Merz: Indien ist "Wunschpartner" - Handelsabkommen mit EU schon Ende Januar?
- von Andreas Rinke
Ahmedabad, 12. Jan (Reuters) - Deutschland und Indien wollen näher zusammenrücken. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das bevölkerungsreichste Land der Erde bei seinem Indien-Besuch als "Wunschpartner".
Nach seinem Treffen mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi am Montag in Ahmedabad hält Merz es nach eigenen Worten zudem für möglich, dass die EU und Indien überraschend schon Ende des Monats ein geplantes Freihandelsabkommen unterzeichnen könnten.
"Die Präsidentin der Europäischen Kommission und der Präsident des Europäischen Rates werden Ende des Monats nach Indien reisen und dieses Abkommen, wenn es denn bis dahin abgeschlossen ist, auch unterzeichnen", sagte Merz. Die EU-Spitzenvertreter würden auf jeden Fall einen weiteren großen Fortschritt anstreben, damit dieses Freihandelsabkommen zustande kommt, fügte er hinzu. Bisher war mit einem Abschluss der Verhandlungen bis Jahresende gerechnet worden. Nach den "sehr intensiven Gesprächen" zwischen Merz und Modi gebe es aber "hohe Erwartungen", dass Ende Januar tatsächlich schon ein Abkommen unterzeichnet werden könne, hieß es in deutschen Regierungskreisen.
Als Grund für die Bewegung wird auch der US-Zolldruck auf Indien gesehen. Ohne Länder wie die USA oder China zu nennen, sagte Merz, dass gerade Deutschland und Indien die "Renaissance des unseligen Protektionismus" schade. Deshalb müsse man enger zusammenarbeiten. Für die EU wäre die Unterzeichnung ein weiterer großer Erfolg nach dem Abschluss des EU-Handelsabkommens mit südamerikanischen Mercosur-Staaten vergangene Woche.
Das wirkt sich auch positiv auf die bilateralen Beziehungen aus: Der Energiekonzern Uniper unterzeichnete in Indien einen Abnahmevertrag für jährlich bis zu 500.000 Tonnen Ammoniak. Das Ammoniak soll in Deutschland in Wasserstoff umgewandelt werden. Partner sei das Unternehmen AM Green, teilte Uniper am Montag mit.
In Anwesenheit von Merz und Modi schlossen die Verteidigungsministerien beider Länder zudem eine Absichtserklärung für eine verstärkte Kooperation der Rüstungsindustrien. Airbus Defence ist bereits in Indien aktiv, die Thyssenkrupp-Rüstungstochter TKMS hofft bis Ende März auf Aufträge über sechs U-Boote und die Option auf weitere drei. Bisher ist Indien stark von russischen Rüstungslieferungen abhängig.
Das Bundeswirtschaftsministerium unterzeichnete mit dem indischen Bergbauministerium eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei kritischen Mineralien. Generell soll das "CEO-Forum" die Wirtschaftsbeziehungen mit Indien vertiefen. Das Gesundheitsministerium wiederum unterzeichnete eine Vereinbarung zur Anwerbung indischer Fachkräfte im Gesundheitssektor.
"Eine enge Zusammenarbeit zwischen Ländern wie Deutschland und Indien ist wichtig für die gesamte Menschheit", sagte Modi bei einem gemeinsamen Auftritt vor Medien, bei denen die indische Seite erneut keine Fragen zuließ. Modi hob vor allem die Bedeutung einer stärkeren technologischen Zusammenarbeit hervor. "Indien und Deutschland sind sich einig, dass, um globale Herausforderungen anzugehen, Reformen globaler Institutionen absolut notwendig sind", fügte er mit Hinweis auf den UN-Sicherheitsrat hinzu. Beide Staaten fordern einen ständigen Sitz im höchsten UN-Gremium.
"Uns verbinden grundlegende Werte. Das hochdynamische Indien und das technologisch führende Land Deutschland, wir teilen wesentliche Interessen", sagte Merz.
Beide Länder feiern den 75. Jahrestag ihrer diplomatischen Beziehungen. Merz kündigte an, dass Modi Ende des Jahres zu den deutsch-indischen Regierungskonsultationen nach Deutschland kommen werde.
(Mitarbeit: Tom Käckenhoff; redigiert von Christian Götz. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
