China: ein holpriger Weg bis zur Erholung

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Chinas Gastronomie und das Hotelgewerbe verzeichneten im ersten Quartal mit mehr als -35 Prozent gegenüber 2019 den stärksten Rückgang des Bruttoinlandsproduktes (BIP), gefolgt vom Einzelhandel mit knapp -18 Prozent, dem Baugewerbe mit -17,5 Prozent und dem Transportwesen mit immerhin noch -14 Prozent.

Lichtblicke zeigten sich dagegen in der Informations- und Kommunikationstechnologie und der Finanzdienstleistungsbranche. Hier blieb das Wachstum positiv und verlangsamte sich nur leicht. Generell korrelierte der wirtschaftliche Schaden stark mit der Strenge der Kontrollen. In der Provinz Hubei, in der er Ausbruch am schlimmsten war und in der seit Ende Januar fast alle Aktivitäten im Freien eingeschränkt wurden, brach das BIP im ersten Quartal um fast -40 Prozent ein, verglichen mit einem landesweiten Rückgang von weniger als -7 Prozent. 

Die Nachfrage ist das Problem

Die Produktion konnte und könnte ziemlich schnell wieder hochfahren, nicht so aber die Nachfrage. Nach der Aufhebung der Restriktionen erholte sich die Industrieproduktion im März wieder deutlich, so dass sie fast den Normalzustand vor den Sperren im Februar erreichte. Die Daten für April deuten darauf hin, dass sich die Bauwirtschaft nun ebenfalls regenerieren wird. 

Die Erholung der Verbrauchernachfrage variiert dagegen je nach Branche. Während Grundnahrungsmittel im gesamten Zeitraum des Ausbruchs eine überdurchschnittliche Entwicklung aufwiesen, konnten langlebige Konsumgüter den Rückgang im März nur teilweise eindämmen. Aber andere Teilbranchen sind auf einem guten Weg: Die Autoverkaufszahlen stiegen in den ersten drei Aprilwochen von -40 Prozent im März auf -7 Prozent. 

Die Dienstleistungsbranchen, insbesondere der Reisesektor, hinken allerdings weiter hinterher. Die nationalen Passagierzahlen liegen im April immer noch weit unter ihrem normalen Niveau, während die Gastronomie und Hotelgewerbe langsam wieder anziehen. Dauerhafte präventive Maßnahmen zur weiteren Eindämmung der Epidemie könnten die Erholung des Dienstleistungssektors weiter belasten. Da die Regierung weiterhin wachsam gegenüber importierten Fällen und den Risiken einer zweiten Welle bleibt, sind die meisten Veranstaltungsorte im ganzen Land aktuell noch geschlossen. 

Die Politik wird die Binnennachfrage wohl weiter stützen. Abgesehen von den Fortschritten haben der anhaltende Druck auf den Arbeitsmarkt und die zunehmenden externen Risiken die Führung Chinas dazu veranlasst, die Förderungsmaßnahmen zur Stimulierung der Binnenwirtschaft zu intensivieren. Gerade die Infrastrukturausgaben sind nach wie vor die am besten geeigneten Wachstumsstabilisatoren. 

So könnte sich das Haushaltsdefizit, unter Einbeziehung spezifischer nationaler und lokaler Staatsanleihen, um etwas 4 Prozentpunkte im Vergleich zum BIP des letzen Jahres erhöhen. Die aktuellen politischen Entscheiden zeigen, dass die Ankurbelung des Immobilienmarktes keine bevorzugte Option ist. Die monetäre Lockerung wird sich fortsetzen, und die Peoples's Bank of China wird wahrscheinlich bald den Mindestreservesatz RRR und die Zinssätze senden. Eine Senkung der Einlagenzinsen liegt noch auf dem Tisch, muss aber möglicherweise warten, bis die Inflation bei Nahrungsmitteln weiter nachlässt. 

Das Kreditwachstum wird sich wahrscheinlich im Laufe des Jahres festigen, wobei ein beachtlicher Teil der Mittel wahrscheinlich in den Infrastruktursektor fließen wird. Allerdings kann der Stimulus den wirtschaftlichen Schaden im Laufe des Jahres nich vollständig ausgleichen. Die Verschlechterung der Auslandsnachfrage durch die Corona Krise, aber auch der weiterhin nicht gelöste Handelskonflikt mit den USA deuten auf einen zunehmenden Abwärtsdruck auf das verarbeitende Gewerbe und den Arbeitsmarkt hin. Die Aussichten für Dienstleistungsbereich sind nach wie vor schwierig einzuschätzen, wobei die meisten Verluste wahrscheinlich dauerhaft sein werden. Dennoch wird es wohl eine leichte Erholung geben und China könnte bereits im Laufe des von 2020 ein niedriges einstelliges Wirtschaftswachstum erreichen

Amundi Asset Management

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