EY erwartet 2023 mehr Kreditausfälle und weniger Immobilienkredite

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(EY hat seine Angaben korrigiert. Unternehmenskredite sind demnach 2022 um 7,3 Prozent, nicht 6,4 Prozent gewachsen. Der dritte Satz wurde entsprechend geändert.)

Frankfurt (Reuters) - Die hohen Energiepreise und eine schwächelnde Nachfrage werden einer Studie zufolge die Kreditvergabe im kommenden Jahr deutlich bremsen.

Kredite an Unternehmen würden besonders stark zurückgehen, so die Analyse "European Bank Lending Forecast" der Beratungsfirma EY. Nachdem Unternehmenskredite im laufenden Jahr ein Rekordwachstum von 7,3 Prozent verzeichneten, werden sie 2023 laut der Prognose um 2,9 Prozent zurückgehen. Damit liegt Deutschland unter dem Durchschnitt der Eurozone, wo ein Minus von 2,7 Prozent erwartet wird. "Deutschland ist von dieser Krise besonders betroffen, denn Deutschland muss strukturelle Probleme lösen – gerade im Produktionssektor, der bis vor kurzem auf günstige Energieimporte aus Russland angewiesen war", sagt Robert Melnyk, Leiter des Bereiches Banken und Kapitalmärkte bei EY Financial Services.

Rückläufig werden sich der Studie zufolge im kommenden Jahr auch Immobilienkredite entwickeln. Diese legen der Prognose zufolge im laufenden Jahr um 6,2 Prozent zu, doch mit der Zinswende sinkt die Nachfrage. "Zudem erscheinen Immobilien, deren Preise zwischen dem ersten Quartal 2019 und Mitte 2022 um 35 Prozent gestiegen sind, in vielen Regionen inzwischen überbewertet", sagt Melnyk. "Darauf reagieren die Banken – sie sind zu Recht vorsichtiger bei der Kreditvergabe." 2023 erwarten EY-Analysten einen Rückgang des Bestands an Immobilienkrediten um 0,1 Prozent, während die gesamte Eurozone ein 0,5-Prozent-Wachstum verzeichnen soll.

"Für potenzielle Häuslebauer wird es immer schwerer, eine tragfähige Finanzierung auf die Beine zu stellen", sagt Melnyk. Denn auch die zusätzlichen regulatorischen Maßnahmen werden die Geldhäuser bei der Vergabe von Immobilienkredite bremsen. "Und die Banken werden ganz genau hinschauen, ob der Finanzierungsplan auch in Zeiten rekordhoher Energiepreise realistisch ist."

Die EY-Analysten gehen davon aus, dass immer mehr Privatpersonen und Unternehmen im kommenden Jahr ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen können. Der Anteil notleidender Kredite am gesamten Kreditvolumen hierzulande soll sich auf 2,3 Prozent von aktuell 1,2 Prozent fast verdoppeln. Dass es zuletzt sehr wenige Kreditausfälle gab, liege auch an die staatlichen Hilfsmaßnahmen sowie an den Insolvenzmoratorien in der Pandemie. "Die Banken müssen sich darauf einstellen, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen wieder steigt, wenn wir in eine Rezession geraten", sagt EY-Managing-Partner Thomas Griess. Die deutsche Kreditwirtschaft verkrafte allerdings den Anstieg problemlos, sodass keine Gefahr für den Bankensektor bestehe. Der Ausblick, auf den EY ihre Prognose baut, geht von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent im kommenden Jahr aus - ein deutlich stärkeres Minus als in der gesamten Eurozone, wo die Wirtschaft um 0,1 Prozent schrumpfen soll.

(Bericht von Marta Orosz. Redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

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