Italien-Engagement und hohe Kosten drücken Gewinn von Credit Agricole
Paris, 04. Feb (Reuters) - Ein milliardenschweres Engagement in Italien und gestiegene Kosten haben den Gewinn der französischen Großbank Credit Agricole im vierten Quartal 2025 einbrechen lassen. Der Nettogewinn sei um 39 Prozent auf 1,03 Milliarden Euro gefallen, teilte das drittgrößte börsennotierte Geldhaus Frankreichs am Mittwoch mit. Analysten hatten jedoch mit einem noch niedrigeren Ergebnis von 996 Millionen Euro gerechnet. Als Grund für den Gewinneinbruch nannte der Vorstand vor allem eine einmalige Belastung von 607 Millionen Euro.
Diese ergab sich aus der Neubewertung der Beteiligung an der italienischen Banco BPM, nachdem Credit Agricole den Anteil auf über 20 Prozent aufgestockt hatte. Zudem belasteten um fast fünf Prozent gestiegene Betriebskosten und ein Verlust von 111 Millionen Euro im Auto-Leasinggeschäft das Ergebnis.
Die Zahlen spiegeln die strategische Neuausrichtung der Bank wider, die ihre Position im wichtigen italienischen Markt massiv ausbaut. Konzernchef Olivier Gavalda kündigte an, mehr Einfluss bei der Banco BPM anzustreben. "Wir fordern eine Position im Verwaltungsrat, die unseren 20 Prozent entspricht", sagte er. Parallel zum Ausbau des Engagements treibt die Bank in Italien jedoch auch einen Sparkurs voran. Im Zuge der Digitalisierung sollen dort 500 Stellen abgebaut werden, erklärte Finanzchefin Clotilde L'Angevin.
Trotz der Belastungen profitierte Credit Agricole wie andere europäische Banken von den höheren Zinsen. Die Nettozinsmarge im französischen Heimatmarkt stieg um mehr als elf Prozent. Auch die Investmentbanking-Sparte verzeichnete dank eines starken Geschäfts mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen ein Rekordquartal. Ein Zeichen der Vorsicht ist jedoch die um fast sechs Prozent auf 629 Millionen Euro erhöhte Risikovorsorge für Kreditausfälle.
Den Aktionären stellte die Bank eine um drei Prozent auf 1,13 Euro angehobene Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr 2025 in Aussicht. Das sorgte bei den Anlegern aber nicht für Zuversicht: Die Titel gaben um knapp drei Prozent nach. Analysten von JPMorgan sprachen in einer Einschätzung von einem "unübersichtlichen vierten Quartal", in dem höhere Kosten und eine gestiegene Risikovorsorge die ordentliche Umsatzentwicklung überschatteten. Der Umsatz sank zwar um 1,8 Prozent auf 6,97 Milliarden Euro, lag damit aber über den Erwartungen.
(Bericht von Mathieu Rosemain, geschrieben von Anneli Palmen, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)


