Bahn-Studie - Autonome Fahrzeuge können Nahverkehr verbessern

Reuters · Uhr
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(Stellt im fünften Absatz richtig: 70.000 (nicht 170.000) Busse.)

Berlin, 13. Jan (Reuters) - Autonom fahrende Shuttles und Busse könnten den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in Deutschland einer Studie zufolge spürbar verbessern.

Ein flächendeckender Einsatz könnte die Wartezeiten für Fahrgäste um bis zu 50 Prozent senken, Straßen entlasten und ländliche Gebiete besser anbinden. Dies geht aus ⁠einer am Dienstag veröffentlichten Untersuchung ‍im Auftrag der Deutschen Bahn hervor. Die Studie spielt erstmals für ganz Deutschland durch, wie die Technologie im Jahr 2045 am meisten Vorteile für die Bevölkerung bringen kann.

Den größten Nutzen entfalte die Technologie jedoch nicht, wenn nur bestehende Buslinien automatisiert oder ‌privatwirtschaftliche Robotaxis eingesetzt würden. Letzteres würde den Verkehr in Metropolen demnach sogar um bis zu 40 Prozent erhöhen, ohne das Angebot im ländlichen Raum zu verbessern. "Die Technologie und die Gesetze für die Anwendung ‍im ÖPNV sind da", sagte Frederik Ley, Vorstand Straße bei der Bahn-Tochter DB Regio. "Den größten Nutzen können wir daraus ziehen, wenn wir den ÖPNV grundlegend weiterentwickeln und das Angebot ausbauen – mit autonomen Shuttles, optimierten Buslinien und einer Verknüpfung zum Zug."

Die Technologie wird bereits bundesweit in Pilotversuchen erprobt. In den USA und China etwa sind autonome Fahrzeuge privater Anbieter bereits ohne Fahrer im kommerziellen Betrieb unterwegs, etwa rund 1000 Stück im täglichen Verkehr in San Francisco. Erste sogenannte Robotaxi-Verkehre sind laut Studie auch für deutsche und europäische Städte angekündigt.

"Jetzt geht es darum, das in der ‍Praxis für städtische und vor allem auch ländliche Räume zu erproben, und zwar mit Modellregionen ⁠für autonomes Fahren im ÖPNV", sagte Knut Ringat, Vizepräsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

DLR: MENSCHEN ÄNDERN MOBILITÄT NUR, WENN ANGEBOT PASST

Für das in der Studie berechnete Szenario für 2045 wären rund eine Million autonomer Shuttles und Busse nötig bei Kosten von rund 60 Milliarden Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Heute gibt es den ‍Angaben zufolge rund 70.000 Busse. Die durchschnittliche Wartezeit sänke dann in Metropolen auf fünf Minuten und im ländlichen Raum auf 13 Minuten, was dort einer Halbierung entspräche. Der Anteil des ÖPNV an der gesamten Verkehrsleistung würde ⁠sich auf 35 Prozent mehr als verdoppeln und der Pkw-Bestand würde sich spürbar verringern, was einen günstigen Klima-Effekt habe, sagte Ringat. Die Belastung durch den Straßenverkehr in Städten könnte bis zu elf Prozent sinken.

Zudem könnten die öffentlichen Zuschüsse trotz des ausgebauten Angebots um 20 Prozent fallen. Möglich wäre dies durch technologische Effizienzgewinne und stärkere Nutzerfinanzierung, hieß es. Ein Abo wie das Deutschlandticket von ‍63 Euro pro Monat könnte 100 Euro kosten und ein Komfort-Zuschlag für kleine ‌Shuttles könnte bei 49 Cent pro Kilometer liegen, hieß es. "Autofahrende würden 2045 beim Umstieg auf den ÖPNV durchschnittlich 170 Euro pro Monat sparen."

Erstellt wurde die Studie in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsplanungsunternehmen ioki, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und der Prognos AG. "Autonomes Fahren ist mehr als Technik – es ist eine Chance, Mobilität effizient und wirtschaftlich nachhaltig zu gestalten", erklärte Meike Jipp, Bereichsvorständin für Energie und Verkehr beim DLR. Mobilität sei aber nicht rational, sondern tief verwurzelt in Routinen und Emotionen. "Menschen verändern ihre Gewohnheiten nur, wenn das neue Angebot verlässlich, attraktiv und in ihr Alltagsleben passt." Ein solches integriertes System stärke zudem die deutsche Wirtschaft durch das Etablieren eines europäischen Marktes für autonome Mobilität von rund 74 Milliarden Euro für KI- und digital-gestützte Produkte und Dienstleistungen.

Mobilität mit autonomen Fahrzeugen sorgt laut Studie für positive Nebeneffekte: So könnte man etwa ⁠dem großen Mangel an Fahrerinnen und Fahrern im ÖPNV entgegenwirken. Zudem könnte sich die Abwanderung in Städte umkehren – etwa drei Millionen Menschen würden in dann attraktivere ländliche Räume ziehen.

(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‍Unternehmen und Märkte).)

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