Voestalpine trotzt Autokrise und US-Zöllen - Gewinn steigt

Reuters · Uhr

Wien, 11. Feb (Reuters) - ⁠Der Stahl- und Verarbeitungskonzern Voestalpine hat in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2025/26 trotz eines Umsatzrückgangs und Gegenwinds durch US-Strafzölle seinen Gewinn gesteigert. Das Ergebnis nach Steuern kletterte um gut ein Viertel auf 259 Millionen Euro, teilte das österreichische Unternehmen am Mittwoch mit. Das operative Ergebnis (Ebitda) legte um 7,2 Prozent auf ‌eine Milliarde Euro zu, während der Umsatz um 5,1 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro sank. Der Ausblick für das bis Ende März laufende Gesamtjahr wurde bekräftigt: Das Ebitda soll um bis zu ⁠15 Prozent auf ⁠1,4 bis 1,55 Milliarden Euro steigen.

Konzernchef Herbert Eibensteiner führte den Gewinnanstieg auf die rasche Anpassung an ein schwieriges Umfeld zurück. "Unsere Maßnahmen spiegeln sich in der Steigerung der Ergebniszahlen und im hohen Free Cashflow wider." Die Nachfrage entwickelte sich sehr unterschiedlich: Während die Bereiche Bahninfrastruktur, Luftfahrt und Lagertechnik florierten, litt die Sparte Automotive Components unter der schwachen Autoproduktion in Europa. Ein Lichtblick im Autosektor blieb die Nachfrage ‌nach hochwertigen Stahlblechen, die sich robust zeigte. Die Bau- und Maschinenbauindustrie ‌verharrte stabil auf niedrigem Niveau.

US-ZÖLLE BELASTEN ROHRGESCHÄFT

In Nordamerika spürt Voestalpine Gegenwind durch die Handelspolitik. Die US-Zölle von 50 Prozent auf Stahlimporte belasteten insbesondere das Geschäft mit Nahtlosrohren für die Öl- und Gasindustrie massiv, erklärte der Konzern. ⁠Zudem sei die Nachfrage nach Equipment für diesen Sektor wegen des niedrigen Ölpreises ohnehin gering. Hier müssten ‌Kapazitäten schrittweise zurückgenommen werden. Erschwerend kam hinzu, dass der ⁠längste Regierungsstillstand der US-Geschichte im dritten Quartal das Wirtschaftswachstum in Nordamerika bremste und zu Verunsicherung bei Kunden führte.

In den einzelnen Sparten zeigte sich ein gemischtes Bild. Die Steel Division steigerte ihr Ergebnis dank höherer Liefermengen und gesunkener Rohstoffkosten. Die Sparte High Performance Metals verbuchte nach ‌dem Verkauf der Tochter Buderus Edelstahl zwar einen Umsatzrückgang, ⁠vervielfachte aber ihr operatives Ergebnis, da im ⁠Vorjahr hohe Einmalkosten angefallen waren. Sorgenkind war die Metal Engineering Division, deren Ebitda um fast 23 Prozent einbrach. Hier schlugen die US-Zölle auf das Rohrgeschäft und eine schwächere Nachfrage im Drahtbereich durch. In der Metal Forming Division zeigten die Sparmaßnahmen Wirkung: Trotz Umsatzminus stieg das Ergebnis, auch weil die Schließung des Standorts Birkenfeld wie geplant vollzogen wurde.

Der Konzern nutzte den starken Cashflow zur Festigung seiner Bilanz. Die Nettofinanzverschuldung wurde binnen Jahresfrist um rund 27 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro gedrückt. Die Verschuldungsquote verbesserte sich deutlich auf 18,7 Prozent. Wachstumschancen sieht Voestalpine künftig in der Weiterverarbeitung sowie in ⁠Regionen wie Indien, während der Markt in China zuletzt an Dynamik verlor.

(Bericht von Alexandra Schwarz-Goerlich, redigiert von Myria Mildenberger. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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