bestünde die Möglichkeit - das muss aber nicht immer günstig sein.' Was Conti tue, hänge immer vom jeweiligen Zinsniveau ab.

SCHAEFFLER-STRATEGIE UND MÖGLICHER DAX-AUFSTIEG

Für die weitere Entwicklung des Aktienkurses sind bei Conti allerdings nicht nur die Geschäftszahlen wichtig, sondern auch die anstehenden Entscheidungen im Hause Schaeffler. Der fränkische Autozulieferer hält derzeit - verteilt auf AG und Holding - direkt knapp 50 Prozent an Continental, weitere 10,4 Prozent sind bei Banken geparkt. Da Schaeffler wegen der Übernahme hoch verschuldet ist, halten viele Experten auch einen Verkauf von Conti-Aktien für möglich. Sollte der direkte und indirekte Anteil von derzeit 60 Prozent am Markt platziert werden, steigt der Streubesitz von Continental und damit die Chancen für einen erneuten Aufstieg in den Dax . Conti erfüllt nach eigenen Angaben bei Marktkapitalisierung und Aktienumsatz die Kriterien, die für die Aufnahme in den deutschen Leitindex nötig sind./men/enl/wiz

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