Sorge vor 'Mischkonsum' mit Cannabis am Steuer

dpa-AFX · Uhr

BERLIN (dpa-AFX) - Mit der geplanten Legalisierung von Cannabis sind aus Expertensicht auch Probleme mit "Mischkonsum" beim Autofahren zu befürchten. "Wird zu Cannabis etwa noch Alkohol konsumiert, erhöht das die Unfallgefahr", sagte die Leiterin der Unfallforschung der Versicherer, Kirstin Zeidler, der Deutschen Presse-Agentur. "Sobald Alkohol im Spiel ist, muss es im Sinne der Verkehrssicherheit daher eine Null-Toleranz-Grenze für Cannabis am Steuer geben. Alkohol und Cannabis zusammen sind unberechenbar."

Der Bundestag soll voraussichtlich an diesem Freitag Gesetzespläne der Ampel-Koalition für eine kontrollierte Freigabe von Cannabis in Deutschland beschließen. Eigenanbau und Besitz bestimmter Mengen sollen für Volljährige ab 1. April zum Eigenkonsum erlaubt werden. Vorgesehen sind zahlreiche Regeln und Vorgaben. Begleitend lässt das Verkehrsministerium von einer Expertengruppe ermitteln, wie ein gesetzlicher Grenzwert für den berauschenden Wirkstoff THC gefasst werden könnte. Ergebnisse dazu sollen im Frühjahr vorliegen.

Unfallforscherin Zeidler sagte, schon vor der Freigabe spiele Mischkonsum eine Rolle. Rund 40 Prozent der Autofahrer, die unter Drogen Unfälle mit Personenschaden verursacht haben, hätten auch Alkohol im Blut gehabt. "Bereits niedrige Alkoholdosen verstärken die Wirkungseffekte, wie internationale Studien zeigen." In den Niederlanden gelte bei Mischkonsum mit Cannabis ein Grenzwert von 1 Nanogramm THC je Milliliter Blutserum. "Wer fährt, sollte nüchtern und clean sein", betonte Zeidler.

Unabhängig von Mischkonsum hat sich der als streng geltende Wert von 1 Nanogramm auch in Deutschland in der Rechtsprechung etabliert. Ab dann drohen laut Verkehrsministerium generell Geldbußen, Fahrverbot und Punkte. Diskutiert wird schon seit längerem über eine Anpassung. Beim Verkehrsgerichtstag sprachen sich Experten 2022 für eine "angemessene" Heraufsetzung aus. Denn der Wert von 1 Nanogramm liege so niedrig, dass er den Nachweis von Cannabis-Konsum ermögliche. Dies führe aber dazu, dass viele sanktioniert würden, bei denen sich eine Minderung der Fahrsicherheit nicht tragfähig begründen lasse.

Zeidler sagte zu der grundsätzlichen Debatte: "Wir brauchen auch für Cannabis einen Grenzwert für Fahrtüchtigkeit wie die 0,5 Promille bei Alkohol." Solange keine aussagekräftigen Forschungsergebnisse dazu vorlägen, sollte sich Deutschland an den Niederlanden orientieren. "Dort ist Cannabis schon länger legal, es gilt ein Grenzwert von 3 Nanogramm THC je Milliliter Blutserum." Soweit bekannt, sei die Fahrtüchtigkeit bei 3 Nanogramm noch nicht eingeschränkt. "Für Fahranfänger in der Probezeit und bis 21 Jahre sollte wie bei Alkohol die Null-Toleranz-Grenze gelten." Um Unfälle zu vermeiden, rufen die Unfallforscher die Politik dazu auf, über Wirkung und Unfallrisiken von Cannabis aufzuklären./sam/DP/zb

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