Börsenprofis etwas weniger optimistisch für deutsche Wirtschaft
Berlin, 17. Feb (Reuters) - Der Konjunkturoptimismus von Börsenprofis für die deutsche Wirtschaft hat sich im Februar auf hohem Niveau leicht eingetrübt.
Das Barometer für die Aussichten in den kommenden sechs Monaten fiel um 1,3 Punkte auf 58,3 Zähler, wie das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag zu seiner monatlichen Umfrage unter 176 Investoren und Analysten mitteilte. Dennoch hielt sich der an den Finanzmärkten stark beachtete Indikator nahe dem erst im Januar erreichten höchsten Wert seit rund viereinhalb Jahren. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten allerdings mit einem Anstieg auf 65,0 Punkte gerechnet.
"Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einer Phase fragiler Erholung", kommentierte ZEW-Präsident Achim Wambach die Ergebnisse der Umfrage. "Die strukturellen Herausforderungen, insbesondere in der Industrie und bei den Privatinvestitionen, bleiben erheblich." Die anstehenden Reformen der Sozialversicherungssysteme sollten dazu genutzt werden, die Standortattraktivität wesentlich zu steigern.
"KLEINER RÜCKSCHLAG, MEHR NICHT"
Die meisten Ökonomen sehen Europas größte Volkswirtschaft nach wie vor im Aufwind. "Es ist ein kleiner Rückschlag, mehr nicht", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle mit Blick auf die Umfrage. Das Bild einer beginnenden, leichten Erholung bleibe bestehen. Ähnlich schätzt das Deutsche Bank Research ein. "Die ZEW-Konjunkturerwartungen stabilisieren sich seit Beginn des Jahres auf einem Niveau, das man zuletzt Anfang 2022 sah, also vor dem russischen Angriff auf die Ukraine", sagte Deutschland-Chefvolkswirt Robin Winkler. Neben anderen positiven Signalen gebe die Umfrage frische Zuversicht, dass die deutsche Konjunktur weiter Fahrt aufnehme.
Die aktuelle Lage schätzten die Börsianer deutlich positiver ein: Dieses Barometer stieg um 6,8 Punkte, blieb aber mit minus 65,9 Zählern tief im negativen Bereich. "Alles in allem stehen die Signale auf eine vorsichtige Konjunkturerholung", sagte der Chefvolkswirt der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, Alexander Krüger. Zuletzt hatten harte Konjunkturdaten eine Belebung in der Industrie signalisiert. So wuchsen die Warenexporte im Dezember so stark wie seit vier Jahren nicht mehr. Zudem legten die Industrieaufträge zuletzt nicht nur den vierten Monat in Folge zu, sondern zugleich so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr.
In der deutschen Wirtschaft hat sich die Stimmung ein Stück weit aufgehellt. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hob ihre Konjunkturprognosen deswegen für dieses Jahr an - auf ein Wachstum von 1,0 Prozent von bisher 0,7 Prozent. Wie der Verband auf Basis einer Umfrage bei rund 26.000 Unternehmen aus allen Branchen und Regionen mitteilte, sind auch die Exportaussichten verbessert.
(Bericht von Rene Wagner, redigiert von Reinhard Becker; Redigiert von Hans Busemann; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com)




