18 Prozent weniger ausländische Investitionen in Deutschland

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- von Rene Wagner

Berlin (Reuters) - Deutlich weniger ausländische Unternehmen haben im zu Ende gehenden Jahr in Deutschland investiert.

Die bundeseigene Gesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI) rechnet mit einem Rückgang von 18 Prozent im Vergleich zu 2022, als rund 1800 Neuansiedlungen und Erweiterungen gezählt wurden. Als Misstrauensvotum gegen den Standort Deutschland wollen die Wirtschaftsförderer diese Entwicklung aber nicht verstanden wissen. "Wir bleiben der gefragteste Standort in der Europäischen Union für ausländische Direktinvestitionen", sagte der Managing Director der GTAI, Achim Hartig, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. In anderen Ländern zeichneten sich zudem stärkere Rückgänge ab - in Frankreich und in der Schweiz etwa von fast einem Viertel, sagte Hartig, der das Netzwerk der Investitionsförderagenturen im Industriestaatenklub OECD leitet. Angesichts eines schwierigen Umfelds mit zahlreichen Krisen - vom russischen Krieg gegen die Ukraine bis hin zum eskalierenden Nahost-Konflikt - setzten viele Unternehmen derzeit eher auf Übernahmen und Fusionen anstelle eigener Investitionen.

"Es sind zwar weniger Projekte, aber deren Qualität ist noch einmal nach oben gegangen", sagte Hartig. Allein 16 Investitionen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro seien in diesem Jahr bislang zugesagt worden - darunter sechs im Milliardenbereich. Erst vor wenigen Wochen etwa verkündete der US-Pharmakonzern Eli Lilly, rund 2,3 Milliarden Euro in ein neues Werk im rheinland-pfälzischen Alzey zu stecken. Die größte Investition aber kommt vom Energiekonzern BP, der 6,8 Milliarden Euro für zwei Windparks in der Nordsee ausgeben will. Auch drei Rechenzentren in Berlin, im brandenburgischen Wustermark und im hessischen Hanau sollen jeweils die Milliardenmarke übertreffen. Apple wiederum will sein europäisches Zentrum für Chip-Design in München massiv ausbauen, wofür Ausgaben von einer Milliarde Euro vorgesehen sind.

DIGITALISIERUNG IN DEUTSCHLAND LOCKT VIELE INVESTOREN AN

"Digitalisierung ist ein großes Thema in Deutschland, das viele ausländische Investoren anlockt", sagte Hartig. Auch bei Halbleitern, der Rohstoffsicherung durch Batterierecycling oder dem Ausbau Erneuerbarer Energien gebe es zunehmendes Interesse ausländischer Firmen. Die steigende Verfügbarkeit von Erneuerbarer Energie sei dabei ein Standortvorteil für Deutschland.

Allerdings sind die Energiepreise im internationalen Vergleich recht hoch. "Deutschland war noch nie ein besonders günstiger Standort", sagte Hartig. "Aber wir müssen an den Rahmenbedingungen arbeiten." Notwendig sei etwa auch die Sicherung von ausreichend Fachkräften.

Mehr und mehr zum Tragen komme mittlerweile die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. "Investoren denken immer weniger in Landesgrenzen, sondern europäisch", sagte Hartig. So profitiere Deutschland auch von Investitionen in Nachbarländern wie Frankreich und Polen, die dann oftmals auf Zulieferer in der Bundesrepublik zurückgriffen. "Da entsteht ein Ökosystem", sagte der Experte.

Nicht nur ausländische Unternehmen zögern aktuell mit Investitionen, sondern auch deutsche. Nur 27 Prozent planen für 2024 mit höheren Investitionsausgaben als im zu Ende gehenden Jahr, während 36 Prozent geringere Budgets einplanen, wie aus einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter mehr als 2200 Betrieben hervorgeht. "Die Investitionsschwäche wird 2024 nicht überwunden", so das Fazit des IW.

(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Sabine Ehrhardt - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)

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