MÜNCHEN (dpa-AFX) - Linde ist bei der milliardenschweren Übernahme des US-Sauerstoffgeräte-Herstellers Lincare fast am Ziel. Der Münchner Industriegase-Spezialist hat sich nach dem Ende des öffentlichen Übernahmeangebots 94,60 Prozent des Aktienkapitals gesichert, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Davon seien 83,87 Prozent der Anteile direkt angedient worden, die übrigen über Treuhand-Verträge. Gemessen am letzten Kurs der Lincare-Aktie zahlt Linde einen Aufschlag von immerhin 64 Prozent für das Unternehmen aus Clearwater in Florida.
Damit legt Linde für den Ausbau seines Gesundheitsgeschäfts 4,6 Milliarden Dollar auf den Tisch, derzeit rund 3,7 Milliarden Euro. Der Konzern verdoppelt mit der Übernahme seinen Umsatz in der Healthcare-Sparte auf 2,8 Milliarden Euro und zieht im Geschäft mit medizinischen Gasen am Erzrivalen Air Liquide vorbei. Die Franzosen sollen ebenfalls Interesse an Lincare gehabt haben. Lincare ist auf die Behandlung von Patienten mit Atemwegserkrankungen zuhause spezialisiert. Linde ist im Bereich Homecare in den USA bisher nur als Zulieferer präsent.
Der Kauf ist eine freundliche Übernahme. Lincare selbst empfahl den Weg unter das Dach der Münchner. Auch die US-Wettbewerbsbehörde stimmte dem Geschäft zu. Die Amerikaner kehren damit zu ihren Wurzeln
zurück: Lincare ging Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem US-Geschäft von Linde hervor. Die Übernahme durch Linde soll nun zügig vollzogen werden. 'Wir rechnen damit zeitnah im dritten Quartal', sagte ein Sprecher.
Linde hatte das Milliardengeschäft erst Anfang Juli angekündigt. Die künftige Tochter Lincare machte 2011 einen Umsatz von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro und beschäftigt etwa 11 000 Mitarbeiter. Linde - vor allem im klassischen Geschäft mit Industriegasen und dem Erdöl- und Gasgeschäft stark - setzt große Hoffnungen auf das Medizingeschäft. Ein Grund: Gerade in den Industrienationen werden die Menschen immer älter, chronische Erkrankungen nehmen zu, Pflege und Medizin werden wichtiger./sbr/DP/wiz
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