Kolumne von Alexander Mayer

Bitcoin im Bann einer Liquiditätskrise – das wird jetzt wichtig

decentralist.de · Uhr

Bitcoin hat in wenigen Wochen massiv an Wert eingebüßt. Ist dieser Rücksetzer Beginn eines Bärenmarkts? Sicher ist, dass viele Faktoren derzeit auf dem Kurs lasten. Was nun entscheidend für den weiteren Kursverlauf wird, erfährst du hier.

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Eine Bitcoin-Münze ist vor roten Pfeilen zu sehen.
Quelle: Adobe.com/Jer

Hinweis der Redaktion: Üblicherweise veröffentlichen wir diese Krypto-Kolumne am Wochenende, aufgrund der Marktsituation erreicht euch diese Ausgabe unter der Woche.

Bitcoin hat in den vergangenen Wochen eine deutliche technische Schwächephase durchlaufen. Ein Rückgang von knapp 30 Prozent seit dem Allzeithoch Anfang Oktober, der Bruch zentraler Trendlinien sowie ein Momentumwechsel im globalen Liquiditätsumfeld sorgen für erhöhten Abwärtsdruck.

Die Frage, ob sich ein neuer Bärenmarkt formiert, steht im Raum – das aktuelle Bild mutet jedoch nicht wie ein klassischer Bärenmarkt an, sondern erinnert eher an die Liquiditätskrise aus dem Jahr 2019.

Struktureller Verkaufsdruck durch langjährige Halter und ETF-Abflüsse

Seit Monaten veräußern Longterm-Holder große Mengen an Bitcoin. Das zusätzliche Angebot wurde lange Zeit von der Nachfrage institutioneller Investoren absorbiert, doch diese Zuflüsse sind zuletzt spürbar zurückgegangen.

Parallel dazu kam es bei US-Spot-ETFs zu deutlichen Kapitalabflüssen. Ein wesentlicher Teil dieser Mittelabzüge ist auf Hedgefonds zurückzuführen, die zuvor stark auf den sogenannten Cash-and-Carry-Trade gesetzt hatten: Spot-Bitcoin über ETFs kaufen, gleichzeitig Bitcoin-Futures an der CME verkaufen und die Preisdifferenz als Rendite vereinnahmen.

Dieser Trade wurde vielfach gehebelt und über die Repo-Märkte finanziert – solange die Refinanzierungskosten niedrig sind, war diese Strategie äußerst profitabel.

Stress im Repo-Markt verändert die Dynamik

In den vergangenen Wochen hat der Repo-Markt jedoch deutliche Stresssignale gesendet. Die Secured Overnight Funding Rate (SOFR) stieg zeitweise über die Fed Funds Rate – ein ungewöhnliches Verhältnis, das auf erhöhten Liquiditätsbedarf, angespannte Bilanzen und eine sinkende Bereitschaft der Marktteilnehmer hinweist, kurzfristige Liquidität bereitzustellen.

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Steigende Refinanzierungskosten machen den Carry-Trade unattraktiv oder sogar verlustreich. In der Folge lösen Hedgefonds ihre gehebelten Positionen auf und stoßen ETF-Anteile ab. Dies führt zu weiteren Abflüssen aus Spot-ETFs und verstärkt den Verkaufsdruck auf den Bitcoin-Preis.

Neben dem Stress im Repo-System tragen weitere Faktoren zur aktuellen Marktschwäche bei. Es gibt deutliche Gewinnmitnahmen von langfristigen Bitcoin-Haltern nach dem starken Anstieg der vergangenen Monate. Wir sehen seit Wochen eine negative Marktstimmung und psychologische Muster, insbesondere im Kontext des verbreiteten Vierjahreszyklus. Eine selbsterfüllende Prophezeiung droht, da Anleger in Erwartung an ein Ende des Vierjahreszyklus verkaufen.

Zudem gibt es krypto-interne Gerüchte über Bilanzprobleme eines größeren Market Makers nach den massiven Liquidationen vom 10. Oktober. Hinzu kommt die rückläufige gesamtwirtschaftliche Liquidität infolge politischer und fiskalischer Entwicklungen in den USA.

Politisch bedingte Liquiditätsverknappung

Der vorübergehende Regierungsstillstand in den USA hat die Liquidität zusätzlich belastet. Steuereinnahmen und Kapital aus der weiterhin laufenden Schuldenaufnahme über die Ausgabe neuer Anleihen sind in den Treasury General Account (TGA) geflossen, während die Ausgaben vorübergehend ausgesetzt wurden. Dadurch wurde dem Finanzsystem Netto-Liquidität entzogen.

Gleichzeitig sind wichtige Puffer nahezu aufgebraucht: Die Reverse Repo Facility ist nahezu leer; Bankreserven liegen unterhalb des von der Fed kommunizierten Komfortbereichs; Die Schuldenaufnahme der US-Regierung bleibt hoch und bindet weitere Liquidität.

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Neue Treasury-Auktionen – darunter rund 300 Milliarden Dollar zwischen dem 18. und 20. November – entziehen dem Markt zusätzlich Kapital, bevor dieses über Staatsausgaben wieder zurückfließen kann.

Rutschen wir nun wirklich in einen Bärenmarkt?

Auf Basis der fundamentalen Entwicklung spricht derzeit wenig für einen klassischen Bärenmarkt. Die strukturelle Adoption von Bitcoin schreitet weiter voran, und weder makroökonomische Indikatoren noch die wirtschaftliche Lage in den USA deuten aktuell auf eine Rezession hin.

Die Belastung entsteht vielmehr aus einem akuten Liquiditätsengpass, der das gesamte Finanzsystem betrifft. Der Markt ist stark gehebelt, während die Liquiditätspuffer gering sind. Das Risiko besteht daher weniger in einem Bitcoin-spezifischen Abwärtstrend, sondern in einer breiter angelegten Instabilität der Finanzmärkte – ausgelöst durch eine zunehmende Liquiditätsverknappung.

Wie kann sich diese Situation auflösen?

Um die Lage zu stabilisieren, wären geldpolitische Maßnahmen erforderlich, die den Liquiditätsdruck verringern. Dazu zählen: das Ende des Bilanzabbaus der Federal Reserve (bereits angekündigt ab Dezember), mittelfristig eine Rückkehr zu Anleihekäufen, regulatorische Anpassungen wie eine Änderung der Supplementary Leverage Ratio (was Banken mehr Spielraum für Anleihekäufe geben würde, ohne die Liquidität zu verringern), sowie weitere Zinssenkungen, um den Emissionsdruck des US-Finanzministeriums zu reduzieren. Solange diese Faktoren ausbleiben, bleibt die Marktstruktur anfällig.

Ausblick

Kurzfristig ist mit anhaltender Volatilität und weiteren Preisrücksetzern zu rechnen, solange sich die Liquiditätssituation an den Gesamtmärkten nicht verbessert. Mittel- bis langfristig dürfte Bitcoin jedoch maßgeblich von einer Verbesserung der globalen Liquiditätssituation profitieren.

Der aktuelle Rückgang ist weniger Ergebnis eines strukturell schwachen Kryptomarkts, sondern Ausdruck einer allgemeinen Liquiditätsverknappung innerhalb des traditionellen Finanzsystems.

Denken Sie langfristig!

Muss man die Vierjahreszyklus-Theorie zu Bitcoin endgültig über Bord werfen? Wie ist das makroökonomische Stimmungsbild? Antworten auf diese Fragen gibt es in der aktuellen Interview-Ausgabe auf decentralist.

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