Neuer Konzernchef will Nestle mit Eis-Verkauf weiter abspecken

Reuters · Uhr
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Zürich/London, 19. Feb (Reuters) - Der neue ⁠Nestle-Konzernchef Philipp Navratil strafft nach einem erneuten Umsatz- und Gewinnrückgang die Produktpalette des Nahrungsmittelriesen weiter und will die Eis-Sparte abgeben.

Nestle befinde sich in fortgeschrittenen Verhandlungen zur Veräußerung des verbleibenden Speiseeisgeschäfts an den Haagen-Dazs-Besitzer Froneri, teilte der Schweizer Hersteller von Nespresso und Maggi am Donnerstag mit. Es handle sich um Geschäfte in sechs Märkten in Asien, Lateinamerika und in Kanada mit einem Gesamtumsatz von knapp einer Milliarde Franken. "Manchmal entscheiden wir, dass Fokussierung den Ausstieg aus bestimmten Geschäftsbereichen bedeutet", sagte Navratil. Das ‌restliche Eisgeschäft sei zwar stark, "aber klein, und es lenkt uns ab."

Zu den Marken, die an Froneri übergehen sollen, gehören KitKat Speiseeis, Coffee Crisp und Drumstick. Nestle habe aber keine Pläne, die 50-Prozent-Beteiligung an Froneri abzustoßen. Das zusammen mit dem Finanzinvestor PAI Partners gegründete Gemeinschaftsunternehmen wurde zuletzt mit rund ⁠15 Milliarden Euro bewertet.

Für ⁠das Mineralwassergeschäft habe Nestle im ersten Quartal 2026 mit möglichen Partnern formell Kontakt aufgenommen, um eine weitere Partnerschaft einzugehen. Das Geschäft dürfte ab 2027 nicht mehr Teil des Konzernabschlusses sein. Zudem suche Nestle nach Käufern für das Geschäft mit günstigen Vitaminen und Nahrungsergänzungsmitteln. Dem US-Babyproduktegeschäft Gerber will Navratil eine Chance geben. "Wir werden es versuchen, aber wir werden nicht ewig warten, bis es erfolgreich ist." Am Geschäft mit den von Analysten ebenfalls als Verkaufskandidaten gehandelten US-Tiefkühlprodukten will er festhalten.

"ES GIBT NOCH EINIGES ZU TUN"

Navratil will den Konzern aus Vevey am Genfersee auf die vier Bereiche Kaffee, Produkte für Heimtiere und Nutrition ‌sowie regionale Kulinarikprodukte und Snacks fokussieren. "Es gibt noch einiges zu tun, aber wir sind zuversichtlich, ‌dass wir durch die schnellere Umsetzung einer gezielteren Strategie eine nachhaltige Leistungsverbesserung bis 2026 und darüber hinaus erreichen werden", erklärte der Manager.

"In Bezug auf das strategische Update denke ich, dass das Unternehmen die richtigen Überlegungen angestellt hat", erklärte Kai Lehmann vom Nestle-Großaktionär Flossbach von Storch. "Insbesondere die Frage, ob die jeweilige Kategorie überhaupt noch strukturelles Wachstum und ⁠überzeugende Erträge verspricht, ist zentral." Entscheidend sei es nun, dass Nestle es schaffe, das Volumenwachstum anzukurbeln. An der Börse zogen die Titel bis am frühen ‌Nachmittag 2,4 Prozent an.

2025 kam Nestle auf ein Volumenwachstum von unverändert 0,8 Prozent. ⁠Das organische Umsatzwachstum erreichte dank Preiserhöhungen 3,5 Prozent. Vor allem wegen der ungünstigen Währungsentwicklung schrumpfte der Konzernumsatz um zwei Prozent auf 89,5 Milliarden Franken. Für das laufende Jahr peilt Navratil ein organisches Umsatzwachstum im Bereich von etwa drei bis hin zu vier Prozent an. Für 2025 soll eine um 1,6 Prozent erhöhte Dividende von 3,10 Franken je Aktie ausgeschüttet werden.

"LANGFRISTIG KEIN REPUTATIONSPROBLEM"

Der damalige Nespresso-Leiter Navratil war Anfang ‌September auf den Schild gehoben worden, nachdem Konzernchef Laurent Freixe wegen einer verheimlichten ⁠romantischen Beziehung zu einer ihm direkt unterstellten Mitarbeiterin entlassen worden war. ⁠Doch damit nicht genug: Der lange Zeit für seine Stabilität und Berechenbarkeit bekannte Konzern wechselte kurz darauf auch noch seinen Verwaltungsratspräsidenten aus.

Navratil drückte dem Unternehmen mit dem geplanten Abbau von rund 16.000 Stellen einen ersten Stempel auf. Doch sein erstes halbes Jahr wurde von einem großangelegten Rückruf von Säuglingsnahrung überschattet. In den vergangenen Wochen hatten Nestle, die französische Danone und weitere Unternehmen Babynahrungsprodukte wegen Verunreinigungen mit dem Giftstoff Cereulid zurückgerufen. Cereulid, das Übelkeit und Erbrechen verursachen kann, war in Zutaten aus einer chinesischen Fabrik nachgewiesen worden. Das Werk beliefert zahlreiche Hersteller von Säuglingsnahrung.

Nestle habe die Rückrufaktion abgeschlossen und konzentriere sich jetzt darauf, die Bestände wieder aufzufüllen, hieß es am Donnerstag. Dabei würden alternative Zutatenlieferanten genutzt. Für Produktrückgaben verbuchte Nestle im vergangenen Jahr Kosten von 75 Millionen Franken, für Bestandsabschreibungen 110 Millionen Franken. Im laufenden Quartal rechne Nestle damit, dass Kundenrückgaben und Lagerengpässe den Umsatz um ⁠rund 200 Millionen Franken drücken könnten. "Der Rückruf könnte zwar gewisse Auswirkungen haben, aber ich glaube nicht, dass wir langfristig mit einem Reputationsproblem konfrontiert sein werden", erklärte Navratil.

(Bericht von Oliver Hirt und Alexander Marrow, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für ‌Unternehmen und Märkte).)

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