Ökonomen-Stimmen zum Einbruch des Ifo-Geschäftsklimas

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Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich angesichts des Ukrainekrieges und der Nachwirkungen der Pandemie deutlich verschlechtert. Das Ifo-Geschäftsklima fiel im September zum Vormonat um 4,3 Punkte auf 84,3 Zähler, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Mai 2020. Der Rückgang fiel zudem höher aus, als Experten es erwartet hatten.

Die Einschätzung von Ökonomen im Überblick:

Jörg Krämer, Chefvolkswirt Commerzbank

"Das Ifo-Geschäftsklima ist im September förmlich eingebrochen. Dieser wichtige Frühindikator signalisiert für das Winterhalbjahr mehr denn je eine Rezession. Der Energiepreisschock lässt die Kaufkraft der Konsumenten einbrechen und macht die Produktion vieler Unternehmen unrentabel. Deutschland steht vor einem wirtschaftlich schwierigen Winter."

Ralf Umlauf, Analyst Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba)

"Kurzfristig lässt sich wegen anhaltend hoher Gas- und Konsumentenpreise, der Versorgungsunsicherheit, der geopolitischen Risiken und der steigenden Zinsen nicht erkennen, dass die Stimmung der deutschen Wirtschaft schon bald auf Erholungskurs geht. An dem Plan der EZB, die Zinsen zu erhöhen wird dies kurzfristig kaum etwas ändern, denn ein konjunktureller Abschwung wird in Kauf genommen."

Michael Holstein, Chefvolkswirt DZ Bank

"Insgesamt bestätigt die Ifo-Umfrage unsere Einschätzung, dass sich die deutsche Wirtschaft bereits im dritten Quartal auf dem Weg in die Rezession befindet. In den beiden folgenden Quartalen wird sich die Krise wohl noch einmal vertiefen. Für das Jahr 2023 erwarten wir einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in Deutschland um knapp zwei Prozent."

Andrew Kenningham, Chefvolkswirt für Europa bei Capital Economics

"Der weitere starke Rückgang des Ifo-Geschäftsklimaindex im September trägt zur düsteren Stimmung bei, die die deutsche Wirtschaft umgibt. Die Sorgen über Energiepreise und sinkende Realeinkommen der Haushalte dürften das Vertrauen hart treffen. Wir gehen davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowohl im dritten als auch im vierten Quartal dieses Jahres schrumpfen wird. Die Umfrage deutet darauf hin, dass die Rezession tiefer und breiter angelegt sein wird, als die meisten erwarten."

Melanie Debono, Analystin bei Pantheon Macroeconomics

"Wir gehen davon aus, dass das deutsche BIP in diesem Quartal zurückgegangen ist und sich die Wirtschaft trotz der jüngsten fiskalischen Unterstützung bis Ende des Jahres in einer technischen Rezession befinden wird."

Redaktion onvista/dpa-AFX

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