Zollsorgen drücken Dax unter 25.000-Punkte-Marke - Autoaktien fallen

Angedrohte Zölle durch US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland haben den Dax am Montag belastet. Der Leitindex kämpfte um die psychologisch viel beachtete Marke von 25.000 Punkten und gab letztlich um 1,34 Prozent auf 24.959 Zähler nach.
Am Wochenende kam es zur Eskalation zwischen Washington und Europa, weshalb sich nun ein nächster Handelsstreit anbahnen könnte. Trump beansprucht die zu Dänemark gehörende Arktisinsel Grönland für die USA. Die europäischen Nato-Partner lehnen dies ab, weshalb Trump ab dem 1. Februar neue Strafzölle von 10 Prozent verhängen will. Vom 1. Juni an sollen es dann 25 Prozent sein. Am Donnerstag wird ein EU-Sondergipfel in Brüssel stattfinden, um zu beraten, wie die EU am besten auf Trumps Drohungen reagieren kann.
Am vergangenen Dienstag war der Dax noch auf ein Rekordhoch über 25.500 Punkte geklettert. Jetzt ist er erneut vom "Zollhammer getroffen" worden, und dabei geht es "um mehr als nur Handelspolitik", wie Christine Romar von CMC Markets kommentierte. Mit dem neuen Konflikt gehe es "um die Zukunft der transatlantischen Beziehungen, um die Zukunft der Nato und um die gesamte handelspolitische Ordnung zwischen zwei der weltweit größten Wirtschaftsmächte". Die US-Börsen seien an diesem Montag geschlossen und die Indikationen in New York sprächen für eine tiefrote Eröffnung am Dienstag, aber eine derartige Eskalation sei längst nicht eingepreist, schrieb die CMC-Europa-Chefin.
Der MDax der mittelgroßen Börsenwerte beendete den Tag 1,61 Prozent tiefer auf 31.385 Punkten. Europaweit wurden ebenfalls Verluste verbucht. Der EuroStoxx 50 büßte 1,72 Prozent auf 5.925,82 Zähler ein und auch in der Schweiz und Großbritannien gaben die Leitbörsen nach.
Nach den Worten von Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank, zeigt sich beim Grönland-Streit, dass die Handelsstreitigkeiten "bei weitem noch nicht beigelegt sind". Bisher hätten die verhängten Zölle der US-Wirtschaft kaum geschadet und in Europa habe es in Deutschland zuletzt positive Konjunkturüberraschungen gegeben. Doch der Grönland-Konflikt mahne zur Vorsicht. Die weltwirtschaftliche Entwicklung stehe "auf tönernen Füßen".
Zollsorgen belasten deutsche Autoaktien
Besonders belastet von den Zollsorgen waren vor allem deutsche Autoaktien. Der europäische Branchenindex fiel zwischenzeitlich auf den tiefsten Strand seit Oktober. Die BMW-Aktie brach zeitweise um gut sieben Prozent ein - zusätzlich belastet durch eine zurückhaltendere Einschätzung der Berenberg Bank.
Analyst Romain Gourvil sieht im Premium-Segment eine schwierige Nachfragesituation in China. Zuletzt gab BMW noch um 3,7 Prozent nach und Mercedes um circa 2,2 Prozent. VW und Porsche AG verloren knapp 2,9 beziehungsweise 2,6 Prozent.
Ebenfalls am Dax-Ende büßte Adidas etwa 5,1 Prozent ein. Laut Analyst Thierry Cota von der Bank of America dürfte der Sportartikelhersteller mit seinem Umsatz im Schlussquartal 2025 die Markterwartung verfehlt haben. Mit dieser Einschätzung belastete er die zollbedingt ohnehin schwache Anlegerstimmung weiter.
Bayer-Aktie steigt: Glyphosat-Streit rückt vor Gericht
Deutliche Kursgewinne gab es mit 6,7 Prozent hingegen für die Bayer-Aktie. Worauf Anleger spätestens seit Anfang Dezember 2025 gehofft hatten, ist eingetreten: Der Oberste Gerichtshof der USA hat am Freitag den Glyphosat-Fall "Durnell" zur Prüfung angenommen. Damit steigen die Aussichten auf ein Grundsatzurteil im jahrelangen, belastenden Rechtsstreit um das Unkrautvernichtungsmittel.
Rüstungswerte wie Rheinmetall, Renk und Hensoldt legten angesichts der erneut wachsenden geopolitischen Unsicherheit zu. Dabei näherte sich Rheinmetall wieder seinem Rekord vom Oktober und zwischenzeitlich um 2,4 Prozent. Zuletzt verzeichneten die Aktien einen Kursanstieg von circa 1,3 Prozent.
(mit Material von dpa-AFX)


