Münchener Rück bleibt mit Gewinnprognose vorsichtig
- von Alexander Hübner
München (Reuters) - Die Münchener Rück bleibt für das Gesamtjahr trotz ungewöhnlich niedriger Naturkatastrophen-Schäden vorsichtig.
Der weltgrößte Rückversicherer bestätigte am Dienstag seine Prognose eines Gewinns von sechs Milliarden Euro, obwohl er nach neun Monaten schon bei 5,18 (2024: 4,62) Milliarden Euro steht. "Wir sind auf einem exzellenten Weg, dieses Ziel zu erreichen oder zu übertreffen", sagte Finanzvorstand Christoph Jurecka, der zum Jahreswechsel Vorstandschef Joachim Wenning ablöst. Man werde das vierte Quartal nutzen, um niedriger verzinste Kapitalanlagen abzulösen und durch lukrativere zu ersetzen, um die Bilanz zu stärken. Das geht aber kurzfristig auf Kosten der Rendite.
Analysten hatten der Münchener Rück im Vorfeld bereits einen Nettogewinn in diesem Jahr von 6,3 Milliarden Euro zugetraut. Der kleinere Rivale Hannover Rück hatte seine Prognose am Montag erhöht. Dass die Münchener Rück dem nicht folgte, ließ ihre Aktie um 0,8 Prozent auf 540 Euro abbröckeln. "Etwas enttäuschend", schrieb Jefferies-Analyst Philip Kett.
JURECKA: "PLATEAUBILDUNG" STATT WEICHER MARKT
Vorsichtig agiert die Münchener Rück auch bei der Zeichnung neuer Verträge, nachdem die Preise vor allem im Geschäft mit dem Schutz vor Naturkatastrophen unter Druck geraten sind, wo große Schäden ausblieben, wie Jurecka in einer Telefonkonferenz einräumte. Der Rückversicherer verlängere Verträge nicht, wenn die Preise und Konditionen den eigenen Anforderungen nicht gerecht würden. "Da sind wir konsequent." Daher - und wegen des schwachen Dollar - werde auch der Umsatz in der Rückversicherung in diesem Jahr mit 39 Milliarden Euro nochmals um eine Milliarde geringer ausfallen als bisher geplant. Jurecka wollte aber nicht von einer Aufweichung des Marktes sprechen. Man beobachte eher eine "Plateaubildung", sagte er.
Im dritten Quartal konnte der Rückversicherer den Nettogewinn auf fast zwei (2024: 0,91) Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Die Belastung aus Naturkatastrophen und anderen Großschäden war mit 118 Millionen (1,34 Milliarden) Euro sehr gering, nach neun Monaten liegt die Schaden-Kosten-Quote in der Schaden-Unfall-Rückversicherung mit 69,8 (77,9) Prozent weit unter Vorjahr; für das Gesamtjahr stellt die Münchener Rück nun 74 (79) Prozent in Aussicht. Im vierten Quartal kommt voraussichtlich ein mittlerer dreistelliger Millionenschaden durch den Hurrikan "Melissa" hinzu, der Ende Oktober vor allem Jamaika schwer getroffen hat. Die Delle in der Lebens- und Gesundheits-Rückversicherung lasse sich bis zum Jahresende wettmachen, sagte Jurecka.
Die Erstversicherungssparte Ergo hat ihren Quartalsgewinn dank eines florierenden Auslandsgeschäfts und des Zukaufs des Online-Versicherers Next in den USA auf 304 (141) Millionen Euro mehr als verdoppelt, obwohl sie im Inland einen Effekt aus der Senkung der Körperschaftsteuer verkraften musste. Jurecka setzt weiter auf die Expansion im Ausland, wo höhere Wachstumsraten zu erwarten seien. Dort seien Zukäufe ebenso möglich wie in der neuen Spezialversicherungssparte. "Aber es gibt aktuell nichts Konkretes." Für das Kerngeschäft in der Rückversicherung schloss Jurecka Übernahmen aus: "Wir sind Marktführer, und wir kennen alle unsere Kunden."
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)



