DIHK hebt Wachstumsprognose für 2026 an - Umfrage belegt etwas bessere Stimmung
Berlin, 17. Feb (Reuters) - In der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung ein Stück weit aufgehellt.
Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hob ihre Konjunkturprognosen deswegen für dieses Jahr an - auf ein Wachstum von 1,0 Prozent von bisher 0,7 Prozent. Wie der Verband am Dienstag auf Basis einer Umfrage bei rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen mitteilte, sind auch die Exportaussichten verbessert. Gleichzeitig zögern aber weiterhin viele Betriebe mit Investitionen und wollen Stellen öfter abbauen als aufbauen.
"Die Bundesregierung hat Reform- und Entlastungspakete angekündigt, aber in den Betrieben ist davon bislang wenig spürbar", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov. "Mit angezogener Handbremse kommen wir aus dem Tal nicht heraus." Es brauche mehr Tempo, um Bürokratie abzubauen sowie Arbeits- und Energiekosten zu reduzieren. Das würde Vertrauen schaffen und zu Investitionen führen. "2026 muss das Jahr echter Reformen werden."
Das Bruttoinlandsprodukt war 2025 um 0,2 Prozent gestiegen, nach zuvor zwei Rezessionsjahren in Folge. Auch die Bundesregierung rechnet dieses Jahr mit einem Plus von 1,0 Prozent. Zwei Drittel davon gehen laut Wirtschaftsministerium auf staatliche Impulse zurück - etwa Investitionen zur Sanierung der Infrastruktur oder zur Aufrüstung der Bundeswehr. Kritiker bemängeln, dass das Wachstum teuer erkauft ist und verweisen auf die in diesem Jahr zweithöchste Neuverschuldung des Bundes.
In der DIHK-Umfrage wurden die schwache Nachfrage im Inland, gestiegene Arbeitskosten, die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise als größte Geschäftsrisiken genannt. Das bleibt nicht ohne Folgen. 23 Prozent der befragten Firmen planen höhere Investitionen, 31 Prozent aber Kürzungen. Investiert wird vor allem in Ersatz und Rationalisierungen, viel seltener aber Innovationen und Kapazitätserweiterungen. 23 Prozent der Betriebe rechnen zudem mit einer sinkenden Mitarbeiterzahl, nur zwölf Prozent planen, ihr Personal aufzustocken. Erstmals seit elf Jahren waren zuletzt wieder mehr als drei Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.
Der DIHK-Stimmungsindex - ein Mittelwert aus der Beurteilung der aktuellen Lage und der Erwartungen für die nächsten Monate - stieg um zwei Zähler auf 95,9 Punkte. Damit liegt er allerdings noch deutlich unter dem langjährigen Schnitt von 110 Punkten. Positiver zeigte sich unter anderem die Exportindustrie. Die DIHK rechnet deswegen nun mit einem Exportplus von 1,0 Prozent in diesem Jahr - doppelt so viel wie bisher.
(Bericht von Christian Krämer, redigiert von Sabine Ehrhardt. Bei Rückfragen wenden Sie sich an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




