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RWE steigert Prognose, Aktie im Plus

onvista · Uhr
Quelle: imageportal/Shutterstock.com

Der Energiekonzern RWE hat auf Basis vorläufiger Zahlen seine Prognose für das laufende Jahr nach oben geschraubt. Die Experten bei den Investmentbanken schielen derweil schon auf die nächste positive Nachricht. An der Börse ging es für die Aktie hingegen dieses Jahr bislang nicht nur aufwärts. Was bei RWE los ist, die Analysten sagen und die Aktie macht.

RWE proftiert von hohen Energiepreisen

Rund zwei Wochen vor der offiziellen Zahlenvorlage zum zweiten Quartal war Ende Juli bei RWE schon klar: Das reicht. Und so hob das Management um Chef Markus Krebber erneut seine Jahresprognose an. Es werde erwartet, dass sich die positive Ergebnisentwicklung aus dem ersten Halbjahr fortsetzt. Auf Konzernebene wird deshalb nun ein bereinigtes operatives Ergebnis (bereinigtes Ebitda) von 5 bis 5,5 Milliarden Euro erwartet. Das ist jeweils über ein Drittel mehr als zuvor und auch die alte Spanne hatte RWE schon Mitte Februar nach oben korrigiert.

Das erste Halbjahr sei "von einer außerordentlich starken Performance im Energiehandel geprägt" gewesen, begründete Finanzchef Michael Müller die Entscheidung. Hier profitiert RWE von den hohen Energiepreisen. Wie die sich aber weiter entwickeln, weiß so recht niemand momentan und so bleibt auch RWE vage: Während der Energiehandel laut vorläufigen Zahlen schon in den ersten sechs Monaten 545 Millionen Euro zum operativen Ergebnis beitrug, lautet die Prognose für das Gesamtjahr lediglich "deutlich über 350 Millionen Euro".

RWE zählt das Segment zu seinem Kerngeschäft, zusammen mit der Windkraft an Land und auf See, Solar sowie Wasser, Biomasse und Gas. Im vergangenen Jahr steuerte das gesamte Kerngeschäft gut drei Viertel zum operativen Ergebnis bei, dieses Jahr soll der Anteil, wenn es gut läuft, weiter wachsen. Gleichzeitig wurde die Prognose für das Nicht-Kerngeschäft lediglich bestätigt. Hier bündelt RWE seine Geschäfte mit Kohle- und Kernenergie. Die dort produzierten Strommengen hat der Konzern bereits im Voraus verkauft.

In Zukunft könnte gerade dieser Bereich allerdings nochmal neuen Schwung bekommen. Denn die Bundesregierung will, dass Kohlekraftwerke wieder fit gemacht werden, um die Gasspeicher schneller füllen zu können. Kraftwerke, die bislang als Netzreserve dienten, sollen zur Produktion genutzt werden und solche aus der Sicherheitsbereitschaft gehören ab dem 1. Oktober der neu geschaffenen Versorgungsreserve an.

Bei RWE würde das die Blöcke E und F des Braunkohlekraftwerks Niederaußem betreffen und den Block C des Braunkohlekraftwerks Neurath. Zusammen haben sie eine Leistung von 900 Megawatt. Eigentlich wären sie dieses und nächstes Jahr komplett stillgelegt worden. Auf Zurufen der Bundesregierung könnte RWE sie nun bald wieder anschmeißen. Aber das ist Zukunftsmusik - wenn auch mit veralteter Technologie. Im ersten Halbjahr spielte das Segment keine allzu große Rolle und steuerte noch nicht mal ein Fünftel bei.

Laut den vorläufigen Zahlen erzielte RWE auf Konzernebene ein bereinigtes operatives Ergebnis von 2,86 Milliarden Euro. Das ist über 60 Prozent mehr als letztes Jahr. Zugleich teilte RWE mit, dass sich die positive Entwicklung auch 2023 fortsetzen solle. Aufgrund der aktuellen Unsicherheiten wird jedoch eine neue Ergebnisprognose für 2023 oberhalb der bisherigen Prognose erst zu einem späteren Zeitpunkt festgelegt. Die endgültigen Zahlen für sein erstes Halbjahr will RWE am 11. August vorlegen.

Das sagen die Analysten

Nachdem RWE jetzt erneut die Jahresprognose nach oben geschraubt hat, geht der Blick der Experten bei den Investmentbanken und Analysehäusern weiter in die Zukunft. Sie schielen auf die Hinweise des Konzerns für kommendes Jahr. Für RBC-Analyst John Musk kam das höhere operative Ergebnisziel nicht ganz überraschend. Er sieht auch für 2023 und darüber hinaus noch Luft nach oben.

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Ähnlich äußerte sich Olly Jeffery von Deutsche Bank Research: Er findet, dass RWE trotz der deutlichen Anhebung des Ergebnisziels für dieses Jahr immer noch vorsichtig in die Zukunft blickt. Und auch Jefferies-Experte Ahmed Farman erwartet, dass mit der Ankündigung des Konzerns entsprechend die Markterwartung für das operative Ergebnis im Jahr 2023 steigen könnte. Alberto Gandolfi von Goldman Sachs lobte RWE. Das Unternehmen sei derweil mit Blick auf die drohende Energieknappheit in Deutschland gut aufgestellt.

Werner Eisenmann von der DZ Bank sieht deshalb auch gute Chancen für die Anleger. Durch die positive Entwicklung im flexiblen Bereich Wasser, Biomasse und Gas sollte nun auch den Marktteilnehmern klarer werden, dass RWE ein Profiteur von Stromengpässen, einer höheren Aufmerksamkeit für Versorgungssicherheit und einem wahrscheinlich dauerhaft höheren Strompreisniveau sein wird, schrieb er. Zudem sei RWE mit dem äußerst starken Offshore-Windbereich sowie der Fokussierung auf Wasserstoff und erneuerbaren Energien ein Hauptprofiteur einer nochmals beschleunigten Energiewende.

YTD: Plus von 16 Prozent

Von den gut laufenden Geschäften des Konzerns profitieren auch die RWE-Anleger. Seit Jahresbeginn steht ein Gewinn von 16 Prozent. Damit gehört RWE bislang zu den wenigen Gewinnern 2022 im Dax . Trotzdem war das Börsenjahr für die Aktionäre kein Spaziergang.

Zwar zog die RWE-Aktie Ende Februar erstmal kräftig an, während zahlreiche andere Werte wegen des ausgebrochenen Kriegs in der Ukraine abstürzten. Denn die Diskussion, welche Energieträger die Unabhängigkeit von russischem Gas fördern könnten, war bereits da in vollem Gange und RWE zählt mit dem Portfolio an erneuerbaren Energien zu den Profiteuren.

Anfang März rutschte dann aber auch die RWE-Aktie ab und fand ihr bisheriges Jahrestief bei 32,52 Euro. Grund waren vor allem Sorgen über drohende Abschreibungen und Belastungen bei den Unternehmen wegen russischer Geschäftsbeziehungen - allen voran Uniper . Der Düsseldorfer Energiekonzern setzte mit seinem großen Engagement in Russland zahlreiche Branchenwerte in den vergangenen Monaten immer wieder unter Druck.

Und so kletterte die RWE-Aktie in der zweiten Maihälfte zwar bis auf ihr Rekordhoch bei knapp 44, taumelte in den darauffolgenden Wochen aber wieder abwärts. Als Uniper Ende Juni staatliche Hilfe beantragte, rutschte RWE bis auf ein Tief seit März. Zudem belasteten in diesen Wochen auch die Sorge vor einer Sondersteuer für Übergewinne den Energiesektor.

Seitdem klettert die Aktie aber wieder aufwärts und ist mittlerweile wieder bei mehr als 40 Euro angelangt. Damit ist RWE an der Börse mit 28 Milliarden Euro bewertet. Das ist etwas mehr als Eon , der zweite große Energiekonzern aus dem Dax aus Essen, momentan wert ist. Im europäischen Vergleich bringt die Konkurrenz allerdings mehr auf die Waage - zum Teil deutlich mehr: Der französische Konzern Engie ist mehr als 30 Milliarden Euro wert, Enel aus Italien rund 50 Milliarden und das spanische Unternehmen Iberdrola sogar 67 Milliarden Euro.

Die von dpa-AFX erfassten Analysten sehen aber für die RWE-Aktie noch weiter Luft nach oben. Seit der erhöhten Prognose haben sich sieben Experten geäußert, sie alle empfehlen die Aktie zum Kauf, im Schnitt zu einem Kursziel von knapp 52 Euro.

Redaktion onvista/dpa-AFX

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