Madrid, 17. Feb (Reuters) - In der Affäre um KI-generierte sexualisierte Bilder gehen die spanischen Behörden verstärkt gegen Online-Netzwerke vor. Ministerpräsident Pedro Sanchez teilte am Dienstag mit, er habe die Staatsanwaltschaft aufgefordert, wegen mutmaßlicher Verbreitung von Missbrauchsdarstellungen Minderjähriger Ermittlungen gegen X, Meta und TikTok aufzunehmen. "Diese Plattformen untergraben die psychische Gesundheit, Würde und Rechte unserer Kinder", schrieb er auf dem Kurznachrichtendienst X. "Der Staat kann das nicht zulassen. Die Straffreiheit dieser Giganten muss ein Ende haben." X, die Facebook-Mutter Meta und die Video-App TikTok waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.
Der spanischen Regierung zufolge kursieren von 20 Prozent aller jungen Spanierinnen und Spanier KI-generierte, gefälschte Nacktbilder im Netz. Viele der Fotos zeigten die meist weiblichen Betroffenen, als sie minderjährig waren. Die Behörden beriefen sich bei dieser Statistik auf die Hilfsorganisation Save the Children. Die britische Internet Watch Foundation registrierte im vergangenen Jahr 3440 KI-Videos mit Darstellungen von Kindesmissbrauch. 2024 seien es 13 gewesen.
Zu Jahresbeginn hatte die Künstliche Intelligenz (KI) "Grok" weltweit für Empörung gesorgt. Sie erlaubt es Nutzern, Personen auf hochgeladenen Bildern zu entkleiden oder sie in sexualisierten Posen darzustellen. Diese von der KI manipulierten Bilder wurden auf X und in anderen Online-Netzwerken geteilt. Daraufhin leiteten die Behörden mehrerer Staaten Ermittlungen gegen X und den Grok-Entwickler xAI ein. Beide Unternehmen gehören dem umstrittenen Milliardär Elon Musk. Als Reaktion auf die Untersuchungen beschränkte X den Zugang zu bestimmten Grok-Funktionen auf zahlende Nutzer. Die eigenständige Grok-App generiert auf entsprechende Eingabe hin jedoch weiterhin sexualisierte Bilder.
Die spanische Regierung geht seit einiger Zeit verstärkt gegen Soziale Medien vor. So soll Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren der Zugang zu diesen Plattformen verboten werden. Im November hatte Sanchez parlamentarische Untersuchungen möglicher Datenschutzverstöße durch die Meta-Dienste Facebook und Instagram angekündigt. Die irische Datenschutzbehörde leitete am Dienstag formelle Ermittlungen gegen X ein. Sie ist innerhalb der EU der federführende Regulierer für das Unternehmen, das seinen europäischen Hauptsitz in diesem Land hat. Zuvor hatte Frankreich die Geschäftsräume von X durchsuchen lassen. Die EU verdonnerte das Unternehmen dazu, bis zum Jahresende alle Dokumente und Daten zu Grok aufzubewahren.
(Bericht von David Latona und Victoria Waldersee, geschrieben von Hakan Ersen, redigiert von Philipp Krach. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)




