Unruhe an der Börse

So reagieren die Märkte bisher auf den Grönland-Streit

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Auch am Mittwoch gibt der deutsche Aktienindex infolge des neuen Zollstreits zwischen den USA und Europa nach. So sehen die Marktreaktionen bisher aus.

Georg Buschmann

Redaktionsleiter
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Quelle: Ground Picture/Shutterstock.com

US-Präsident Donald Trump hat am Wochenende Zölle gegen europäische Nato-Staaten angekündigt, die sich an einer Erkundungsmission in Grönland beteiligt haben. Seither herrscht wieder mal große Unsicherheit: Der schon ausverhandelte Handelsdeal der Europäischen Union (EU) mit den USA ist erstmal vom Tisch, neue Gegenzölle stehen zur Debatte. 

Die zurückgekehrte Unsicherheit zeigt sich auch an den Kapitalmärkten. Wir haben für dich eine Übersicht der Kursreaktionen erstellt. 

Aktienmarkt: Verluste

Die Aussicht auf eine neue Handels-Auseinandersetzung mit den USA hat europäischen Aktien zugesetzt. Der deutsche Leitindex Dax verlor seit Wochenbeginn bis zum frühen Mittwochnachmittag rund 3,5 Prozent. Die Gewinne nach dem guten Jahresstart sind damit wieder dahin. 

Das gilt auch für den europäischen Leitindex Euro Stoxx 50, in dem die 50 größten Werte des Euro-Währungsraums vertreten sind. Der Index hat seit Wochenbeginn gut drei Prozent verloren. 

In Europa fielen die Reaktionen also wenig verwunderlich klar negativ aus. Allerdings gab auch der US-Markt gestern, am wegen des Martin Luther King Days ersten Handelstag der Woche, deutlich nach. Um gut zwei Prozent ging es für den S&P 500 gestern nach unten. Für den Handelsauftakt heute signalisieren die Futures eine nahezu unveränderte Eröffnung. 

Anleihen: kein sicherer Hafen

Normalerweise wäre die aktuelle Unsicherheit ein gutes Umfeld für Staatsanleihen. Wird es turbulent, wollen Investoren schließlich Sicherheit und planbare Erträge. Das scheint aktuell aber anders zu sein. Ablesen kannst du das etwa am Bund-Future. Das ist eine fiktive Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit. 

Sie sollte eigentlich im Kurs steigen, weil in unsicheren Zeiten mehr Nachfrage nach vergleichsweise sicheren Anlagen wie eben Bundesanleihen herrscht. Tatsächlich war dieser Effekt nach dem Wochenende aber nur ganz kurz zu beobachten; inzwischen notiert der Bund-Future knapp unter seinem Kurs von Freitagabend (siehe Chart oben). 

Bei Anleihen ist aktuell gerade bei längeren Laufzeiten ist zu beobachten, dass sie keinen Ausgleich bieten für Turbulenzen am Aktienmarkt. Stattdessen fallen auch die Anleihekurse derzeit – und die Renditen steigen spiegelbildlich dazu an. 30-jährige Bundesanleihen etwa bieten jetzt 3,5 Prozent Rendite. Das ist so viel wie zuletzt zu Hochzeiten der Eurokrise vor 15 Jahren. 

Japanische Bonds der gleichen Laufzeit erlebten sogar zu Wochenbeginn – auch getrieben von der Ansetzung einer Neuwahl des Parlaments – einen regelrechten Ausverkauf: Die Rendite sprang in der Folge von unter 3,5 auf zeitweise über 3,8 Prozent. So hoch waren die Renditen solcher Anleihen seit der Jahrtausendwende noch nie.

Spannend ist auch die Entwicklung der Renditen im Jahresvergleich: Im Januar 2025 waren für Investoren in 30-jährigen Anleihen der Bundesrepublik 0,7 Prozentpunkte weniger zu holen als derzeit – in Japan sogar rund 1,5 Prozentpunkte. Da die Renditen 30-jähriger US-Bonds in dieser Zeit recht stabil bei 4,9 Prozent blieben, sind US-Anleihen relativ deutlich unattraktiver geworden. Ihr Renditevorsprung ist merklich geschrumpft (siehe Chart oben). 

Das spricht für einen weiter schwachen Dollar. Denn es besteht für Anleihe-Investoren ein stärkerer Anreiz, beispielsweise deutsche oder japanische Bonds zu kaufen und Dollar-Anleihen zu reduzieren. 

Dollar-Schwäche setzt sich fort

Apropos Dollar: In dieser Woche ist der Euro gegenüber dem Dollar von unter 1,16 Dollar je Euro auf gut 1,17 Dollar gestiegen (Chart unten). Gegenüber anderen Weltwährungen, gemessen am US-Dollar-Index, hat die US-Währung ebenfalls leichte Verluste verzeichnet.

Auch das ist eine ungewöhnliche Marktreaktion: Normalerweise ist der Dollar eine Fluchtwährung, wenn es turbulent wird. 

Gold: Die Fluchtwährung schlechthin funktioniert

Die Fluchtwährung schlechthin dagegen scheint auch diesmal zu funktionieren: Der Preis von Gold gewann seit Wochenbeginn auf Eurobasis 4,4 Prozent. Die Silber-Notierung legte in einer ähnlichen Größenordnung zu. Was ein Investment in Gold ausmacht und wieso es auch jetzt noch sinnvoll sein kann, sich mit einem Investment zu beschäftigen, habe ich hier aufgeschrieben.

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Bitcoin übrigens – gern als digitales Gold bezeichnet – hat mit Verlusten von rund sieben Prozent auf Dollarbasis in dieser Woche bisher noch schlechter abgeschnitten als Aktien. Ein Ersatz für Gold, das hat schon das vergangene Jahr gezeigt, ist die Kryptowährung in Krisenzeiten nicht. 

Bleib auf dem Laufenden: Im Newsletter "Schlusskurs" kommentiert onvista-Redaktionsleiter Georg Buschmann immer Freitagmorgen das Börsenthema der Woche, zeigt, welche Aktien und Themen die onvista-Community bewegen und gibt dir die drei Termine an die Hand, die in der nächsten Woche an der Börse wichtig werden. Hier kannst du dich kostenlos anmelden.

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