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WOCHENAUSBLICK/Hopp oder Flop: Dax in den Fängen der Griechenland-Wahl

FRANKFURT (dpa-AFX) - Angesichts des ungewissen Ausgangs der Parlamentswahl in Griechenland ist die neue Börsenwoche nichts für Anleger mit schwachen Nerven. 'Insbesondere für den Fall, dass es in Griechenland erneut zu einem unklaren Wahlergebnis kommt und somit die Unsicherheit weiter anhält, könnten die Aktienmärkte erneut unter Druck geraten', befürchten die Experten der DZ Bank. Das dürfte ihres Erachtens auch für den deutschen Aktienmarkt gelten, obwohl er sich zuletzt 'bemerkenswert unbeeindruckt vom politischen Geschehen' gezeigt habe und die Bewertung des Dax günstig erscheine.

Bei einem Wahlsieg der linksradikalen, den Sparkurs ablehnenden Syriza drohe eine Eskalation der Situation, äußerte sich auch Volkswirtschaftsexperte Christoph Weil von der Commerzbank besorgt. Trotz aller Beruhigungsversuche der Politik dürften die Spekulationen über einen Austritt Griechenlands dann zunehmen, fuhr der Experte fort.

Aufgrund der niedrigen Aktienbewertungen und der Unterstützung durch die von den Notenbanken bereitgestellten Liquidität machten die Experten der Landesbank Berlin aber Hoffnung, dass Dax und EuroStoxx 50 nicht allzu deutlich unter ihre jüngsten Tiefs rutschten dürften. Voraussetzung für dieses Szenario sei allerdings, dass sich die Schuldenkrise in Italien und Spanien nicht weiter dramatisch zuspitzt und der Weltwirtschaft eine Rezession erspart bleibt. Im Zuge der hohen Verunsicherung infolge der Euro-Schuldenkrise erreichte der Dax im bisherigen Jahresverlauf Anfang Juni bei knapp unter 6.000 Punkten seinen tiefsten Stand und der EuroStoxx 50 bei rund 2.050 Punkten.

AUCH BEI ND-SIEG NUR KURZFRISTIG ERLEICHTERUNG

Ein Sieg der konservativen, reformfreundlichen Neo Dimokratia (ND) würde hingegen für Erleichterung an den Finanzmärkten sorgen, schrieb Weil. 'Griechenland würde dann wohl eine Regierung bekommen, die den Reformkurs zumindest auf dem Papier fortsetzen will.' Die Troika aus Internationalem Währungsfond (IWF), Europäischer Union (EU) und Europäischer Zentralbank (EZB) dürfte in dem Fall auch zu Zugeständnissen beim Sparkurs bereit sein. Dies würde auch zum allgemeinen politischen Trend in der EU passen, der Stimulierung des Wirtschaftswachstums ein höheres Gewicht beizumessen.

Laut Weil wäre aber auch bei einem Wahlerfolg der ND die Euphorie an den Finanzmärkten vermutlich nicht von langer Dauer, 'denn gelöst ist die Staatsschuldenkrise damit noch lange nicht.' Abzuwarten bleibe, wie die weltweiten Notenbanken auf einen negativen Wahlausgang reagierten. Am Donnerstag waren Gerüchte aufgekommen, wonach diese vor der Wahl konzertierte Notfallmaßannahmen planten.

WIRTSCHAFTSDATEN DER EUROZONE DÜRFTEN STIMMUNG TRÜBEN

Wenngleich die Wahl in Griechenland im Vordergrund steht, wird sich das Augenmerk der Anleger auch auf Konjunkturdaten richten. Die Wirtschaftsindikatoren aus der Eurozone dürften die Stimmung der Anleger aber kaum aufhellen. Der ZEW-Index am Dienstag sowie der ifo-Geschäftsklimaindex am Freitag dürften erneut sinken und die Einkaufsmanagerindizes für die Industrie dürften auf einem niedrigen Niveau verharren, sagte Ralph Solveen, stellvertretender Leiter des Economic Research der Commerzbank. Allerdings werde das deutsche Wachstum nur gedämpft, nicht aber abgewürgt, schrieben die Experten der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Zwar verharrten wichtige deutsche Exportmärkte in der Eurozone in der Rezession, doch sei dies bisher durch Aufträge aus der Nicht-Eurozone kompensiert worden. Letztere entwickelten sich seit dem Jahresanfang wieder dynamischer.

Zur Wochenmitte tritt dann der Offenmarktausschuss der US-Notenbank zusammen, um die Konjunkturprognosen für die USA zu aktualisieren. Eine weitere geldpolitische Lockerung dürfte die Fed laut Experten vorerst aber nicht einleiten.

STATUS VON BUNDESANLEIHEN ALS SICHERER HAFEN NOCH NICHT IN GEFAHR

Die Parlamentswahl in Griechenland sei auch für die Anleihemärkte ein einschneidendes Ereignis, hieß es von der Commerzbank. Selbst bei einem günstigen Wahlausgang dürfte es keine nachhaltige Entspannung für Spanien und Italien geben. Denn der kurzfristige Anstieg des Risikoappetits würde wohl eine entschlossene Lösung beim bevorstehenden EU-Gipfel verhindern. Zudem falle der jüngste Renditeanstieg bei Bundesanleihen aus dem üblichen Rahmen. Allerdings dürfte der Status des sicheren Hafens noch nicht in Gefahr sein.

Unternehmensseitig dürfte die Nachrichtenlage auch in der neuen Woche dünn bleiben. Neben einer Vielzahl von Jahreshauptversammlungen stehen kaum Termine und Daten an. In den Aktienindizes hingegen wird es einige kleine Änderungen geben. Am Montag werden BB Biotech und Centrotherm im TecDax durch Sartorius und Cancom ersetzt. Deutsche Börse werden aus dem EuroStoxx 50 und Allianz sowie Eon auf dem Dow Jones Global Titans 50 gestrichen. BASF wird am Montag in diesen Index aufgenommen./mis/ck/wiz

--- Von Michael Schilling, dpa-AFX ---

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