Warren Buffetts letztes Depot – ein Abgang mit klarer Handschrift
Kurz vor seinem Abschied baut Warren Buffett sein Depot radikal um: Amazon raus, Öl und Versicherungen rein – und ein gigantischer Cashberg wächst weiter. Keine Nostalgie, sondern eine klare Botschaft an Anleger: Qualität schlägt Hype. Was sein letztes Portfolio über die Märkte verrät.
Heiko Böhmer

Wenn Warren Buffett sein Portfolio umbaut, schaut die Finanzwelt traditionell so gebannt zu, als würde der Orakel-von-Omaha gerade persönlich die nächste Börsenprophezeiung verkünden. Und kurz vor seinem Abschied als CEO hat er tatsächlich noch einmal tief in die Depotkiste gegriffen – und für einige Überraschungen gesorgt.
Die größte Schlagzeile: Amazon wurde fast komplett gestutzt – minus 77 Prozent. Der Verkauf kommt zu einer Zeit, in der der Tech-Riese ohnehin schwächelt und die KI-Investitionen den freien Cashflow belasten. Ein klassischer Buffett-Move: Wenn die Zahlen nicht überzeugen, wird selbst bei Big Tech die Schere angesetzt.
Dafür hat Buffett an anderer Stelle zugegriffen: Berkshire ist neu bei der „New York Times“ eingestiegen, rund fünf Millionen Aktien im Wert von über 350 Mio. Dollar. Nostalgie? Vielleicht. Kapitalmarkttaktik? Ganz sicher. Dieser Mann versteht den Wert von Marken – und gute Geschichten mochte er schon immer.
Buffett hat Apple und Bank of America-Positionen verkleinert
Gleichzeitig wurden klassische Buffett-Lieblinge weiter zurechtgeschliffen: Apple und Bank of America, seit Jahren die Depotanker, wurden erneut leicht reduziert. Aufgestockt hat Berkshire dagegen den Ölwert Chevron (+7 Prozent) und den Versicherer Chubb (+9 Prozent), zwei Positionen, die perfekt ins konservative Buffett-Profil passen: Cashflows stark, Burggraben solide, Bewertung vernünftig.
Und während das Portfolio kleiner wird, wächst der Cashbestand. Über 380 Mrd. Dollar lagen zuletzt bei Berkshire – ein Rekordpolster für kommende Gelegenheiten.
Buffetts letztes Depot zeigt: Es ist kein sentimentaler Abschied, sondern ein letzter, klarer Appell an Anleger – Qualität, Geduld und selektive Contrarian-Moves schlagen auch 2026 jede Tech-Euphorie.
Was bleibt von Berkshire übrig? – ohne Buffett
Doch über allem steht die Frage: „Was bleibt von Berkshire übrig?“, wenn Warren Buffett sich aus der ersten Reihe verabschiedet. Die Antwort: verdammt viel. Berkshire ist nicht von einem Mann abhängig. Es ist ein System, das Buffett über Jahrzehnte aufgebaut hat. Die Unternehmensstruktur wirkt fast wie eine moderne Version des alten Industriekonglomerats, nur mit mehr Cash und besserem Risikomanagement.
Drei Gründe, warum Berkshire auch ohne Buffett stark bleibt:
1. Das Versicherungsgeschäft – die ewige Cash-Maschine Ob Privat oder Industrie, Versicherungsgeschäfte liefern wiederkehrende Einnahmen. Das Besondere: Berkshire versichert Risiken, die andere meiden – und wird dafür gut bezahlt. Dieser Insurance-Float ist das Fundament von Berkshire.
2. Greg Abel – kein Rockstar, aber ein Macher Der neue Chef kommt aus der Energiesparte, die Berkshire längst zu einem der größten Infrastrukturinvestoren in Nordamerika gemacht hat. Abel ist kein Showman – und genau das ist gut. Berkshire braucht keinen Entertainer, sondern jemanden, der ruhig und konsequent führt.
3. Die Kultur bleibt bestehen Buffett hat eine Unternehmenskultur geschaffen, die extrem selten ist: dezentrale Führung, Vertrauen, Disziplin beim Kapitaleinsatz. Das überlebt einen Führungswechsel weit länger als manche denken.
Für Anleger heißt das: Wer Berkshire weiterhin hält, besitzt kein Buffett-Zertifikat – sondern ein diversifiziertes US-Großunternehmen mit enormer Stabilität. Damit gilt: Buffett geht. Berkshire bleibt.





