Dax hadert weiter mit 25.000er-Marke - Chemie-Aktien gefragt

Der Dax ist zur Wochenmitte erneut vor der Marke von 25.000 zurückgescheut. Dank frühen Gewinnen stieg der Leitindex des deutschen Markts bis an 24.900 Punkte heran, ehe er ins Minus zurückfiel. Unterm Strich verlor der Dax 0,72 Prozent auf 24.603 Punkte.
Als Belastung stellte sich erneut die trübe Stimmung an der Wall Street heraus, die schon am Vorabend durchwachsen geschlossen hatte. Dort leiden aktuell besonders Tech-Werte aus dem Softwarebereich, deren Geschäftsmodelle durch neue KI-Werkzeuge bedroht wird.
Zudem lastet weiterhin die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten auf den Kursen. "Die Vorsicht bleibt derzeit ein stetiger Begleiter bei den Investoren", beschrieb Marktexperte Andreas Lipkow das Handelsgeschehen. "Zum einen bleibt die Situation im Nahen Osten angespannt, und zum anderen kommen immer mehr durchwachsene Unternehmensnachrichten und Quartalsberichte in die Finanzmärkte."
Dank stark gefragter Chemiewerte hielt sich der MDax der mittelgroßen Werte etwas besser und büßte nur minimale 0,04 Prozent auf 31.524 Punkte ein. Für den Euro Stoxx 50 ging es um 0,2 Prozent nach unten.
Bericht um Emissionszertifikate treibt Chemiewerte deutlich an
Auf Sektorebene hatte ein Bericht im "Handelsblatt" über die Verlängerung kostenloser Emissionszertifikate durch die Europäische Union (EU) unterschiedliche Auswirkungen. Mit minus 9,8 Prozent davon belastet wurden die Aktien von Heidelberg Materials, während viele Titel aus dem Chemiebereich davon profitierten. BASF stiegen im Dax um 5,2 Prozent, und an der Index-Spitze gewannen Brenntag knapp neun Prozent. Im MDax zogen Evonik, Lanxess und Wacker Chemie zwischen 6,6 und 11,7 Prozent.
In dem Medienbericht hieß es unter Berufung auf einen hochrangigen EU-Beamten, die EU-Kommission wolle ihr wichtigstes Klimaschutzinstrument, den Europäischen Emissionshandel, abschwächen. Geplant sei, über einen längeren Zeitraum als bisher vorgesehen kostenlose Zertifikate auszugeben, um energieintensive Unternehmen wie etwa aus der Chemiebranche zu entlasten.
Heidelberg Materials dagegen litt unter der Nachricht - laut Händlern, weil Anleger zuletzt darauf gesetzt hätten, dass der Zementkonzern ein Vorreiter dabei sei, die Produktion emissionsfrei zu machen. Dies wollten sich die Heidelberger eigentlich teuer bezahlen lassen, argumentierte der Börsianer.
KI-Sorgen belasten Scout24 und Siemens
Zu den Aktien, die besonders unter den Sorgen vor KI-Konkurrenz litten, zählten aus dem Internetbereich Scout24, die 4,9 Prozent einbüßten. Für die Anteilsscheine des stark im Software-Geschäft engagierten Technologiekonzerns Siemens ging es um 6,4 Prozent nach unten.
Zudem richteten sich die Blicke auf Geschäftszahlen des Halbleiterherstellers Infineon. Am Markt wurden diese überwiegend gelobt. Dagegen kamen die Aussagen über eine kräftige Erhöhung der Investitionen und auch zum Umsatzziel weniger gut an. Die Aktien schwankten und fielen zuletzt um rund zwei Prozent.
Die Papiere von PVA Tepla brachen als Schlusslicht im Nebenwerteindex SDax um 14,5 Prozent ein. Das Technologieunternehmen hatte im vergangene Jahr in einem anhaltend schwierigen Marktumfeld weniger Umsatz erzielt und verdient. Zudem enttäuschte der Ausblick.
Gold nach schwankungsreichen Tagen etwas billiger
Der Kurs des Euro gab etwas nach. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 1,1802 US-Dollar. Wie auch schon am Dienstag bewegte sich der Euro um die Marke von 1,18 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,1820 (Dienstag: 1,1801) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8460 (0,8473) Euro.
Die Inflationsrate in der Eurozone ist im Januar auf 1,7 Prozent zurückgegangen. Im Vormonat hatte die Rate noch bei 2,0 Prozent gelegen. Die Daten bewegten den Markt nicht, da dieser Rückgang erwartet worden war. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt mittelfristig zwei Prozent an. Sie hatte zuletzt die Leitzinsen nicht angetastet. Auch an diesem Donnerstag wird keine Änderung erwartet.
Nach Tagen starker Bewegungen in beide Richtungen blieb es bei Gold etwas ruhiger. Der Preis sank leicht um 0,55 Prozent, eine Feinunze (31,1 Gramm) kostete damit 4.923 US-Dollar. Im Handelsverlauf hatte sich zunächst eine weitere Erholung angebahnt. Zwischenzeitlich war Gold bis an 5.100 Dollar herabgelaufen, ehe der Kurs wieder drehte. Gleichwohl hat sich das Edelmetall deutlich von seinem kräftigen Rücksetzer der Vorwoche erholt. Aus dem Tief heraus hat der Preis schon wieder gut 500 US-Dollar wettgemacht.
(mit Material von dpa-AFX)
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