Bahn will mit Bodycams und Zusatz-Personal für mehr Sicherheit sorgen

Reuters · Uhr
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Berlin, 13. Feb (Reuters) - ⁠Bund, Länder und Bahn wollen für mehr Sicherheit in Zügen sorgen. Dafür sollen alle Bahn-Mitarbeitenden im Kundenkontakt auf freiwilliger Basis noch in diesem Jahr mit Kameras - sogenannten Bodycams - versorgt werden, sagte Konzernchefin Evelyn Palla am Freitag nach einem Sicherheitsgipfel in Berlin. Zudem wolle die Bahn 200 zusätzliche Beschäftigte einstellen, die in Bahnhöfen und Zügen für mehr Sicherheit sorgen sollen. Ferner werde die verpflichtende Ausweiskontrolle ‌in Regionalzügen ausgesetzt, da dies immer Potenzial für Konflikte berge, erklärte Palla. Eine vor allem von der Eisenbahngewerkschaft EVG geforderte Doppelbesetzung beim Personal in allen Nah- und Regionalverkehrszügen ist jedoch nicht geplant. "Die finanziellen Mittel dazu haben wir nicht", ⁠sagte der bayerische ⁠Verkehrsminister Christian Bernreiter als Vorsitzender der Landesverkehrsministerkonferenz mit Blick auf die Länderetats.

Grund für den Bahngipfel war ein aufsehenerregendes Verbrechen Anfang Februar: Der Zugbegleiter Serkan C. wurde auf der Strecke zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken von einem Fahrgast ohne Ticket schwer verletzt und starb kurz danach. Er hatte im Regionalverkehr Fahrkarten kontrolliert. Der Fall hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Allein im vergangenen Jahr habe es 3262 Angriffe auf Bahnmitarbeiter gegeben, sagte Palla. "Wir wollen handeln - jetzt, klar und auch sehr entschlossen." Dies könne nur ‌funktionieren, wenn alle Beteiligten an einem Strang zögen. "Wir wollen handeln, bevor noch ‌etwas passiert."

STREIT UM PERSONELLE DOPPELBESETZUNG IM ZUG - GELD FEHLT

Kunden und Bahnmitarbeiter müssten in den Zügen und am Bahnhof ein besseres Sicherheitsgefühl haben, erklärte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. Dafür wolle man auch eine bessere Videoüberwachung einsetzen, betonte der CDU-Politiker. In den vergangenen Jahren habe es eine ⁠zunehmende "Verrohung" der Mitfahrenden in den Zügen gegeben. Schnieder äußerte sich eher schwammig zur Doppelbesetzung beim Personal. Man wolle zwar die Präsenz ‌von Beschäftigten in den Zügen verstärken. Details, wie und in ⁠welchen Zügen dies geschehen solle, müssten die Länder aber untereinander klären.

EVG-Chef Martin Burkert kritisierte dies scharf und warf Bund und Ländern bei der Finanzierung "Verantwortungs-Ping-Pong" vor: "Sicherheit ist Chefsache, damit muss jetzt auch der Kanzler mit auf den Plan gerufen werden." Die für die Sicherheit von Beschäftigten und Fahrgästen nötige Doppelbesetzung müsse Thema werden für die ‌nächste Ministerpräsidentenkonferenz. Sicherheit dürfe nicht am Geld scheitern.

Experten schätzen, dass ⁠doppelte Besetzungen im Nahverkehr - also S-Bahnen, Regionalverbindungen und Routen ⁠zu Flughäfen - zusätzliche Kosten von 800 Millionen bis einer Milliarde Euro verursachen würden.

Die Konzernbetriebsratschefin der Bahn, Heike Moll, sagte, die Doppelbesetzung sei erst einmal vom Tisch. "Da müssen wir als Betriebsräte auch hier die Notbremse ziehen." Deshalb müsse man Dienstpläne mit nur einer Person in Zügen oder nachts an Bahnhöfen wesentlich kritischer prüfen.

Positiv reagierten EVG und Betriebsrat auf die Bodycams. Wichtig sei nun, dass möglichst rasch auch gesetzlich erlaubt sei, den Ton zu nutzen - etwa für mögliche Strafverfolgung.

Teil eines Sieben-Punkte-Plans ist nach Pallas Worten auch, die Beschäftigten besser in puncto Deeskalation zu schulen und ihre Schutzausrüstung zu verbessern. Zudem soll ein Notfallknopf für schnellere Hilfe weiter verbreitet und technisch weiterentwickelt werden. Die 200 einzustellenden Sicherheitskräfte könnten an ⁠Schwerpunktbahnhöfen eingesetzt werden, sagte die Bahn-Chefin. Hier könne es auch Kontrollen etwa bei Pendlerzügen bereits am Bahnsteig geben.

(Bericht von Reuters TV und Klaus Lauer, redigiert von Olaf Brenner.Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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