Gemischte Signale vom amerikanischen Arbeitsmarkt - Fed vor Zinspause?

(Reuters) - Der US-Arbeitsmarkt hat vor dem Jahreswechsel gemischte Signale ausgesendet und zugleich Spekulationen auf eine Zinspause der Notenbank genährt.
Der Stellenaufbau läuft zwar weiter nur schleppend, doch ist die Arbeitslosenquote im Dezember überraschend deutlich gesunken. Im letzten Monat des vergangenen Jahres kamen nur 50.000 neue Jobs außerhalb der Landwirtschaft hinzu, wie aus dem am Freitag vorgelegten Bericht der Regierung hervorgeht. Von Reuters befragte Experten hatten einen Stellenzuwachs von 60.000 Stellen erwartet, nach revidiert 56.000 im November. Die Arbeitslosenquote sank im Dezember allerdings auf 4,4 von revidiert 4,5 (ursprünglich 4,6) Prozent im November. Experten hatten mit einem Wert von 4,5 Prozent gerechnet.
Für die US-Notenbank, die Ende des Monats wieder über den Leitzins entscheidet, sind die Arbeitsmarktdaten eine wichtige Orientierungsmarke beim Abstecken des geldpolitischen Kurses. An den Terminmärkten verstärkte sich die Erwartung, dass die Fed nach drei Zinssenkungen in Folge nun stillhalten wird.
Sie hatte ihren Leitzins im Dezember auf die aktuelle Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt. Die Federal Reserve begründete dies mit Schwächesignalen vom Arbeitsmarkt und signalisierte zudem eine Pause ihres Lockerungskurses. Dass sich der Stellenaufbau im Dezember abschwächte und die Arbeitslosenquote dennoch sank, erklärt sich aus der Statistik. Denn die Zahlen basieren auf zwei verschiedenen Datensätzen: einer Haushaltsumfrage, aus der die Arbeitslosenquote berechnet wird, und einer Arbeitgeberumfrage, aus der die Jobzahlen gewonnen werden.
Helaba-Experte Ralf Umlauf spricht von einem schwachen Beschäftigungsplus. "Die Zahl der netto neugeschaffenen Stellen blieb hinter den Erwartungen zurück, und so festigt sich das Bild, wonach der US-Arbeitsmarkt deutlich an Dynamik verloren hat." Gleichwohl sei die Arbeitslosenquote stärker als erwartet gesunken.
Silber weitet Gewinne aus
Angesichts der etwas unklaren Datenlage - hohes Wachstum bei niedrigen Jobzuwächsen - dürfte die US-Notenbank aus Sicht der Commerzbank-Experten Christoph Balz und Bernd Weidensteiner erst einmal weitere Zahlen abwarten, um klarer zu sehen. "Wir halten an unserer Prognose fest, dass die Fed im Januar eine Pause einlegt und erst auf der zweiten Sitzung des Jahres die Leitzinsen erneut senkt."
Die Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten löste an den Märkten keine erkennbare Reaktion aus. Der Dax und der EuroStoxx50 verharrten bei ihren Gewinnen von rund einem halben und einem Prozent. Die US-Futures lagen nach wie vor leicht im Plus. Der Dollar, der Euro und die US-Staatsanleihen zeigten sich stabil. Nur Silber weitete seine Gewinne von gut einem Prozent auf gut zwei Prozent aus. Niedrigere Zinsen verringern die Opportunitätskosten für das Halten von Edelmetallen, die selbst keine Zinsen abwerfen.




