Japan droht wegen steigender Zinskosten deutlich höhere Neuverschuldung
Tokio, 17. Feb (Reuters) - Japan droht wegen steigender Zinslasten eine deutlich höhere Neuverschuldung.
Einer der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorliegenden Schätzung des Finanzministeriums zufolge müsste der Staat im Fiskaljahr 2029 rund 28 Prozent mehr neue Anleihen ausgeben als noch 2026. Grund sind demnach stark steigende Ausgaben für Zinsen und Sozialleistungen, die die Steuereinnahmen zu übersteigen drohen.
Die Schätzung unterstreicht den wachsenden Druck auf die japanischen Staatsfinanzen. Die Kosten für den Schuldendienst könnten bis 2029 auf 40,3 Billionen Yen (rund 245 Milliarden Euro) steigen und damit rund 30 Prozent der gesamten Staatsausgaben ausmachen. Ein wesentlicher Treiber ist, dass in der Vergangenheit aufgenommene Anleihen mit extrem niedrigen Zinsen auslaufen und durch neue, teurere ersetzt werden müssen. "Selbst wenn die Zinsen unverändert blieben, werden die Kosten für den Schuldendienst mit der Zeit steigen", sagte Tsuyoshi Ueno vom NLI Research Institute. "Für Japan gibt es kein Entrinnen vor steigenden Zinskosten."
Verschärft wird die Lage durch die geldpolitische Wende der japanischen Notenbank. Nach Jahren einer extrem lockeren Geldpolitik hat sie begonnen, ihre Leitzinsen anzuheben und ihre massiven Anleihekäufe zurückzufahren. Dies treibt die Zinsen für neue Staatsanleihen weiter in die Höhe. "Während Japan in eine Ära steigender Zinsen eintritt, werden die größten Auswirkungen in der Fiskalpolitik zu spüren sein", sagte Ökonom Saisuke Sakai von Mizuho Research & Technologies. Die Notenbank will mit der Straffung der Geldpolitik die Inflation nachhaltig auf ihrem Ziel von zwei Prozent stabilisieren.
An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht zunächst nicht für Unruhe. Die Renditen für japanische Staatsanleihen fielen, Händlern zufolge im Sog gesunkener US-Renditen aus der Vorwoche. Dennoch werfen die nun bekanntgewordenen Schätzungen des Finanzministeriums Zweifel an der Argumentation von Ministerpräsidentin Sanae Takaichi auf, dass sie Steuersenkungen ohne eine Erhöhung der Verschuldung durchführen könne.
(Bericht von Takaya Yamaguchi, geschrieben von Rene Wagner - Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)




