Münchener-Rück-Chef: Stellenabbau bei Ergo auch über Abfindungen

Reuters · Uhr
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München, 23. Jan (Reuters) - Die Münchener Rück will bei der geplanten Verlagerung von Stellen in Niedriglohnländer ohne Kündigungen auskommen.

In der Rückversicherung reiche es aus, die ohnehin anstehenden Abgänge durch Rente und ⁠freiwillige Jobwechsel zu nutzen, ‍sagte der neue Vorstandschef Christoph Jurecka am Donnerstagabend in München: "Es gibt keinen Stellenabbau über die natürliche Fluktuation hinaus." Diese habe zuletzt bei rund zehn ‌Prozent im Jahr gelegen. Bei der Erstversicherungs-Tochter Ergo werde das "womöglich nicht reichen", räumte Jurecka ein. Wo Mitarbeiter nicht weitergebildet werden könnten, ‍seien dort auf freiwilliger Basis auch Abfindungen möglich. Viele Routine-Tätigkeiten in der Versicherung sollen künftig durch Automatisierung überflüssig werden.

Anfang Januar war bekannt geworden, dass der zweitgrößte Rückversicherer der Welt im Zuge eines Effizienzprogramms Arbeitsplätze vor allem nach Indien und Polen verlagern will. Genaue Zahlen gebe es noch nicht, sagte Jurecka. In den von den Plänen betroffenen Bereichen ‍gehe es um etwa zehn Prozent der Stellen. "Es geht ⁠nicht darum, blind Stellen zu verlagern", betonte der zum 1. Januar an die Spitze der Münchener Rück gerückte Manager. Man werde bei jeder frei werdenden Stelle prüfen, ob und wo sie ‍nachbesetzt werde. Der Münchner Konzern beschäftigt weltweit fast 46.000 Mitarbeiter, davon knapp 20.000 in Deutschland.

Im Dezember hatte die Münchener Rück bei der ⁠Vorstellung ihrer Strategie bis 2030 Einsparungen von 600 Millionen Euro in Aussicht gestellt, die ersten 200 Millionen schon für das Jahr 2026. Einen Stellenabbau hatten Jurecka und sein Vorgänger Joachim Wenning damals offen gelassen. Der neue Chef sagte, bei ‍den anvisierten Einsparungen gehe es eher um ‌eine "Dämpfung des Kostenanstiegs" durch inflationäre Effekte als um echte Kostensenkungen.

Die Münchener Rück steht in ihrem Kerngeschäft mit der Absicherung von Erstversicherern gegen Naturkatastrophen und andere Großschäden unter Druck, weil die lange Zeit hohen Preise seit dem vergangenen Jahr bröckeln. Versicherungsmakler hatten nach der Vertrags-Erneuerungsrunde zum 1. Januar von Rückgängen von bis zu zwölf Prozent berichtet. "Richtig ist, dass die Märkte anspruchsvoller werden", sagte Jurecka. Die genannten Zahlen spiegelten aber nicht die Erfahrungen der Münchener Rück wider. "Unsere Erneuerung ist viel breiter. Unsere Zahlen werden deutlich anders aussehen", sagte er. "Ich würde ⁠sagen, das ist immer noch ein attraktiver Markt."

(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‍und Märkte).)

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