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 15.12.2018  10:05:07  (dpa-AFX) 3236 Datensätze gefunden
AUSBLICK 2019/Krypto-Crash: Hat Digitalgeld wie Bitcoin noch eine Chance?
NEW YORK (dpa-AFX) - Am 17. Dezember 2017 war es soweit: Der Bitcoin-Preis
kratzte auf einigen Online-Börsen an der magischen Marke von 20 000 Dollar. Der
Hype um digitale Währungen erreichte mit diesem Rekordstand einen neuen
Höhepunkt. Auch einige Finanzanalysten ließen sich vom Krypto-Fieber anstecken
und prognostizierten, dass die rasante Kursrally erst der Anfang sei. Die
Euphorie verflog jedoch rasch, ein Jahr später steht der Bitcoin-Preis bei rund
3400 Dollar - der Kurs hat mehr als 80 Prozent eingebüßt.

Für US-Starökonom Nouriel Roubini ist damit nicht weniger als die "größte Blase
der Menschheitsgeschichte" geplatzt. Die Übertreibungen seien schlimmer als bei
Hollands Tulpenmanie im 17. Jahrhundert und jedem anderen Spekulations-Crash,
der je zuvor an den Finanzmärkten stattfand. Roubini, der die Finanzkrise von
2008 vorhersagte und wegen seiner generell oft pessimistischen Vorhersagen auch
"Dr. Doom" genannt wird, bezeichnet Bitcoin als "Mutter aller Betrügereien".

Fest steht, dass viele, die auf dem Höhepunkt des Bitcoin-Booms in digitale
Währungen investierten, es heute bitter bereuen. Ob man Kryptowährungen deshalb
ganz abschreiben sollte, steht auf einem anderen Blatt. Die Bitcoin-Geschichte
ist geprägt von extremen Aufs und Abs. Totgesagt wurde das 2009 als Idee von
freiem Geld, das keiner Kontrolle von Staaten und Banken unterliegt, entstandene
Projekt schon ein paar Mal zuvor.

2011 stürzte der Kurs nach einem Rekordhoch von 30 Dollar auf unter 3 Dollar ab.
Doch 2013 folgte ein Comeback und es wurde erstmals die Schwelle von 1000 Dollar
erreicht. Schon damals war die Skepsis groß. "Es gibt jeden Grund anzunehmen,
dass der Bitcoin-Boom bald endet", schrieb der "Economist" und Analysten sahen
bereits "Muster einer aggressiven Spekulationsblase". Tatsächlich fiel der
Bitcoin-Preis zunächst bis auf fast 200 Dollar zurück und dümpelte lange Zeit
vor sich hin, bis 2017 der Gipfelsturm Richtung 20 000 Dollar begann.

Der aktuelle Crash könnte die Branche aber stärker erschüttern. Denn angesichts
der immensen Mittel, die zwischenzeitlich in digitale Währungen und die
dazugehörige Technologie investiert wurden, geht es um eine ganz andere
Dimension als bei früheren Kursstürzen. Was als Spielerei der Krypto-Szene
begann und sich langsam als Geheimtipp in Finanzkreisen herumsprach, war
plötzlich in aller Munde und viele wollten dabeisein. Umso heftiger fällt nun
der Schaden aus.

Zeitweise war der Hype so groß, dass Unternehmen ihren Börsenwert
vervielfältigen konnten, indem sie ihre Namen in irgendetwas änderten, was mit
Bitcoins und der dahinter steckenden Blockchain-Technologie zu tun hatte. Zum
Inbegriff des Krypto-Goldrauschs wurde die Getränkefirma Long Island Iced Tea,
deren Aktienkurs sich nach der Umbenennung in "Long Blockchain Corp" sofort
verdreifachte. Es folgte jedoch auch hier ein Totalabsturz - zuletzt war die
Aktie nur noch 13 Cent wert.

Befeuert wurde der Krypto-Boom auch durch umstrittene Werbeaktionen von Stars
wie Paris Hilton, Mike Tyson und anderen Prominenten. Die US-Börsenaufsicht
verdonnerte jüngst den ehemaligen Box-Champion Floyd Mayweather und den
Hip-Hop-Produzenten DJ Khaled wegen unlauterer bezahlter Promotion für dubiose
Geschäfte mit digitalen Währungen zu hohen Geldstrafen. Die beiden hatten über
ihre Social-Media-Kanäle zweifelhafte "Initial Coin Offerings" (ICOs) beworben,
ohne offenzulegen, dass sie dafür Geld erhielten.

Die Flut an ICOs - digitale Börsengänge, bei denen Unternehmen statt Aktien
Digitalwährungen (Coins) ausgeben - war das vielleicht deutlichste Alarmsignal
am heißgelaufenen Krypto-Markt. Zwischenzeitlich schien es, als würde jeder
findige Geschäftsmann mit Anlegergeld überschüttet, der einen neuen Coin
auflegt. US-Aufseher gehen davon aus, dass es sich bei diesen Deals in etlichen
Fällen um Betrug handelte. Der Beratungsfirma EY zufolge liegen 86 Prozent der
ICOs von 2017 unter ihrem Ausgabewert. Häufig wurden mit den Mitteln der
Investoren nicht mal Produkte entwickelt.

Durch das viele in der Krypto-Szene unter dem Sammelbegriff "Shitcoins"
verhöhnte Digitalgeld, das mittlerweile neben den Schwergewichten wie Bitcoin,
Ether oder XRP existiert, ist auch die krisenbedingte Marktbereinigung viel
krasser ausgefallen als zuvor. Das Marktvolumen aller Kryptowährungen ist seit
Anfang des Jahres um fast 90 Prozent auf zuletzt unter 110 Milliarden Dollar
gefallen. Das bringt eine ganze Industrie in Not, die im Zuge des Booms
entstand. Viele Jobs fallen weg, Hardware wird verschrottet, denn Equipment und
Stromkosten etwa zum Bitcoin-Schürfen lohnen sich nicht mehr.

Andererseits könnten die beträchtlichen Investitionen, die in die noch recht
junge Branche geflossen sind, auch ein Grund zur Hoffnung sein. Denn Anleger -
auch große Akteure der Finanzindustrie - haben inzwischen so viel Geld in
Technologien rund um Kryptowährungen gesteckt, dass nicht einfach so der Stecker
gezogen werden dürfte. Insgesamt zeige der Abwärtstrend nur einmal mehr, "dass
die ganze Anlageklasse gerade erst am Beginn ihres Erwachsenwerdens steht",
meint Leonard Zobel vom Berliner Start-up next Block, das eine in Deutschland
regulierte Börse für Kryptowährungen plant. Und der Blockchain-Technologie wird
immer wieder großes Potenzial in verschiedenen Bereichen über Bitcoin & Co
hinaus zugesprochen./hbr/DP/zb

--- Von Hannes Breustedt, dpa ---
Quelle: dpa-AFX

15.12.2018  10:05:05  (dpa-AFX)
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