Deutschland schließt ersten Einkaufsvertrag für Wasserstoff-Import ab

Reuters · Uhr
Quelle: (c) Copyright Thomson Reuters 2024. Click For Restrictions - https://agency.reuters.com/en/copyright.html

Berlin (Reuters) - Deutschland hat mit Verspätung seinen ersten Einkaufsvertrag zur Einfuhr von Wasserstoff abgeschlossen.

Von 2027 bis 2032 sollen mindestens 259.000 Tonnen des Wasserstoff-Derivats Ammoniak per Schiff aus Ägypten geliefert werden, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Eigentlich hatte die Regierung auf erste Lieferungen bereits Ende 2024 gehofft. Ammoniak ist leichter zu transportieren als Wasserstoff, muss in Deutschland dann aber wieder in Wasserstoff umgewandelt werden. Der Produktionspreis des Ammoniaks soll bei gut 800 Euro pro Tonne liegen, dazu kommen Transportkosten. Der Wert der Lieferung dürfte so bei etwa 300 Millionen Euro liegen. Der Ammoniak soll "grün", also mit Hilfe erneuerbarer Energie hergestellt werden. Dafür werden in Ägypten neue Solar- oder Windkraftwerke gebaut.

Für den Import von Wasserstoff hatte Deutschland die Stiftung "H2Global" quasi als Handelsplattform gegründet. Sie übernimmt eine Scharnierfunktion zwischen Produktionsländern vor allem auf der südlichen Halbkugel und den Industriestaaten als Abnehmer.

Ende 2022 hatte die Regierung die erste Ausschreibungsrunde für Wasserstoff gestartet. Wer am günstigsten anbietet, sollte den Zuschlag bekommen. Liefern will jetzt die Firma Fertiglobal, hinter der Adnoc aus Abu Dhabi stehen soll. Auf der anderen Seite können jetzt Unternehmen für den Brennstoff bieten. Hier bekommt den Zuschlag, wer den höchsten Preis aufruft. Die erwartete Lücke zwischen Angebots- und Verkaufspreis wird über Fördergeld ausgeglichen. Die Stiftung ist mit insgesamt 4,4 Milliarden Euro ausgestattet.

Mit der Pilot-Ausschreibung hat die Regierung erstmals einen konkreten Hinweis zu den Kosten der grünen Wasserstoff-Produktion. Auf Basis des Ammoniak-Preises komme man auf etwa 4,50 Euro Produktionskosten pro Kilo Wasserstoff, teilte das Ministerium mit. Beim Einsatz von Erdgas, sogenannter grauer Wasserstoff, sind es etwa drei bis vier Euro.

Das Vorhaben ist Teil der Wasserstoff-Strategie der Regierung, die noch durch eine Import-Strategie ergänzt wird. Deutschland will Leitmarkt für die Wasserstoff-Wirtschaft werden. Weltweit stößt die Regierung mit verschiedenen Ländern Projekte an, damit sogenannter grüner Wasserstoff - also klimaneutral produzierter - entsteht.

Wasserstoff gilt als Schlüssel, um vor allem die Grundstoffindustrie in Deutschland klimaneutral zu machen. Zudem soll er aber auch Gas-Kraftwerken eingesetzt werden, um die wachsende aber stark schwankende Produktion von Wind- oder Solarstrom auszugleichen. Wasserstoff wird zudem auch im Luft- und Schiffsverkehr benötigt. Es wird davon ausgegangen, dass Deutschland langfristig etwa ein Drittel des Bedarfs selbst produzieren kann, der Rest muss eingeführt werden.

(Bericht von: Markus Wacket; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)