Mercedes-Benz will sich nach Gewinneinbruch fangen

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- von Ilona Wissenbach

Frankfurt, ⁠12. Feb (Reuters) - Der Autobauer Mercedes-Benz will mit einer Produktoffensive, günstigeren Preisen und Einsparungen aus der Krise finden. Im vergangenen Jahr beschleunigte sich bei dem Dax-Konzern die Talfahrt: Das Betriebsergebnis war mit 5,8 Milliarden Euro nicht einmal halb so hoch wie im Vorjahr und niedriger als am Markt erwartet. Die erhöhten US-Importzölle kosteten allein rund eine Milliarde Euro Ergebnis, sie werden auch die nächsten Jahre die Marke mit dem Stern belasten. Vorstandschef Ola Källenius wies außerdem auf den heftigen Konkurrenzkampf in China hin - nach einem Absatzrückgang von 19 Prozent dürften die ‌Verkäufe 2026 weiter sinken.

Das globale Marktumfeld habe sich mit Zöllen, Handelskrieg und Technologiesprüngen völlig verändert, sagte Källenius am Donnerstag. "Wir erfinden das Unternehmen grundlegend neu." Dabei sieht er den Konzern mit einer "felsenfesten" Bilanz bei mehr als 30 Milliarden Euro Liquidität in einer "Position der Stärke". Im laufenden Jahr setzt Mercedes-Benz auf Umsatz und Pkw-Absatz auf ⁠Vorjahresniveau von 132 Milliarden ⁠Euro und 1,8 Millionen Autos. Mehr Verkäufe in Europa und den USA sollen das Loch in China ausgleichen. Nach rund 70 Prozent Einbruch seit dem Rekordjahr 2022 soll der Betriebsgewinn erstmals deutlich steigen. Die angelaufene Produktoffensive mit mehr als 40 neuen Modellen in den kommenden Jahren soll den Absatz ankurbeln. So kommt der neue CLA bei den Kunden an. Große Hoffnungen setzt Källenius auf das gerade erneuerte Flaggschiffmodell S-Klasse, denn die Luxuslimousine bringt Analysten zufolge bis zu 20 Prozent Marge.

Einen Absatz von zwei Millionen Autos wie vor der Krise ist aber erst wieder mittelfristig in Sicht, wie das Unternehmen erklärte. Das gilt auch für die bislang ab 2027 angepeilte Pkw-Rendite von acht bis ‌zehn Prozent. Hier ist sogar eine Verschlechterung möglich. Die bereinigte Marge schrumpfte 2025 um drei Prozentpunkte. Mercedes-Benz ‌traut sich für 2026 nur drei bis fünf Prozent zu. Im Rekordjahr 2022 verdiente der Stuttgarter Autobauer mehr als 14 Prozent. Damals hielt Källenius dieses Niveau für dauerhaft erreichbar, hatte diese Hoffnung aber schon vor einem Jahr begraben. Finanzchef Harald Wilhelm erklärte, der auf 15 Prozent gestiegene US-Importzoll und negative Effekte des starken Euro dämpften weiter das Ergebnis.

An der Börse sorgten die ⁠trüben Aussichten für einen Kursrutsch der Aktie von fast sechs Prozent. "Zölle, schwacher Dollar und Probleme im China-Geschäft zeigen Wirkung", fassten die Analysten von Raiffeisen Research zusammen. "Auch das viele ‌Jahre lang so gepriesene Luxus-Segment leidet."

NEUES MANTRA

Unter dem Druck der Krise ändert Mercedes-Benz seine Preispolitik. ⁠Der Absatz soll zunächst über Rabatte stabilisiert werden, erklärte Wilhelm. "Wir wollen die Wettbewerbsfähigkeit über die Preisgestaltung verstärken", sagte er. Es gelte, sich an die Marktrealität anzupassen. Das bisherige Mantra "Value over Volume" bekräftigte der Manager nicht. Damit war gemeint, lieber die Preise hochzuhalten, als sie für größere Stückzahlen zu senken. Källenius sagte, die Betonung liege jetzt auf "profitablem Wachstum". Der neue China-Chef Oliver Thöne räumte ein, dem starken Preisdruck dort ein Stück weit nachzugeben, wenn auch nicht "aggressiv" ‌wie andere.

Einsparungen von mehr als 3,5 Milliarden Euro hätten einen Teil des Gegenwinds im vergangenen ⁠Jahr kompensiert, hieß es weiter. Der Abbau Tausender Arbeitsplätze in Deutschland außerhalb ⁠der Produktion sorgte für 1,6 Milliarden Euro Belastung durch Abfindungen, das soll sich Wilhelm zufolge aber schnell rechnen. Eine Zahl zu den Ausscheidenden nannte er nicht. Allerdings haben in diesem Jahr nur noch 85.000 tariflich Beschäftigte Anspruch auf eine Erfolgsbeteiligung von diesmal bis zu 3139 Euro - vor Jahresfrist waren es noch 91.000.

Die Kostensenkungen gingen weiter, erklärte der Finanzchef. Wie schon im vorigen Jahr angekündigt, wird die Produktionskapazität in Westeuropa, überwiegend in Deutschland, um 100.000 Autos auf 900.000 verringert. In Ungarn, wo die Produktionskosten deutlich niedriger sind, wird das Werk Kecskemet auf eine Kapazität von 400.000 verdoppelt. Dort soll künftig das SUV GLB gebaut werden, weil das gemeinsame Werk mit Nissan in Mexiko aufgegeben wird. "Es ist in allen Dimensionen attraktiver, in Osteuropa zu investieren als in Westeuropa", sagte Källenius. Doch Mercedes-Benz bekenne sich weiter zu Deutschland. Schließlich verkaufe der Konzern hier nur gut zwölf Prozent seiner Fahrzeuge, gebe aber mehr als 50 Prozent der Investitionen aus und beschäftige mehr als 60 Prozent der insgesamt 164.000 ⁠Mitarbeitenden in Deutschland.

Unter dem Strich verdiente die Marke mit dem Stern 2025 5,3 Milliarden Euro, rund halb so viel wie im Jahr davor. Die Dividende wird aber nicht so stark gesenkt wie am Markt erwartet - vorgeschlagen sind 3,50 Euro je Aktie nach 4,30 Euro im Vorjahr.

(Mitarbeit: Rachel More, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an die ‌Redaktionsleitung unter frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com)

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