Berlin, 21. Jan (Reuters) - Europas größter Autobauer Volkswagen hat 2025 trotz der Absatzschwäche in China, eines teuren Strategieschwenks bei Porsche und der Zölle von US-Präsident Donald Trump überraschend viel Geld in die Kassen bekommen.
Der Barmittelzufluss im Autogeschäft lag bei sechs Milliarden Euro und damit um eine Milliarde Euro höher als noch 2024, wie der Wolfsburger Konzern am Mittwoch nach Börsenschluss mitteilte. Das Unternehmen haatte selbst nicht damit gerechnet, dass unter dem Strich am Jahresende Geld übrig bleibt. An der Börse wurde das positiv aufgenommen. Die Aktie legte am Donnerstag zu Handelsstart 5,7 Prozent zu.
Das VW-Management habe zwar schon im Vorfeld signalisiert, dass der Barmittelzufluss höher ausgefallen sei, aber das Ausmaß sei dann doch überraschend, sagte Philippe Houchois, Analyst bei der Investmentbank Jefferies. Es sei zudem festzustellen, dass die Abhängigkeit vom China-Geschäft zurückgehe. Auch in der ersten Jahreshälfte 2026 dürfte der Ergebnisbeitrag der Gemeinschaftsunternehmen in China sinken, sich anschließend stabilisieren und ab 2027 wieder steigen. Zudem dürfte Volkswagen 2026 von neuen Modellen profitieren. Volkswagen legt seine Zahlen für das abgelaufene Jahr und seine Prognose für 2026 bei der Jahres-Pressekonferenz am 10. März vor.
Grund für den höheren Barmittelzufluss im vergangenen Jahr ist nach Unternehmensangaben zum einen, dass weniger Betriebskapital gebunden ist, weil etwa Lagerbestände abgebaut wurden. Zum anderen seien die Investitionen sowohl in Anlagen als auch in Forschung und Entwicklung geringer ausgefallen als zunächst erwartet. Die Investitionsquote lag dem Unternehmen zufolge nach vorläufigen Zahlen bei zwölf Prozent der Erlöse im Autogeschäft, 2024 waren es noch 14,3 Prozent. Finanzchef Arno Antlitz will die Investitionen in den kommenden Jahren weiter drosseln. Sie sollen bis 2030 bei 160 Milliarden Euro liegen, das ist weniger als in früheren Investitionszyklen.
Er kann dabei auf einen höheren Kassenstand zugreifen als bislang angenommen. Die Nettoliquidität des Konzerns, zu dem Marken wie VW, Audi, Porsche oder Traton gehören, lag den Angaben zufolge bei mehr als 34 Milliarden Euro, das sind vier Milliarden Euro mehr als zuletzt vorhergesagt. Analysten hatten mit einem deutlich niedrigeren Barmittelzufluss sowie einer geringeren Liquidität gerechnet.
Volkswagen hatte seine Prognose im September nach dem kostspieligen Strategieschwenk bei der Sportwagentochter Porsche gesenkt. Die Stuttgarter hatten zuvor ihre Elektropläne zusammengestrichen und dafür Milliardenbelastungen verbucht.
(Bericht von Christina Amann, redigiert von Olaf Brenner. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter Berlin.Newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder Frankfurt.Newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte)




