Dax rutscht am Freitag etwas ab - kaum Bewegung auf Wochensicht

Der Dax hat zum Wochenausklang moderat nachgegeben. Nach einem zunächst richtungslosen Handel drehte der Index am Nachmittag ins Minus und verlor bis zum Handelsschluss 0,22 Prozent auf 25.297 Punkte. Auf Wochensicht hat sich der Leitindex damit so gut wie nicht bewegt. Der MDax der mittelgroßen Werte gab 0,19 Prozent auf 31.883 Punkte ab. Der Euro Stoxx 50 verlor rund 0,4 Prozent.
Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater sieht darin lediglich eine Verschnaufpause: "Nach dem ereignisreichen Jahresbeginn an den Krisenschauplätzen Venezuela, Grönland und Iran mussten die Kapitalmärkte diese geopolitischen Entwicklungen erst einmal verdauen." Die USA drohten dem iranischen Regime wegen der brutalen Niederschlagung der Massenproteste erneut mit einem militärischen Eingreifen. US-Präsident Trump zieht außerdem Strafzölle für jene Länder in Erwägung, die sich seinem Besitzanspruch auf Grönland entgegenstellen.
Aus Sicht von Marktexperte Marcel Mußler konkurriert derzeit der kurzfristige Abwärtstrend mit dem steilen Rallytrend seit Mitte Dezember. So trieb zuvor vor allem die Aussicht auf eine Belebung der deutschen Wirtschaft die Kurse an. Hinzu kommen der weiter ungebremste Ausbau von KI-Kapazitäten weltweit sowie die Rüstungsinvestitionen rund um den Globus. Obendrein nehmen noch Trends wie Robotik und perspektivisch auch die Weltraumwirtschaft Fahrt auf.
"Jetzt will jeder mitmischen - und es spricht sich erst langsam herum, dass das Gewinnwachstum 2026 im Dax mit 15 Prozent sogar über dem des S&P-500-Index liegen dürfte", erklärte zudem Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei der Consorsbank. "Das Blatt hat sich gewendet: Internationale Investoren setzen - wie schon im Frühjahr 2025 - darauf, dass die deutsche Volkswirtschaft erwacht."
Für eine gewisse Vorsicht sorgt gleichzeitig weiterhin die unklare Lage im Iran. Die USA drohten dem Regime wegen der brutalen Niederschlagung der Massenproteste erneut mit einem militärischen Eingreifen. Eine Auseinandersetzung könnte die Ölpreise hochtreiben.
Klöckner-Aktie schnellt nach Übernahmeofferte hoch
Auf der Unternehmensseite steht zum Wochenschluss der Stahlhändler Klöckner & Co im Fokus. Der US-Konzern Worthington Steel bietet 11 Euro je Aktie für die Düsseldorfer, deren Großaktionär Friedhelm Loh das Angebot unterstützt. Der KlöCo-Aktienkurs schnellte um knapp 28 Prozent nach oben. Bereits seit dem Bekanntwerden von Übernahmeverhandlungen Anfang Dezember 2025 war es steil nach oben gegangen.
Aus Branchensicht schwächelten insbesondere Chemiewerte, nachdem die Analysten von Barclays und JPMorgan wenig Hoffnung auf eine starke Belebung der schon lange schwächelnden Branche gemacht hatten. Im Dax verloren Anteile von Brenntag und BASF jeweils mehr als drei Prozent, im MDax gerieten Evonik, Wacker Chemie und Lanxess unter Druck.
Die Papiere von LEG Immobilien büßten nach einer Abstufung auf "Neutral" durch Oddo BHF gut ein Prozent ein. Auch die Aktien der Norma Group litten unter einem skeptischen Analystenkommentar und gaben mit einem Minus von fast sechs Prozent einen Großteil ihre Jahresgewinne wieder ab. Die Anlagestory des Verbindungstechnik-Herstellers stehe auf dem Prüfstand, schrieb Pal Skirta vom Bankhaus Metzler in einer Studie. Er strich seine Kaufempfehlung und stuft die Papiere nun mit "Hold" ein.
Gefragt waren auf der anderen Seite Aktien von Unternehmen, die von der Energiewende und dem KI-Ausbau profitieren. Die Aktien des Energietechnikkonzerns Siemens Energy gewannen vorne im Dax rund 5,4 Prozent, für das Versorgerpapier RWE ging es um immerhin 1,6 Prozent nach oben. Ihnen kam auch der Durchbruch beim geplanten Bau neuer Gaskraftwerke in Deutschland zugute.
Euro schwächelt nach Trump-Aussage zu Fed-Nachfolge
Der Kurs des Euro gab nach. Eine leichte Erholung im Tagesverlauf folgte am Nachmittag ein plötzlicher Rutsch unter 1,16 US-Dollar bis auf 1,1585 Dollar. Dies war der tiefste Stand seit Ende November. Zuletzt wurde die Gemeinschaftswährung bei 1,1593 Dollar gehandelt und damit etwas unter dem Niveau vom Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1617 (Donnerstag: 1,1624) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8608 (0,8602) Euro.
Der Euro hatte am Freitag in einem bis dato ruhigen Handel zunächst peu à peu einen Teil seiner Verluste vom Vortag wettgemacht, bevor Aussagen von US-Präsident Donald Trump die Gemeinschaftswährung unvermittelt wieder unter Druck setzten. Trump äußerte sich während einer Veranstaltung im Weißen Haus zurückhaltend gegenüber der bislang am Markt erwarteten Nominierung von Kevin Hassett als Nachfolger von Notenbankchef Jerome Powell.
Hassett gilt als umstritten, da er wie der US-Präsident eine sehr lockere Geldpolitik befürwortet und damit das Risiko steigender Inflation in Kauf nimmt. Am Prognosemarkt stieg nun die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Ernennung des Bankers und ehemaligen Fed-Gouverneurs Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef; die Chancen Hassetts hingegen schrumpften deutlich.
Gold gab ebenfalls nach. Im Nachmittagshandel, kurz vor Handelsschluss in Frankfurt verlor der Preis 0,78 Prozent auf 4.574 US-Dollar je Feinzunze (31,1 Gramm). In Euro gerechnet betrug das Minus 0,7 Prozent. Gleichwohl hält sich der Goldpreis nahe der 4.600-Dollar-Marke. Das jüngste Rekordhoch bei Gold liegt mit 4.643 nur ein kleines Stück darüber. Auf Wochensicht rückte der Goldpreis rund zwei Prozent vor und setzte damit seine Rally seit Jahresbeginn fort.
(mit Material von dpa-AFX)





