
Der Höhepunkt der Berichtssaison ist da: Der Chiphersteller Nvidia hat am Mittwochabend (mitteleuropäischer Zeit) Zahlen zum vergangenen Quartal vorgelegt - und dabei die Erwartungen einmal mehr klar übertroffen.
So beliefen sich die Umsätze auf 68,1 Milliarden US-Dollar, während der Gewinn bei 1,62 US-Dollar je Aktie lag. Gegenüber dem Vorjahr steigerte Nvidia Erlöse und Gewinn damit um 73 respektive 82 Prozent. Die Analysten hatten indes nur mit Umsätzen von 66,2 Milliarden US-Dollar gerechnet, sowie mit einem Gewinn je Aktie von 1,54 US-Dollar. Im Vorjahresquartal hatte Nvidia 39,3 Milliarden Dollar erlöst, wovon je Aktie 0,89 Dollar Gewinn übrig bleiben.
Nvidia liefert seine Quartalszahlen üblicherweise etwas später als die übrigen Tech-Großkonzerne in den USA. Außerdem unterscheiden sich die Geschäftsquartale des Konzerns von den Kalenderquartalen. Die nun vorgelegten Zahlen beziehen sich auf das vierte Geschäftsquartal 2026, welches die drei Monate bis Ende Januar umfasst.
Für das laufende Quartal prognostiziert Nvidia mit Erlösen zwischen 76,4 und 79,6 Milliarden US-Dollar. Auch hier toppt der Konzern damit die Erwartungen. Die Prognose der Analysten für den Umsatzausblick hatte nur bei 72,8 Milliarden Dollar gelegen.
Die Aktie sprang daher nachbörslich merklich an und stieg um 3,75 Prozent auf 202,88 US-Dollar. Damit rückt das Rekordhoch bei etwas über 210 US-Dollar wieder in greifbare Nähe. Im regulären Handel hatte die Aktie bereits 1,44 Prozent auf 195,63 US-Dollar hinzugewonnen.
Nvidia ist der große Gewinner des KI-Booms
Die Ergebnisse Nvidias werden stets mit Spannung erwartet. Der Konzern ist nicht einer, sondern der Profiteur des KI-Booms. Bis Ende 2022 war Nvidia nur ein Spieler in der Nische für Grafikkarten sowie Ausrüster für das sogenannte Mining bei Kryptowährungen. Mit dem Aufkommen von KI-Modellen wie ChatGPT waren Nvidias Prozessoren schlagartig für diese Anwendungen gefragt, weltweit.
Der Umsatz stieg dadurch explosionsartig an. Im zweiten Kalenderquartal 2023 noch erwirtschaftete Nvidia rund 7,2 Milliarden Dollar, im Folgequartal war es mit 13,5 Milliarden Dollar fast doppelt so viel. In der Spitze wuchsen die Erlöse zum Vorjahresquartal mit schier unglaublichen 260 Prozent.
Die Gewinne wuchsen – in einzelnen Quartalen – sogar noch um ein Vielfaches dessen, wie auch die Grafik zeigt. Dieses Wachstum hievte Nvidia auf den Thron der Börsen – die Aktie legte allein 2025 um 35 Prozent zu, seit Beginn des KI-Booms summiert sich der Zuwachs auf 1.200 Prozent auf.
Mit knapp 4,7 Billionen Dollar Marktwert ist Nvidia zudem der mit Abstand wertvollste Börsenkonzern der Welt. Apple kommt als Nummer zwei nur auf knapp vier Billionen Dollar Börsenwert. Zwischenzeitlich war Nvidia sogar mehr als fünf Billionen Dollar wert.
Skepsis um den Megatrend KI wächst
Ein wenig ist die Euphorie um den Chiphersteller zuletzt abgeklungen. Seit einem Rekordhoch bei 212 Dollar im Oktober geht es mehr oder minder seitwärts weiter. Seit Jahresbeginn hat die Aktie ein wenig zugelegt, und sich damit besser entwickelt als die US-Indizes Nasdaq 100 und S&P 500, wenn auch nur geringfügig. Abseits von allgemeinen Belastungsfaktoren ist der Markt unsicher, wie es mit dem KI-Boom insgesamt weitergeht.
Einerseits haben sogenannte Hyperscaler wie Amazon oder Alphabet gigantische Investitionen in Datenzentren angekündigt. Allein bei diesen beiden Konzernen geht es um Investments im laufenden Jahr von grob 200 Milliarden Dollar – und zwar jeweils. Unter den Investoren wächst die Skepsis darüber, ob sich diese Investitionen langfristig rentieren.
Auf der anderen Seite stört sich der Markt an den immer neuen Deals zwischen Zulieferern wie Nvidia und dem Rivalen AMD und Firmen wie OpenAI, den Machern von ChatGPT. Teilweise muten diese Abkommen zirkulär an – so arbeiten Nvidia und OpenAI an den finalen Details eines Deal, bei welchem der Chiphersteller 30 Milliarden Dollar investiert, der KI-Spezialist im Gegenzug dafür aber Nvidia-Chips kauft.
Nvidia muss liefern, sonst könne "die Stimmung schnell kippen"
Umso wichtiger ist deshalb, wie Nvidias Zahlen ausfallen. Die Ergebnisse des Unternehmens gelten als Gradmesser dafür, ob der KI-Megatrend noch intakt ist. Zudem hat die Aktie ein Gewicht von rund acht Prozent im S&P 500, der allgemeinhin als bester Gradmesser für den US-Markt gilt. Die weitere Entwicklung bei Nvidia hat demnach Potenzial, den ganzen Markt zu beeinflussen - spürbar.
Womöglich erwartet der Markt noch weitaus mehr als die Analysten, erklärten Strategen vor den Zahlen. "Selbst wenn sie [Nvidia] herausragende Zahlen vermelden, wissen, wie wankelmütig die Märkte sind", so ein Analyst gegenüber Bloomberg.
Ein besonderes Augenmerk dürfte dabei auch darauf liegen, wie sich neben dem Umsatz und dem Gewinn Nvidias Marge entwickelt. Die Bruttomarge litt im vergangenen Jahr unter rasant steigenden Komponentenpreisen, unter anderem für die Flaggschiff-Chips der Blackwell-Reihe. Der Konzern selbst verkündete am Mittwochabend eine Marge von über 75 Prozent und übertraf die Erwartungen demnach auch bei dieser Metrik.
Selbst kleinste Enttäuschungen hätten Potenzial, die Kurse nachhaltig zu belasten, mutmaßte zudem Consorsbank-Chefmarktanalyst Jochen Stanzl vor Bekanntgabe der Zahlen. "Angesichts der hohen Erwartungen werden Anleger heute Abend in Nvidias Bilanz versuchen, das sprichwörtliche Haar in der Suppe zu finden." Es dürfe daher "nichts schiefgehen, sonst könnte die Stimmung schnell kippen". Wie nun die erste Marktreaktion nach den Zahlen aber zeigt, dürften die Anleger mehrheitlich zufrieden mit Nvidias Ergebnissen sein - und den Andeutungen derselben bezüglich der Gesundheit des KI-Booms.





