
Der Dax hat zum Wochenausklang weitere Verluste verbucht, einen Teil davon aber im Handelsverlauf immerhin eingedämmt. Unterm Strich sank der Leitindex des deutschen Aktienmarkts am Freitag um 0,69 Prozent auf 23.876 Punkte.
Auf Wochensicht hat der Dax damit dennoch 1,3 Prozent hinzugewonnen. Der MDax der mittelgroßen Werte rutschte um 0,67 Prozent auf 29.412 Zähler ab und der Euro Stoxx 50 büßte 0,85 Prozent ein.
In der Hoffnung auf das inzwischen besiegelte Ende des längsten Teilstillstands der US-Regierungsgeschäfte (Shutdown) hatte der Dax in dieser Woche zuerst klar zugelegt, bevor es am Donnerstag zu einer Korrektur kam und die Rally in Richtung Oktober-Höchststand ausgebremst wurde. Mit dem aktuellen Abschlag trübt sich das Chartbild wieder merklich ein, das Rekordhoch bei 24.771 Punkten rückt in die Ferne.
In den USA hatten am Vortag Gewinnmitnahmen die Indizes belastet, wobei es besonders stark die Nasdaq-Börse mit den dort konzentrierten Technologiewerten erwischte. Die Wall Street entwickelte sich am Freitag gemischt, teilweise erholten sich zuvor stark gebeutelte Titel.
US-Notenbanker dämpfen Hoffnung auf weitere Zinssenkung
Einige Fed-Mitglieder hatten Vorsicht signalisiert hinsichtlich künftiger Zinssenkungen, sodass Anleger nun Zweifel hegen, ob die US-Notenbank im Dezember den Leitzins ein weiteres Mal senken wird. Zur Einschätzung der wirtschaftlichen Lage warten sie gespannt auf Konjunkturdaten, die nach dem Ende des Shutdowns nun wieder veröffentlicht werden können.
Die Äußerungen der US-Notenbanker hätten gesessen und die Aktienmärkte von ihrem Höhenflug zurückgeholt, kommentierte Börsenexperte Andreas Lipkow. Investoren seien zum Wochenschluss auf dem falschen Fuß erwischt worden. Gute Quartalszahlen reichten vor dem Wochenende nicht aus, um die Risikoscheu abzuschütteln.
Siemens Energy entzückt Anleger mit Zahlen
Die Berichtssaison befindet sich unterdessen auf der Zielgeraden. Im Fokus stehen vor dem Wochenende Siemens Energy nach einer Prognoseerhöhung für 2027/28. Analysten sehen nun erheblichen Spielraum für die Markterwartungen. Die Aktien gewannen an der Dax-Spitze über neun Prozent.
Hinten im Dax korrigierten die Papiere des Pharma- und Agrarchemiekonzerns Bayer mit minus fünf Prozent einen Teil ihrer Wochengewinne. Auch für Technologiewerte wie Infineon und SAP ging es deutlich in den Keller.
Die Allianz erhöhte die Jahresprognose. Die Papiere zogen um 1,2 Prozent an, blieben aber unter ihrem im August erreichten Jahreshoch. Wie andere Versicherer profitierte der Konzern im Sommer von ungewöhnlich geringen Katastrophenschäden.
IT-Dienstleister sorgten für Furore. Bechtle rechnet nach einem überraschend starken dritten Jahresviertel auch im Schlussquartal mit einem positiven Geschäftsverlauf. Die Aktien sprangen um rund 15 Prozent hoch.
Bei Nagarro jubelten Anleger über Kursgewinne von fast 30 Prozent nach Quartalszahlen. Nagarro will zudem das Kapital der Gesellschaft durch Einziehung eigener Aktien herabsetzen. Beschlossen wurde auch ein Aktienrückkaufprogramm. Mit Cancom verbuchte ein weiterer IT-Dienstleister Kursgewinne von 4,6 Prozent.
Euro fällt zum Franken auf Rekordtief
Der Kurs des Euro hat ein wenig nachgegeben. Die Gemeinschaftswährung hat damit die deutlichen Kursgewinne vom Vortag weitgehend verteidigt. Am Nachmittag wurde der Euro bei 1,1620 US-Dollar gehandelt. Dies ist etwas weniger als am Morgen. Zum Schweizer Franken fiel der Euro hingegen auf ein Rekordtief. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1648 (Donnerstag: 1,1619) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8585 (0,8606) Euro.
Nach dem Ende der Teilschließung von US-Behörden ist in den kommenden Tagen wieder mit wichtigen US-Konjunkturdaten und stärkeren Impulse am Devisenmarkt zu rechnen. Die Veröffentlichung der Daten sollte ab der kommenden Woche erfolgen. Bis dahin dürften sich die Anleger am Devisenmarkt eher zurückhalten, heißt es von Marktbeobachtern.
Abverkauf bei Gold
Gold gab deutlich nach, belastet von den schwindenden Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen in den USA. Das Edelmetall profitiert üblicherweise von niedrigeren Zinsen, da es selbst keine Verzinsung aufweist und auch nicht wie Aktien (üblicherweise) von wachsenden Unternehmensgeschäften getrieben wird.
Dementsprechend verkauften Anleger das Edelmetall aufgrund der gefallenen Chancen auf eine weitere Zinssenkung ab. Der Preis je Feinunze (31,1 Gramm) fiel so bis Freitagabend um rund zwei Prozent auf 4.100 US-Dollar. In Euro gerechnet ging es ähnlich stark bergab. Damit beendet der Kurs vorerst seine jüngste Erholung.
(mit Material von dpa-AFX)




