Deutsche Börse übernimmt ISS Stoxx komplett
Frankfurt, 12. Feb (Reuters) - Die Deutsche Börse legt die Börsenpläne für den Indexanbieter und Aktionärsberater ISS Stoxx endgültig zu den Akten und kauft dem US-Finanzinvestor General Atlantic die restlichen Anteile ab. Die Deutsche Börse erwerbe das 20-Prozent-Paket für insgesamt 1,1 Milliarden Euro, teilte der Börsenbetreiber in der Nacht zum Donnerstag mit. Finanzieren will sie den Kauf in bar und mit Krediten. "Dieser Schritt schafft Klarheit", sagte Börsenchef Stephan Leithner auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag laut Redetext. Ein Börsengang von ISS Stoxx, den die Börse im vergangenen Jahr vorangetrieben habe, sei nicht möglich gewesen.
General Atlantic hatte das Recht, seine Anteile bis 2026 zu verkaufen. "Im Einklang mit den Partnerschaftsvereinbarungen ermöglicht die Transaktion General Atlantic den Verkauf seiner Anteile an die Deutsche Börse Group, da eine Monetarisierung durch einen Börsengang nicht möglich ist", erklärte die Börse dazu. Die US-Amerikaner waren 2019 bei einem der Unternehmen eingestiegen, aus denen ISS Stoxx entstanden war.
Stimmrechtsberater wie ISS beraten institutionelle Investoren unter anderem dabei, wie sie auf Hauptversammlungen abstimmen sollten. Stoxx bietet Indizes für alle Regionen und Anlageklassen an, wie etwa den Euro Stoxx, den Index der größten Unternehmen der Eurozone. Die Aktien der Deutschen Börse lagen am Vormittag nach der Vorlage der Geschäftszahlen für 2025 mit 2,5 Prozent im Plus und zählten damit zu den größten Gewinnern im Dax.
Bereits im Oktober hatte sich abgezeichnet, dass aus den Börsenplänen für 2025 nichts mehr werden würde. Insider hatten damals darauf verwiesen, dass Konkurrenten wie die Londoner Börse LSEG oder MSCI an der Börse zuletzt weniger gefragt waren. Dazu komme die schwache Konjunktur in Deutschland.
Gegenwind für Aktionärsberater wie ISS kam aber vor allem von der US-Politik. Donald Trump hatte im Dezember per Dekret eine Überprüfung des Einflusses der großen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis angeordnet. Die Berater würden oft "radikale, politisch motivierte Themen vorantreiben und priorisieren", erklärte die Regierung. Die Börsenaufsicht SEC, die Handelsbehörde FTC und das Arbeitsministerium sollen nun prüfen, ob die Stimmrechtsberater gegen Vorschriften oder gegen das Kartellrecht verstoßen haben. Die Behörden sollten zudem Regulierungsmaßnahmen in Erwägung ziehen.
REKORDGEWINN UND HÖHERE DIVIDENDE
Das vergangene Jahr lief für die Deutsche Börse gut. Sie schaffte einen Rekordgewinn und will ihren Aktionären eine um 20 Cent höhere Dividende von 4,20 Euro zahlen. Die für die Gruppe maßgeblichen Nettoerlöse (ohne Treasury-Ergebnis) stiegen 2025 um neun Prozent auf 5,2 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) legte um 14 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zu. Hier habe sich die effektive Steuerung der Kosten ausgezahlt, sagte Finanzvorstand Jens Schulte. Für das laufende Jahr 2026 stellte Konzernchef Leithner weiteres Wachstum in Aussicht. Er erwartet einen Anstieg der Nettoerlöse auf rund 5,7 Milliarden und des Ebitda auf etwa 3,1 Milliarden Euro.
(Bericht von Myria Mildenberger, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

