Konjunktur

Chinas Immobilienpreise mit stärkstem Rückgang seit knapp zehn Jahren

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Die Preise für Wohnimmobilien in China sind im Mai so stark gefallen wie seit einem knappen Jahrzehnt nicht mehr.

Sie gaben um 0,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat nach, wie Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters auf der Grundlage der am Montag veröffentlichten Angaben des nationalen Statistikamtes ergaben. Das war bereits der elfte Rückgang in Folge. Im Vergleich zum Mai 2023 fielen die Preise um 3,9 Prozent.

Chinas stark verschuldeter Immobiliensektor, einst ein wichtiger Motor des Wirtschaftswachstums des Landes, wird seit Mitte 2021 immer wieder von Krisen heimgesucht. Dazu gehören Zahlungsausfälle von Bauträgern und Baustopps bei bereits verkauften Wohnbauprojekten. Die Regierung versucht, mit Fördermitteln und einer Lockerung der Hypothekenbedingungen gegenzusteuern.

Die Immobilieninvestitionen sind trotz solcher Bemühungen weiter rückläufig. Von Januar bis Mai brachen sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,1 Prozent ein, wie das Statistikamt weiter mitteilte. Die Verkäufe von Wohnimmobilien gingen noch stärker zurück. "Die Schwäche des Immobilienmarktes hat den privaten Konsum und die Investitionen beeinträchtigt", sagte Analyst ZhaoPeng Xing vom Finanzhaus ANZ.

Auch aus der Industrie kommen schlechte Nachrichten. Deren Produktion verlangsamte sich im Mai überraschend deutlich. Sie wuchs nur noch um 5,6 Prozent zum Vorjahresmonat, so das Statistikamt. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Plus von 6,0 Prozent gerechnet, nachdem es im April noch zu einem Anstieg von 6,7 Prozent gereicht hatte. Ökonomen warnen jedoch, dass die zunehmenden Handelsspannungen mit dem Westen aufgrund von Überkapazitäten die chinesischen Hersteller von Solar- und Elektrofahrzeugen vor weitere Herausforderungen stellen könnten.

Die Einzelhandelsumsätze, ein Indikator für den Konsum, stiegen dagegen im Mai mit 3,7 Prozent überraschend kräftig. "In der Wirtschaft gibt es weiterhin erhebliche branchenübergreifende Unterschiede gibt: starke Exporte und Produktionsaktivität, relativ stabiler Konsum und eine noch immer gedämpfte Immobilienaktivität", fassten Analysten von Goldman Sachs die aktuelle Entwicklung zusammen.