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 17.08.2018  06:03:59  (dpa-AFX) 4467 Datensätze gefunden
ROUNDUP: Trump droht Türkei mit weiteren Sanktionen
WASHINGTON/ISTANBUL (dpa-AFX) - Die USA haben der Türkei mit weiteren Sanktionen
gedroht, sollte der unter Hausarrest stehende US-Pastor Andrew Brunson nicht
schnell freikommen. Die Regierung habe weitere Sanktionen vorbereitet, die man
verhängen wolle, sollte der Pastor nicht zügig freigelassen werden, sagte
Finanzminister Steven Mnuchin am Donnerstag bei einer Kabinettssitzung im Weißen
Haus.

Präsident Donald Trump erklärte, die Türkei habe sich nicht als "guter Freund"
der USA erwiesen. In der Nacht zum Freitag legte Trump noch einmal auf Twitter
nach. "Wir werden nichts für die Freilassung eines unschuldigen Mannes zahlen",
schrieb Trump. "Aber wir setzen bei der Türkei nach", fügte er hinzu.

Die Krise zwischen den beiden Nato-Partnern dürfte sich dadurch weiter
verschärfen. Der evangelikale Pastor Brunson war 2016 im westtürkischen Izmir
wegen Terrorvorwürfen in Untersuchungshaft genommen worden und wurde kürzlich
unter Hausarrest gestellt. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt seine
umgehende Freilassung gefordert. Anfang August verhängte seine Regierung
Sanktionen gegen zwei türkische Minister, die die Türkei erwiderte.

Wegen der Krise war es zu massiven Währungsturbulenzen in der Türkei gekommen.
Die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan hofft deswegen auf das
Engagement finanzstarker Investoren. Vier Tage nachdem die türkische
Landeswährung Lira wegen des Streits mit den USA auf historische Tiefstände
gefallen war, sprach Finanzminister Berat Albayrak am Donnerstag in einer
Telefonkonferenz mit Tausenden ausländischen Investoren. Am Morgen war die Rede
von rund 4000 Teilnehmern aus Europa, den USA und dem Nahen Osten.

Albayrak zufolge scheint eine von vielen Investoren vorgeschlagene Intervention
des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht anzustehen. Man sei nicht im
Kontakt mit dem IWF, sagte er laut der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.
Priorität sei, die Inflation, die die 15-Prozent-Marke überschritten hat, auf
einen einstelligen Wert zu drücken. Er wiederholte, dass die Regierung die
Finanzpolitik der Zentralbank unterstützen werde. Investoren hatten scharf
kritisiert, dass Erdogan vor den Wahlen angekündigt hatte, dass er sich stärker
in die Finanzpolitik einmischen werde.

Man werde "aus dieser Phase gestärkt hervorgehen", sagte Albayrak. Experten
bemängelten, dass Albayraks Präsentation zu allgemein geblieben sei. Die Lira
bewegte sich nach der Rede kaum.

Albayrak telefonierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu
auch mit seinem deutschen Kollegen Olaf Scholz. Scholz habe betont, dass eine
starke türkische Wirtschaft wichtig für Deutschland und Europa sei. Am 21.
September wollen Albayrak und Scholz demnach in Berlin zusammentreffen.
Vermutlich geht es um die Vorbereitung des Staatsbesuchs von Präsident Erdogan
in Deutschland Ende September.

Die Währungskrise sowie die scharfe Auseinandersetzung mit den USA scheinen die
Türkei näher an Europa und vor allem Deutschland heranzurücken. Albayrak habe
Scholz für die Unterstützung Deutschlands gedankt, berichtete Anadolu weiter. Er
bezog sich damit unter anderem auf Bemerkungen von Kanzlerin Angela Merkel.
Merkel hatte sich am Montag besorgt über die Lage in der Türkei geäußert.

Albayrak hatte bereits am Dienstag betont, dass eine Vertiefung der Beziehungen
zu Europa und langfristige Zusammenarbeit die beste Antwort auf die Bedrohung
durch die USA seien. Noch im vergangenen Jahr war das deutsch-türkische
Verhältnis unter anderem wegen der Inhaftierung mehrerer Deutscher in der Türkei
zerrüttet gewesen.

Die Festnahmen gehen allerdings weiter. Wie am Donnerstag bekannt wurde, war am
Mittwoch ein weiterer Deutscher in Haft gelandet. Ihm werde vorgeworfen, über
soziale Medien Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK
verbreitet zu haben, sagte sein Anwalt Ercan Yildirim der Deutschen
Presse-Agentur. Sein Mandant Ilhami A. (46) sei am Mittwoch in der osttürkischen
Provinz Elazig festgenommen worden. Kurz darauf habe ein Gericht entschieden,
der Mann müsse in Untersuchungshaft.

Zuerst hatte der NDR über den Fall berichtet. Nach Recherchen des Senders stammt
der Mann mit kurdischen Wurzeln aus Hamburg. Dort arbeite er als selbstständiger
Taxifahrer. Der Deutsche habe in seinem Heimatdorf Saribasak seine Mutter
besucht. Augenzeugen hätten berichtet, dass Sicherheitskräfte die Wohnung des
Mannes durchsucht und ihn mitgenommen hätten. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es,
der Fall sei bekannt. Die Botschaft in Ankara werde sich darum kümmern. Nach
offiziellen Angaben sind in der Türkei derzeit noch sieben weitere Deutsche aus
"politischen Gründen" in Haft.

Die französische Regierung bestätigte am Donnerstag ebenfalls ein
Telefongespräch Erdogans mit Präsident Emmanuel Macron. Macron habe Erdogan
versichert, dass Frankreich eine stabile und florierende Türkei wichtig sei. Er
werde Erdogan in dieser Hinsicht unterstützen.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) in Washington stützte indes die US-These,
die wirtschaftliche Schwierigkeiten in der Türkei seien nicht durch die
US-Sanktionen verursacht worden. Der IWF habe bereits in seiner routinemäßigen
Untersuchung der türkischen Wirtschaft, die Ende April veröffentlicht worden
war, auf erhebliche Ungleichgewichte und deutliche Anzeichen für eine
Überhitzung hingewiesen, hieß es vom Weltwährungsfonds./jam/DP/stk
Quelle: dpa-AFX

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