FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Dax hat im Kielwasser der freundlichen Märkte in Asien und den USA seine moderaten Gewinne am Mittwoch behauptet. Der Leitindex legte 0,16 Prozent auf 6.146,27 Punkte zu. Nach seinem kräftigen Minus zum Wochenauftakt wegen schwindender Hoffnung vor dem EU-Gipfel hatte sich der Dax bereits am Vortag trotz anhaltender Nervosität stabilisiert. Der MDax verlor dagegen zuletzt 0,34 Prozent auf 9.928,89 Punkte, der TecDax verbesserte sich um 0,23 Prozent auf 720,56 Punkte.
'Vorgaben aus Übersee geben dem Markt halt vor EU-Gipfel', sagte Marktanalyst Lars Kremkow von Activetrades. Spaniens Situation wird aber aus seiner Sicht bis auf weiteres auf der Marktstimmung lasten und die Chancen auf eine positive Wendung seien gering. Der Markt habe zwar etliche Risiken bereits eingepreist, jedoch lasse sich das ganze Ausmaß schwer abschätzen. Das beinhalte weiterhin erhebliches Potential für negative Überraschungen. Die erneute Positionierung Angela Merkels gegen Euro-Bonds verdeutliche aufs Neue, dass der politische Markt seinen Zenit noch nicht erreicht habe. Bevor am Donnerstag der mit Spannung erwartete EU-Gipfel zur Schuldenkrise beginnt, stehen an diesem Nachmittag zunächst die Auftragseingänge langlebige Güter und weitere Daten vom Immobilienmarkt aus den USA auf der Agenda. In Italien sind am Vormittag die Daten zum Geschäftsklima überraschend gut ausgefallen und die Versteigerung von Anleihen brachte positive Reaktionen.
K+S SPRINGEN NACH HOCHSTUFUNG AN
Einige Werte reagierten besonders stark auf Umstufungen: K+S wurden von Merrill Lynch von 'Underperform' auf 'Buy' um zwei Stufen hochgehoben und auf die 'Europe 1 List' gesetzt. Die Aktie des Dünger- und Salzherstellers sprang mit plus 4,12 Prozent auf 34,010 Euro an die Dax-Spitze. Eon verteuerten sich nach einer Hochstufung durch die HSBC um weitere 2,08 Prozent auf 16,205 Euro. Dagegen reagierten bei Infineon zahlreiche Analysten mit Abstufungen auf die Gewinnwarnung vom Vortag : HSBC und JPMorgan stuften die Aktien des Chipherstellern jeweils von 'Overweight' auf 'Neutral' ab. Barclays senkt das Kursziel für die Papiere von 8,25 auf 7,75 Euro, bleibt aber bei einer Kaufempfehlung. Die Papiere rutschten als schwächster Dax-Wert um weitere 2,47 Prozent auf ein Tief seit Oktober bei 5,221 Euro ab.
Commerzbank-Aktien legten dagegen 0,67 Prozent zu. Die Großbank verschärft angesichts der anhaltenden Schuldenkrise und der sich eintrübenden Wirtschaftsaussichten ihren Konzernumbau. Das Institut kündigte am Vorabend an, das Geschäft der Krisentochter Eurohypo ebenso wie die Schiffsfinanzierung komplett abzubauen. Zudem überprüft die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Bank sämtliche Geschäftsbereiche. Die Ergebnisse sollen im Herbst vorliegen. Davon betroffen ist auch der Vorstand, in dem die Zuständigkeiten neu sortiert werden. Ein Händler sagte: 'Das dürfte die Gewinne kurzfristig belasten. Auf den zweiten Blick könnten die Maßnahmen aber positiver aufgenommen werden, weil sie in die strategisch richtige Richtung gehen.'
SALZGITTER LEIDEN UNTER GEWINNWARNUNG
Salzgitter rutschten im MDax um 5,94 Prozent ab. Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller rechnet für den Unternehmensbereich Stahl im laufenden Jahr nun mit einem Verlust, nachdem zuvor noch ein ausgeglichenes Ergebnis im Stahlgeschäft in Aussicht gestellt worden war. In den übrigen Sparten hält das Unternehmen an seinen Jahreszielen fest. Im Bereich Röhren, Handel und Dienstleistungen peilen die Niedersachsen weiter Gewinne an. Im Bereich Technologie werde - wie im Mai angekündigt - mit einem ausgeglichenen Ergebnis gerechnet. Ein Börsianer sagte: 'Die Gewinnwarnung für den Stahlbereich sollte nicht wirklich überraschen. Die Aktien dürften aber trotzdem leiden, denn die neue Prognose für die Gruppe liegt deutlich unter den aktuellen Analystenprognosen bei rund 190 Millionen Euro.' Lanxess verloren 5,23 Prozent. Händler verwiesen auf Molltöne eines Wettbewerbers sowie eine negative Studie.
Aktien von Adidas stehen bei Börsianern angesichts eingeleiteter Ermittlungen des Kartellamts auch auf der Beobachtungsliste. Wie die Behörde der 'Financial Times Deutschland' bestätigte, läuft derzeit ein Verfahren gegen Asics, einen japanischen Anbieter von Laufschuhen. Gegen den deutschen Branchenriesen Adidas lägen Beschwerden vor. Auch gegen die US-Firma Nike könnte bald ermittelt werden. Grund ist ein Lieferstopp verschiedener Hersteller an Händler, die über Amazon oder Ebay verkaufen. Größere Kursimpulse sieht ein Händler allerdings nicht. Die Papiere des Sportartikelherstellers bröckelten um 0,28 Prozent etwas ab./fat/rum
--- von Frederik Altmann, dpa-AFX ---
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