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Vorsicht, Statistiken!

Der OnVista-Börsenfuchs
Vorsicht, Statistiken!

Hallo Leute! Es gibt nicht nur die Berichtssaison der Unternehmen, sondern auch andere für die Märkte relevante Daten und Zahlen. In diesen Tagen kommen sie gleich haufenweise. Aber was soll der Anleger damit anfangen? Auf jeden Fall genau hinsehen, denn was von den Medien aus den Statistiken verkürzt, komprimiert und dann veröffentlicht wird, darf man nicht unkritisch schlucken.

Vorab für die wissenschaftlich Orientierten unter Euch eine Kurzinterpretation von „Statistik“: Umfassendes methodisch-quantitatives Instrumentarium zur Charakterisierung und Auswertung empirischer Befunde bei gleichartigen Einheiten („Massenphänomenen”) mit universellen Einsatzmöglichkeiten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft und allen Geistes-, Sozial- und Naturwissenschaften einschließlich Medizin und Technik, in denen mit Zahlen oder Bewertungen gearbeitet wird. Poh! Mir gefällt besser, was Bankier Hermann Josef Abs (1901-94) dazu gesagt hat: „Die Statistik ist wie eine Laterne im Hafen. Sie dient dem betrunkenen Seemann mehr zum Halt als zur Erleuchtung.“ Aktuelle Beispiele.

Negative Schlagzeilen gibt’s zur neuen Aktionärsstatistik. Die Deutschen bleiben weiterhin Aktienmuffel, das stimmt. Und dann schreiben Agenturen: Nach einem kräftigen Zuwachs 2015 sank die Zahl der Aktionäre hierzulande im vergangenen Jahr wieder unter die 9-Millionen-Marke: Rund 8,98 Millionen zählt das Deutsche Aktieninstitut (DAI), das selbst von einer „stabilen“ Zahl spricht. Kein Wunder, denn der Rückgang ist statistisch bedeutungslos. In meinen Augen ist es wichtiger, den Jahresverlauf zu betrachten - und der gibt Anlass zur Hoffnung: Im ersten Halbjahr 2016 ging die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsbesitzer auf gut 8,5 Millionen zurück, in der zweiten Jahreshälfte dann ein kräftiges Wachstum um 14,7 Prozent auf gut 9,4 Millionen - damit auf den höchsten Stand seit dem ersten Halbjahr 2012! Na also.

Nächste vermeintlich schlechte Nachricht: Inflation in Deutschland steigt. Schon wieder? Die Teuerungsrate lag im Januar um 1,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Nur: Das ist allenfalls noch eine Randnotiz wert, denn das Statistische Bundesamt bestätigte damit die längst bekannte vorläufige Zahl. Also cool bleiben!

Der monatlich veröffentlichte ZEW-Konjunkturindikator sieht gar nicht gut aus: Dieser Index ist von 16,6 im Januar auf nun 10,4 Punkte gesunken. Nur: Dahinter stecken nicht etwas Fakten, sondern Einschätzungen von Analysten und institutionellen Anlegern, nix anderes als ein Stimmungsindikator der Börsianer. Und die irren sich öfter. Diesen Index also nicht all zu ernst nehmen.

Überhaupt gehört es zum Alltag der Ökonomen, mit unterschiedlichen Statistiken zu hantieren, die im Jahresverlauf immer wieder korrigiert werden (müssen). Parallel zum ZEW kam folgende Statistik: Deutsche Wirtschaft mit mehr Wachstum. Der Aufschwung in Deutschland hat zum Ende des Jahres 2016 an Tempo gewonnen. Getrieben von Konsum und Bauboom legte das Bruttoinlandsprodukt von Oktober bis Dezember gegenüber dem dritten Quartal um 0,4 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Zwischen Juli und September war die Wirtschaftsleistung nur um 0,1 Prozent gestiegen. Im Gesamtjahr wuchs die deutsche Wirtschaft um 1,9 Prozent und damit so stark wie zuletzt vor fünf Jahren. Ach ja, auch das war die Bestätigung vorläufiger Zahlen.

Aber: Die Wirtschaft der Eurozone ist Ende 2016 etwas schwächer als erwartet gewachsen. Im vierten Quartal habe das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4 Prozent zum Vorquartal zugelegt, teilte das Statistikamt Eurostat in Luxemburg nach einer zweiten Schätzung mit. In einer ersten Schätzung hatte Eurostat noch einen Anstieg um 0,5 Prozent gemeldet.

Und die Unternehmen selbst? Auch dazu gibt’s ne ganz frische Analyse von EY (Ernst & Young): im vergangenen Jahr mussten 19 der 30 Dax-Konzerne mindestens einmal ihre Prognosen korrigieren - dabei gab es 16 Korrekturen nach oben sowie acht Gewinn- oder Umsatzwarnungen. Die Zahl der Prognosekorrekturen der Dax 30-Unternehmen stieg damit auf 24 - den höchsten Stand seit 2011, als die Analyse zum ersten Mal durchgeführt wurde. Insgesamt sank die Zahl der Prognosekorrekturen aller 302 im Prime Standard gelisteten Unternehmen aber um knapp ein Viertel von 200 auf 154. 38 Prozent der Unternehmen mussten 2016 mindestens einmal ihre eigene Prognose kassieren, im Vorjahr waren es noch 44 Prozent gewesen. Gewinnwarnungen ließen die Kurse dabei binnen einer Woche um durchschnittlich 7 Prozent sinken, Aufwärtskorrekturen führten zu Kursanstieg von 5 Prozent.

Alles klar?

Hinweis: Die Inhalte des „OnVista-Börsenfuchs“ dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des Autors wieder.
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