FC-Bayern-Präsident Hainer für Abschaffung von "50+1"
München, 27. Feb (Reuters) - Rekordmeister FC Bayern München spricht sich für eine Abkehr von den strengen Eigentums-Vorschriften für Fußball-Profiklubs in Deutschland aus. "Ich bin der festen Überzeugung, dass '50 plus 1' abgeschafft werden und jeder Verein selbst entscheiden sollte", sagte Herbert Hainer, Präsident des FC Bayern und Aufsichtsratschef der ausgegliederten FC Bayern München AG, am Donnerstagabend im Münchner Club Wirtschaftspresse. "Warum wird den Vereinen vorgeschrieben, was sie zu tun haben?" Ein solcher Schritt könnte den Konkurrenzkampf in der Bundesliga anheizen, die zurzeit vom FC Bayern dominiert wird. "Wir können ja nicht schlechter werden, nur damit die anderen auch mal gewinnen", sagte Hainer.
Nach den in Deutschland geltenden Regeln dürfen externe Investoren nicht die Mehrheit der Stimmrechte an den Profiklubs übernehmen, der dahinterstehende Verein muss stets das Sagen haben. Das schreckt viele potente Investoren ab, die um ihren Einfluss fürchten. Zurzeit prüft das Bundeskartellamt die Rechtmäßigkeit von Ausnahmen von "50+1", wie sie etwa für die Werksklubs Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg (Volkswagen) gelten. "Je nachdem, wie das Kartellamt entscheidet, kann da wieder Dynamik reinkommen", sagte Hainer. Für den FC Bayern schloss der ehemalige Adidas-Chef einen Verkauf der Mehrheit erneut aus. An der FC Bayern München AG will der Verein sogar mindestens 70 Prozent behalten, zurzeit gehören Adidas, der Allianz und Audi je 8,33 Prozent.
Im Konkurrenzkampf mit Klubs der englischen "Premier League", die oft Finanzinvestoren oder reichen Mäzenen gehören, ziehen die Bundesliga-Vereine oft den Kürzeren. Das liegt nach Ansicht von Hainer aber vor allem an den Fernseheinnahmen. Die Premier League erlöst daraus im Jahr 4,5 Milliarden Euro, davon zwei Milliarden aus der Vermarktung der Rechte im Ausland. Die Bundesliga-Vereine müssen sich mit 1,3 Milliarden Euro im Jahr begnügen. Es hapert vor allem an der Auslandsvermarktung, die zurzeit nur 175 Millionen Euro im Jahr bringt. "Da muss die Bundesliga attraktiver werden", forderte Hainer. Der Schlüssel dazu sei die Anziehungskraft des FC Bayern: "Was glauben sie, wer die Bundesliga anschaut, wenn Bayern nicht mehr mitspielt?"
Inzwischen fördert Bayern München auch den Frauenfußball. Die Frauen des FC Bayern stehen vor dem vierten Titel in Folge. "Für uns ist das noch ein Zuschussgeschäft", sagte Hainer. "Aber wir werden weiter investieren." Bei Zuschauerzahlen, Sponsoring und Fernsehrechten hinke der Frauenfußball noch weit hinterher.
(Bericht von Alexander Hübner, redigiert von Ralf Banser. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)
