Für einen optimalen Ausdruck erlauben Sie bitte den Druck von Hintergrundfarben und -bildern

Aktienanleihen – Die etwas andere Anleihe

Video Einleitung

Aktienanleihen, auch „Reverse Convertibles“ oder „cash or share“ genannt, gehören zur Gruppe der Anlageprodukte und sind an die Kursentwicklung einer zugrunde liegenden Aktie, den Basiswert, gekoppelt. Bezieht sich die Anleihe auf einen Index, wird das Papier als Indexanleihe bezeichnet. Die Produkte werden mit einem Cap versehen, wodurch die Partizipation an den Kursanstiegen oberhalb einer bestimmten Kursschwelle, dem Basispreis, der zugrunde liegenden Aktie ausgeschlossen werden.

Das wohl wichtigste Merkmal der Aktienanleihen besteht im Wahlrecht des Emittenten, am Ende der Laufzeit festzulegen, ob er dem Anleger den im Zuge der Anleihe verbrieften Nominalbetrag zurückgezahlt oder eine bestimmte und ebenfalls festgelegte Anzahl von Aktien liefert. Während der Laufzeit sind Aktienanleihen mit einem Zinssatz ausgestattet, der zum Emissionszeitpunkt in der Regel über dem aktuellen Marktzins liegt was vor allem durch das zuvor erwähnte Wahlrecht des Emittenten begründet ist.

Aktienanleihen im Vergleich zum Basiswert
Aktienanleihen im Vergleich zum Basiswert, Quelle: eusipa.org

Wie funktionieren Aktienanleihen im Detail?

Aktienanleihen notieren normalerweise nicht in Euro, sondern in Prozent, bezogen auf den Nennbetrag. Zunächst erwirbt der Anleger die Aktienanleihe zu einem bestimmten Nennwert, beispielsweise zu einem Nominalwert von 10.000 Euro. Während der Laufzeit erfolgt in der Regel eine jährliche Zinszahlung. Eine Besonderheit der Aktienanleihe ist, dass diese an die Kursentwicklung einer zugrunde liegenden Aktie, dem Basiswert, gekoppelt ist. Der Basiswert ist bei der Aktienanleihe deshalb von Bedeutung, weil der Emittent, also der Herausgeber der Anleihe, am Laufzeitende entscheiden kann, ob er statt der Kapitalrückzahlung eine Lieferung dieser Aktien an den Inhaber der Anleihe vornimmt. Von diesem Recht wird der Emittent dann Gebrauch machen, wenn sich für ihn daraus ein finanzieller Vorteil ergibt. Wann dies der Fall ist, lässt sich an einem Beispiel verdeutlichen.

Ein mögliches Szenario könnte bei der Aktienanleihe so aussehen, dass der Kunde zunächst 10.000 Euro als Nominalbetrag investiert. Der in den Anleihebedingungen genannte Basiswert ist beispielsweise die Telekom-Aktie. Weiterhin ist in den Bedingungen festgelegt, dass der Emittent die Möglichkeit hat, bei Fälligkeit statt der Kapitalrückzahlung, 1.000 dieser Aktien an den Anleiheinhaber zu liefern. Von diesem Wahlrecht wird der Emittent jedoch nur unter der Voraussetzung Gebrauch machen, wenn der Kurs der Telekom-Aktien zum Zeitpunkt der Anleihefälligkeit unter zehn Euro liegt. In diesem Fall wäre der Gegenwert der Aktien geringer als der Nominalwert der Aktienanleihe, der wie zuvor genannt 10.000 Euro beträgt. Der Basispreis in Höhe von 10 Euro stellt exakt die Schwelle dar, die darüber entscheidet, ob der Emittent den Nominalwert zurückzahlen oder die Aktien liefern wird. Wenn der Kurs der Telekom-Aktien oberhalb von zehn Euro liegt, würde sich der Emittent für die Rückzahlung des Nominalwertes entscheiden, da dies für ihn günstiger ist, als die Aktien zu liefern. Allgemein gilt: Je größer der Abstand zwischen dem Basispreis und dem Kurs am Emissionstag ist, umso größer ist die Chance, dass der Anleger einer Tilgung der Aktienanleihe durch Aktien entgeht. Die Rückzahlungsmodalitäten sollten in jedem Fall vor dem Kauf einer Aktienanleihe in den Emissionsbedingungen nachgelesen werden.

Die Chancen und Risiken der Aktienanleihe

Es ist wichtig zu wissen, dass Aktienanleihen mit einem deutlich höheren Risiko ausgestattet sind, als es bei den meisten anderen verzinslichen Wertpapieren der Fall ist. Dieses Risiko ergibt sich daraus, dass der Inhaber kein Recht darauf hat, bei Fälligkeit der Anleihe sein Kapital zurückgezahlt zu bekommen. Stattdessen kann sich der Emittent für die Lieferung von Aktien entscheiden, deren Gegenwert durchaus erheblich geringer als der verbriefte Nominalwert der Aktienanleihe sein kann. Sollte der Kurs der Aktien bei Fälligkeit vergleichsweise hoch sein, wird sich der Emittent für die Rückzahlung des Nominalbetrages entscheiden, sodass der Anleger nicht von der positiven Kursentwicklung profitieren kann. Um diesen Nachteil auszugleichen, sind Aktienanleihen allerdings mit einem überdurchschnittlich guten Zinssatz ausgestattet.

Für wen und in welchen Marktlagen sind Aktienanleihen empfehlenswert?

Aktienanleihen sind in erster Linie für solche Anleger empfehlenswert, die zwar prinzipiell in ein festverzinsliches Wertpapier investieren möchten, sich aber ebenso für den Aktienmarkt interessieren. Dabei werden insbesondere Anleger angesprochen, die eine - zumindest für festverzinsliche Wertpapiere - überdurchschnittliche Rendite erzielen möchten und dabei auch das Risiko in Kauf nehmen, letztendlich weniger Geld zurückzuerhalten, als sie zuvor investiert haben. Aktienanleihen eignen sich besonders für den Einsatz in seitwärts tendierenden, leicht steigenden und moderat sinkenden Märkten.

Was sollte beim Kauf beachtet werden?

Gerade aufgrund der Bezeichnung Aktienanleihe ist es sehr wichtig zu betonen, dass es bei dieser Form der strukturierten Finanzprodukte keine garantierte Kapitalrückzahlung gibt. Der Anleger sollte demnach vor dem Kauf wissen, dass er zwar ein festverzinsliches Wertpapier erwirbt, jedoch kein Recht auf die Rückzahlung des Nominalbetrages hat. Positiv ist, und auch dies sollte natürlich vor dem Kauf bekannt sein, dass die Aktienanleihen zum einen jederzeit an der Börse verkauft werden können und zum anderen mit einem überdurchschnittlich guten Zinssatz ausgestattet sind. Käufer dieser Papiere, die die Anleihe nicht zum Emissionszeitpunkt erwerben, müssen dem Anleihenverkäufer in der Regel sogenannte Stückzinsen für die Laufzeit entrichten, in der sie nicht Inhaber dieses Produktes gewesen sind. Grundsätzlich gilt, es steht nur demjenigen eine Zinszahlung zu, der zum Zeitpunkt der Zinszahlung auch Inhaber der Aktienanleihe ist. Damit die Käufer einer Aktienanleihe im Vergleich zu bereits investierten Anlegern nicht bevorteilt werden, müssen diese durch die Zahlung der Stuckzinsen einen Ausgleich schaffen. Darüber hinaus sollte sich der Anleger vor dem Kauf mit dem Basiswert, der Aktie, beschäftigen, um deren voraussichtliche Kursentwicklung einschätzen zu können.

Ebenfalls wichtig ist, dass die Eigenschaften der Aktienanleihe vor dem Kauf bekannt sind. Es besteht durchaus ein nicht unerhebliches Verwechslungsrisiko mit zwei ähnlichen Produkten, der Optionsanleihe und der Wandelanleihe. Allerdings sind die Unterschiede zwischen Aktienanleihen und diesen zwei Anleihenvarianten erheblich. Denn während der Anleger sowohl bei der Optionsanleihe als auch bei der Wandelanleihe das Recht auf seiner Seite hat, sich für die Lieferung von Aktien zu entscheiden, ist es eben bei der Aktienanleihe so, dass der Anleger keinen Einfluss auf die Entscheidung hat, ob er sein Kapital zurückerhält oder Aktien geliefert werden. Hier übt der Emittent sein Wahlrecht aus.

Aktienanleihen in verschiedenen Varianten

Neben der klassischen Aktienanleihe, die zuvor ausführlich erläutert wurde, gibt es noch einige weitere Varianten. Zu nennen ist hier beispielsweise die Aktienanleihe Plus, die auch als Aktienanleihe Protect bezeichnet wird. Das Merkmal dieser Variante besteht darin, dass es nicht nur einen Basispreis, sondern darüber hinaus zusätzlich einen Barriere gibt. Im Folgenden wird die Rückzahlungsform (Nominalwert oder Aktienlieferung) bei diesen Aktienanleihen dadurch bestimmt, ob die Barriere unterschritten wird oder nicht. Teilweise ist die Rückzahlungsform vollkommen unabhängig vom Aktienkurs zum Fälligkeitszeitpunkt. Eine weitere Variante ist die sogenannte Multi-Aktienanleihe. Wie schon anhand der Bezeichnung vermutet werden kann, gibt es bei diesen Varianten nicht nur eine Aktie, sondern mehrere Aktien als Basiswerte. Diese verschiedenen Aktien beinhalten natürlich auch unterschiedliche Basispreise. Bei dieser Variante ist die Art der Rückzahlung beispielsweise davon abhängig, wie der Kurs der sich am schlechtesten entwickelnden Aktie zum Fälligkeitszeitpunkt entwickelt hat.

Die richtige Aktienanleihe finden

Mit dem Zertifikate-Vergleich auf OnVista können Aktienanleihen bequem und übersichtlich nach diversen Merkmalen und Kennzahlen miteinander verglichen werden. So lässt sich schnell die passende Aktienanleihe finden.

Video-Quelle: Deutscher Derivate Verband
Die komplette Derivate-Liga auf DVD und weitere Publikationen können Sie hier kostenfrei bestellen.