Inflation steigt auf 2,1 Prozent - Schokolade, Butter & Fleisch teurer
Berlin, 17. Feb (Reuters) - Steigende Preise für Lebensmittel haben die Inflationsrate in Deutschland zum Jahresanfang in die Höhe getrieben.
Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im Januar um 2,1 Prozent zum Vorjahresmonat - nach 1,8 Prozent im Dezember, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte und eine frühere Schätzung bestätigte. "Vor allem verteuerten sich Nahrungsmittel im Januar stärker als in den vorangegangenen Monaten", sagte Behördenpräsidentin Ruth Brand. Lebensmittel legten um 2,1 Prozent zu, nach plus 0,8 Prozent im Dezember. "Darüber hinaus wirkt sich der Preisauftrieb bei Dienstleistungen auch im Januar erhöhend auf die Inflationsrate aus." Von Dezember auf Januar stiegen die Preise insgesamt um 0,1 Prozent.
Im Januar blieb die Preiserhöhung binnen Jahresfrist bei Zucker, Marmelade, Honig und anderen Süßwaren mit 10,9 Prozent auffällig, darunter Schokolade +21,0 Prozent. Auch für Obst (+6,1 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (+4,9 Prozent, darunter Rind- und Kalbsfleisch: +14,9 Prozent, Geflügelfleisch: +8,3 Prozent) mussten die Verbraucherinnen und Verbraucher spürbar mehr zahlen als ein Jahr zuvor. Günstiger hingegen wurden insbesondere Speisefette und Speiseöle (-20,1 Prozent). Allein Butter verbilligte sich um 33 Prozent und Olivenöl um 13,5 Prozent. Zudem verbilligten sich einige Nahrungsmittel des täglichen Bedarfs wie Molkereiprodukte (-3,5 Prozent) und Kartoffeln (-10,1 Prozent) deutlich, dagegen wurden Eier (+12,5 Prozent) nennenswert teurer.
LEBENSMITTEL TEURER - ENERGIE BILLIGER
Die Preise für Energieprodukte insgesamt lagen im Januar um 1,7 Prozent niedriger als im Vorjahresmonat. Die Teuerungsrate ohne Nahrungsmittel und Energie, die sogenannte Kerninflation, betrug 2,5 Prozent. Diese Kenngröße verdeutliche, "dass die Teuerung in anderen wichtigen Güterbereichen weiter überdurchschnittlich hoch war", teilte das Statistikamt mit.
Die Europäische Zentralbank strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an. Die nach europäischen Standards berechnete deutsche Inflationsrate betrug im Januar 2,1 Prozent. Die EZB hat ihren Leitzins von Mitte 2024 bis Mitte 2025 achtmal auf zwei Prozent gesenkt, weil der Preisdruck nachgelassen hat. Die meisten Experten gehen davon aus, dass sie ihren Leitzins auch in den kommenden Monaten nicht verändern wird.
Die Geldpolitik-Expertin Silke Tober vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung sagte hingegen: "In der aktuellen Lage ist eine weitere Zinssenkung überfällig, zumal der Euro deutlich stärker ist, als von der EZB in ihren Prognosen unterstellt." Die EZB sollte auch wegen der angestrebten stärkeren internationalen Rolle des Euro zügig handeln. "Denn diese setzt Vertrauen in eine robuste Wirtschaft und in eine konjunkturgerechte sowie proaktive Geldpolitik voraus", fügte Tober hinzu.
Europa muss sich nach Ansicht von EZB-Ratsmitglied Martin Kocher auf eine gewichtigere Rolle des Euro im weltweiten Finanzsystem einstellen. Angesichts der Dollar-Schwäche könnte die Gemeinschaftswährung gezwungen sein, eine größere Funktion zu übernehmen, sagte der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) jüngst im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir sehen eine gewisse Schwäche des Dollar in mehreren Dimensionen", erklärte Kocher. Zwar sei es kein explizites Ziel der EZB, die internationale Bedeutung des Euro auszubauen, "aber wir könnten eines Tages dazu gezwungen sein".
(Bericht von Klaus Lauer, redigiert von Christian Rüttger)




