- von Holger Hansen
Berlin, 19. Jan (Reuters) - Die Bundesregierung will den Kauf neuer Elektroautos mit einer sozial gestaffelten Prämie von bis zu 6000 Euro fördern.
Das kündigte Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Montag in Berlin an. Das Programm richte sich gezielt an Privatleute, insbesondere an Familien, und gelte rückwirkend ab 1. Januar 2026. "Sie können loslegen", sagte Schneider. Damit solle verhindert werden, dass potenzielle Käufer in Erwartung der Prämie ihre Entscheidung aufschieben. Grüne und die Umweltlobby kritisierten die Details, Unterstützung kam von der IG Metall.
Gefördert werden Neukauf und Leasing reiner Batteriefahrzeuge mit einer Basisprämie von 3000 Euro sowie Plug-in-Hybride und Fahrzeuge mit Range Extender mit je 1500 Euro. Voraussetzung für die Hybrid-Förderung sind eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern und ein CO2-Ausstoß von maximal 60 Gramm pro Kilometer. Schneider bezeichnete die Förderung von Plug-in-Hybriden als Gesamtkompromiss der Regierungskoalition aus Union und SPD. Es habe aufgrund des "wichtigen Arbeitsplatzarguments" sowohl in SPD als auch in der Union den "starken Wunsch" danach gegeben. In der Ressortabstimmung am Wochenende wurde der CO2-Grenzwert noch von 50 auf 60 Gramm pro Kilometer erhöht.
FÖRDERANTRAG ÜBER ONLINE-PORTAL AB MAI
Voraussetzung für die Förderung ist ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von höchstens 80.000 Euro. Für Familien steigt diese Grenze bei einem Kind auf 85.000 Euro und bei zwei oder mehr Kindern auf 90.000 Euro. Zusätzliche Boni für einkommensschwächere Haushalte und Familien können die Förderung auf bis zu 6000 Euro erhöhen. So erhalten Haushalte mit einem Einkommen unter 60.000 Euro einen weiteren Zuschuss von 1000 Euro, bei unter 45.000 Euro sind es insgesamt 2000 Euro. Familien bekommen einen Kinderbonus von 500 Euro für ein Kind und 1000 Euro für zwei oder mehr Kinder.
Die Anträge sollen ab Mai 2026 über ein Online-Portal gestellt werden können. Die Mittel von rund drei Milliarden Euro sollen für etwa 800.000 Fahrzeuge in den nächsten drei bis vier Jahren ausreichen. Schneider bezeichnete das Programm als Anschub für Umwelt und Klima sowie als Stärkung der deutschen und europäischen Automobilindustrie.
IG METALL FORDERT AUSWEITUNG AUF GEBRAUCHTWAGEN
Der Koalitionspartner begrüßte die Pläne. Nachdem es bereits Anreize für Dienstwagen gebe, solle die neue Förderung nun Privatpersonen mit geringen und mittleren Einkommen den Erwerb erleichtern, erklärte Vize-Fraktionschef Andreas Jung (CDU). Hohe Anschaffungskosten seien oft noch eine Hürde.
Die neue E-Auto-Förderung sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, erklärte IG-Metall-Chefin Christiane Benner. Positiv seien die soziale Staffelung und die rückwirkende Geltung. Benner forderte, die Förderung bald auf Gebrauchtwagen auszuweiten und eine Beschränkung auf in der EU gefertigte Fahrzeuge zu prüfen. Fördergelder müssten "in den deutschen Werken ankommen und in Beschäftigung umgemünzt werden". Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf. VDIK-Präsidentin Imelda Labbé nannte es eine "verschenkte Chance", dass gebrauchte E-Autos nicht gefördert würden: "Denn Familien und Haushalte mit kleinen und mittleren Einkommen kaufen meist einen Gebrauchtwagen."
Bei den Grünen stießen die Pläne auf Kritik. "Die hohen Einkommensgrenzen machen die Pläne sozial ungerecht, während die Förderung von Hybridfahrzeugen dem Klimaschutz schadet", sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen, Michael Kellner, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Umweltorganisation Transport & Environment (T&E) erklärte, das Programm passe "weder zur Bevölkerung noch zum Klima". Die Einkommensgrenze sei zu hoch und die Förderung von Plug-in-Hybriden klimaschädlich.
Ein Plug-in-Hybrid verfügt sowohl über einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor und kann extern an einer Stromquelle geladen werden. Ein Elektroauto mit Reichweitenverlängerer (Range Extender) wird primär elektrisch angetrieben. Es hat aber zusätzlich einen kleinen Verbrennungsmotor, der bei niedrigem Batteriestand als Generator dient, um Strom für den Elektromotor zu erzeugen und so die Reichweite zu vergrößern.
(Bericht von Holger Hansen, redigiert von Kerstin Dörr.Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


