Bye bye Payment for Order Flow: Was Anleger jetzt wissen müssen
Handelst du über einen Neo-Broker wie Trade Republic, betrifft dich eine wichtige Änderung. Das bisherige PFOF-Modell wird in der EU verboten. Was heute noch kostenlos wirkt, könnte künftig mit neuen Gebühren verbunden sein. Hier erfährst du mehr.
Lara Strauch

Auf den ersten Blick scheint an der Broker-Front alles wie immer. Sparpläne werden automatisch ausgeführt, der Handel läuft und von neuen Gebührenmodellen ist (noch) nichts zu sehen. Aber im Hintergrund hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Die EU hat entschieden, dass das sogenannte Modell Payment for Order Flow bereits im März 2024 verboten wurde.
Aktuell bedient sich Deutschland noch einer Übergangsfrist, die bis zum Sommer 2026 gilt. Doch spätestens ab dem 01. Juli müssen sich Neo-Broker etwas Neues einfallen lassen. Heißt: Die Geschäftsmodelle werden umgestellt werden müssen.
Für dich als Anlegerin oder Anleger bedeutet das, dass sich die Art ändern wird, zu welchen Konditionen deine Order ausgeführt werden. Wir erklären dir, was PFOF genau ist, warum das Modell so umstritten ist und was das Verbot voraussichtlich für dich bedeutet.
Was genau ist Payment for Order Flow?
Wenn du, wie viele weitere Privatanlegende, über einen Neo-Broker wie finanzen.net zero oder Trade Republic handelst, dann stößt du früher oder später auf den Begriff Payment for Order Flow (PFOF). Das beschreibt ein Vergütungsmodell, das für dich als Kunde zunächst ziemlich praktisch erscheint, da viele Neo-Broker dadurch sehr niedrige oder sogar gar keine Ordergebühren verlangen können.
Online-Broker leiten die Aufträge ihrer Kunden und Kundinnen (zum Beispiel der Kauf oder Verkauf einer Aktie) nicht direkt an Börsen, sondern an bestimmte Handelsplätze oder sogenannte Market Maker weiter. Für diese Orderweiterleitung erhalten sie vom jeweiligen Handelsplatz oder Market Maker eine Provision.
Zu welchem Preis wird im PFOF-Modell gehandelt?
Führst du einen Trade im Rahmen des PFOF-Systems aus, dann geschieht das zum Preis des Market Makers. Bedeutet für dich, dass du eine Aktie zu dem Preis ge- oder verkauft hast, den eben dieser Market Maker festgelegt hat. Meistens beinhaltet der Preis beim Kauf einer Aktie schon einen kleinen Aufschlag, den der Market Maker einkalkuliert hat.
Beim Verkauf ist häufig ein Abschlag eingerechnet. Diese Differenz bildet einen sogenannten Spread, aus dem der Market Maker seinen Gewinn erzielt. Auch wenn die Unterschiede meist nur Cent-Beträge sind, kann sich das bei vielen Trades summieren.
Warum ist PFOF so umstritten?
Das Positive für dich als Anleger? Häufig fallen keine oder nur sehr geringe Orderkosten an, sodass du von kostengünstigen oder sogar kostenlosen Transaktionen profitieren kannst. Dein Broker finanziert sich also nicht über Ordergebühren, sondern über die zuvor genannten Provisionen.
Das Problem? Die BaFin sieht im PFOF-Modell einen Interessenkonflikt. Es besteht nämlich immer das Risiko, dass dein Broker deine Order bevorzugt an den Handelsplatz weiterleitet, der die höchste PFOF-Provision zahlt und nicht an den Handelsplatz mit dem besten Preis für dich. Das kann sind letztendlich negativ auf deine Rendite auswirken. Außerdem ist das System für viele Anlegende schwer nachvollziehbar und die anfallenden Kosten nicht immer transparent.
Was könnte sich für dich ändern?
Viele Broker nutzen das PFOF-Modell, um ihr Geschäft darüber zu finanzieren.
Anhand eines einfachen Kursvergleichs lässt sich gut erkennen, wie das PFOF-Modell für dich als Anlegerin oder Anleger Kosten verursachen kann, obwohl dein Trade offiziell kostenlos ist. Entscheidend ist nicht die Gebühr, sondern der Preis, zu dem gekauft oder verkauft wird. Das folgende Beispiel zeigt, wie sich schon kleine Unterschiede im Spread auf deine tatsächlichen Kosten auswirken können.
Stell dir vor, du willst eine Aktie kaufen.
An der Börse (zum Beispiel Xetra) könnte der Kurs so aussehen:
- Kaufpreis: 100,00 €
- Verkaufspreis: 99,98 € → Spread: 0,02 €
Beim Market Maker könnte der Kurs so aussehen:
- Kaufpreis: 100,05 €
- Verkaufspreis: 99,95 € → Spread: 0,10 €
Fällt diese Einnahmequelle weg, muss das jeweilige Geschäftsmodell angepasst werden. Konntest du vorher kostengünstig oder sogar kostenlos handeln, dann können jetzt möglicherweise höhere Kosten, Gebühren und/oder Spreads auf dich zukommen.
Die Broker stellen mit den neuen Gebührenmodellen sicher, dass die wegfallenden Einnahmen kompensiert werden. Auch könnte es zu Gebühren für Sparpläne kommen. Welche Kosten letztendlich genau anfallen, ist jetzt noch ungewiss und unterscheidet sich je nach Broker.
Gleichzeitig könnte das PFOF-Verbot aber die Ausführungsqualität verbessern. Da Broker nicht mehr durch PFOF-Anreize beeinflusst werden, müssen sie die Orders ab Sommer 2026 nicht mehr an die Handelsplätze weiterleiten, die die höchste Provision zahlen. Im besten Fall wird immer der Platz anvisiert, der den besten Preis für dich als Anlegerin oder Anleger anbietet.
Welche Änderungen planen die Broker speziell?
Trade Republic
Trade Republic hält sich mit Aussagen zum anstehenden PFOF-Verbot und den damit einhergehenden Änderungen zurück. Auf Anfrage teilt der Broker lediglich mit: "Aktuell geben wir jedoch kein Statement zum Thema PFOF". Welche Anpassungen das Unternehmen also vornehmen wird und wie sich das Verbot konkret auf die Kundinnen und Kunden auswirkt, bleibt somit vorerst unbeantwortet.
finanzen.net zero
Der Broker finanzen.net zero wiederum passt sein Modell so an, dass sich unterm Strich für Kunden nichts ändern soll, eben auch ohne Payment for Order Flow. Zwar fällt im Hintergrund künftig ein Vermittlungsentgelt an, dieses soll jedoch durch Bonifizierungen von Kooperationspartnern sowie durch einen teilweisen Verzicht des Abwicklungspartners ausgeglichen werden.
Unterm Strich bleibt der Handel mit Aktien, ETFs und Fonds damit weiterhin ohne Ordergebühren (abgesehen von den Spreads), verspricht der Broker. Die Kosten werden transparenter ausgewiesen, tauchen aber nicht als zusätzliche Belastung in der Kontoumsatzübersicht von Anlegenden auf. Diese sind nur in der Wertpapierabrechnung nachvollziehbar. finanzen.net zero zeigt damit, wie Broker ihre Geschäftsmodelle an das Ende von PFOF anpassen, ohne ihr Niedrigpreisversprechen sofort aufzugeben.
Einige andere Anbieter sind vom kommenden Verbot nicht betroffen.
Revolut
Revolut arbeitet bereits heute ohne das Payment-for-Order-Flow-Modell, sodass sich für Kundinnen und Kunden nach dem Stichtag nichts ändert. Die Orders werden also schon jetzt ohne Provisionen an Handelsplätze oder Market Maker ausgeführt. Auf Anfrage teilt Revolut mit, dass Kunden "weiterhin transparent, fair und zu den besten Konditionen" handeln können.
N26
Auch N26 sieht sich vom PFOF-Verbot nicht betroffen. Auf Anfrage erklärt die Direktbank, dass Rückvergütungen für die Auftragsweiterleitung von Kunden weder aktuell noch in Zukunft Teil ihres Geschäftsmodells sein wird. Dementsprechend habe das Verbot keinerlei Einfluss auf die Geschäftstätigkeit oder Erlösstruktur. Für Kundinnen und Kunden ändere sich daher nichts. Seit Januar letzten Jahres ist der Handel mit Aktien und ETFs bei N26 bereits gebührenfrei. Dieser Schritt sei Teil einer langfristigen Strategie, bei der absehbare regulatorische Entwicklungen bereits berücksichtigt worden seien.
Scalable Capital
Ebenso sieht sich Scalable Capital auf das PFOF-Verbot gut vorbereitet. Das Unternehmen verweist darauf, dass in Deutschland zwar noch bis Juni 2026 eine Übergangsregelung gilt, Scalable Capital die regulatorischen Anforderungen jedoch bereits heute in allen Märkten erfüllt, in denen der Broker aktiv ist. Nach eigenen Angaben entspricht Scalable Capital seit dem Inkrafttreten der Regelung im März 2024 dem sogenannten PFOF-Verbot gemäß Artikel 39a der EU-Verordnung MiFIR; nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Italien, den Niederlanden, Österreich und Spanien.
Diese einheitliche Vorgehensweise habe man gewählt, um eine technisch skalierbare und EU-weit rechtskonforme Lösung umzusetzen. Die Vermögensverwaltung sei von dem Verbot nicht betroffen, da dort ohnehin keine Zuwendungen angenommen würden. Gleichzeitig betont Scalable Capital, seinen Kundinnen und Kunden weiterhin das nach eigenen Angaben günstigste Angebot für Sparer und Anleger in Europa zu bieten.




