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US-Banken überraschen positiv -Sorgenkind Anleihehandel

Reuters

- von David Henry und Tanya Agrawal und Lauren Tara LaCapra

New York (Reuters) - Trotz anhaltender Flaute im Anleihehandel schreiben US-Großbanken überraschend hohe Gewinne.

Die beiden Branchengrößen JP Morgan und Goldman Sachs konnten im zweiten Quartal Einbußen im Geschäft mit festverzinslichen Wertpapieren durch andere Kapitalmarkt-Bereiche mehr als kompensieren. Mit einem Nettogewinn von sechs Milliarden Dollar und knapp zwei Milliarden Dollar übertrafen die beiden Institute die Erwartungen der Analysten. Insbesondere die Beratung bei Fusionen und Übernahmen floriert wieder, weil Investoren und Unternehmen neuen Mut zu großen Zukäufen fassen.

Offen bleibt die Frage, ob der Rückgang im einst so lukrativen Anleihe-Geschäft nur mit der vorübergehenden Unsicherheit über den Kurs der Notenbanken zusammenhängt. Einige Experten gehen davon aus, dass die strengere Regulierung diesem Bereich auf Dauer zusetzt. Vor allem für die Deutsche Bank, die mehr denn je auf den Anleihehandel setzt, hängt von der Antwort viel ab. Der hiesige Branchenprimus legt seine Quartalszahlen am 29. Juli vor. Die Bank hat bereits vor zu hohen Erwartungen im Kerngeschäft gewarnt.

Am Markt überwog am Dienstag zunächst die Erleichterung darüber, dass bei JP Morgan und Goldman Sachs die anderen Kapitalmarkt-Geschäfte florieren. Die Aktie von JP Morgan zog fast vier Prozent an, Goldman-Papiere gewannen ein Prozent. Davon profitierte in Frankfurt auch die Deutsche-Bank-Aktie, die sich mit einem Plus von fast drei Prozent an die Spitze im Leitindex Dax setzte.

"ERMUTIGENDE SIGNALE"

Bei JP Morgan schrumpfte der Konzerngewinn im zweiten Quartal unter dem Strich um acht Prozent. Dabei schlugen auch höhere Rückstellungen für faule Kredite zu Buche. Außerdem scheint der von den Niedrigzinsen ausgelöste Boom auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt vorbei, wie sich in der vergangenen Woche bereits beim Konkurrenten Wells Fargo gezeigt hat. Dennoch demonstrierte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon, der unlängst eine Krebserkrankung öffentlich gemacht hatte, Zuversicht: "Zum Ende des Quartals haben wir quer durch alle Geschäftsbereiche ermutigende Signale gesehen", erklärte er. Das gelte mit einiger Einschränkung auch für das Kerngeschäft Investmentbanking.

Diese Sparte musste im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch um fast ein Drittel verschmerzen. Die Einnahmen im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren schrumpften im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar, weil viele Investoren im Moment wegen der Niedrigzinsen eher an der Seitenlinie stehen. Spannend wird es für sie - und die Investmentbanken - erst wieder, wenn die Notenbanken rund um den Globus unterschiedlich schnell Zinserhöhungen anschieben und sich damit für die Anleger Gelegenheiten für Wetten in die eine oder andere Richtung ergeben.

TRUMPF VERMÖGENSVERWALTUNG

Auch die führende Investmentbank Goldman Sachs, deren Quartalsgewinn um fünf Prozent zulegte, kann sich der aktuellen Flaute im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen nicht entziehen. Sie verbuchte hier einen Rückgang der Einnahmen um zehn Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar - schlägt sich damit aber noch besser als die Konkurrenz. Die Citigroup hatte am Vortag ein Minus von zwölf Prozent veröffentlicht. Erzrivale Morgan Stanley folgt mit seiner Zwischenbilanz am Donnerstag.

Goldman-Chef Lloyd Blankfein verwies darauf, dass sein Haus an vorderster Front in der Beratung bei Unternehmensfusionen sowie Aktienplatzierungen und Börsengängen mitspiele. In diesen klassischen Investmentbanking-Disziplinen kletterten die Erträge deutlich. Außerdem hat Goldman ein starkes Standbein in der Vermögensverwaltung, die Dellen im Kapitalmarktgeschäft ausbügeln kann. Auf diese "Rückversicherung" kann die Deutsche Bank noch nicht zurückgreifen. Sie muss ihre ertragsschwache Vermögensverwaltung erst noch umbauen und auf Rendite trimmen.

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Kurs zu Goldman Sachs Aktie

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28.08.2014, 21:53, NYSE

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