Maximilian Nagel

Der Ausbruch des Krieges zwischen dem Iran und den USA sowie Israel hat den Rohölpreis am Montag nach oben katapultiert. Bis zum frühen Nachmittag stieg der Barrelpreis (159 Liter) der globalen Benchmark-Sorte Brent um 8,8 Prozent auf 79,33 US-Dollar. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um rund acht Prozent auf 72,32 Dollar.
Das sind auf den ersten Blick wilde Preisbewegungen, getrieben von der Angst, dass das Angebot aus Energieträgern aus dem gesamten Nahen Osten aufgrund der gegenseitigen Attacken gestört wird. Die Futures für Gas schossen in Europa gar um 50 Prozent in die Höhe, nachdem Katar mitteilte, dass die dortige Produktion von Flüssiggas (LNG) vorerst eingestellt wird. Das Land ist einer der weltweit wichtigsten Lieferanten für Flüssiggas.
Im Vergleich fiel die Reaktion an den Ölmärkten so betrachtet weitaus ruhiger aus. Der Preissprung bei Brent sei "eine relativ moderate Reaktion, wenn man bedenkt, dass die Straße von Hormus faktisch gesperrt ist", erklärte Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Über diesen Seeweg wird etwa 20 Prozent des täglichen Ölverbrauchs der Welt verschifft.
Märkte setzen aktuell noch auf einen kurzen Krieg
"Offenbar schöpfen die Marktteilnehmer Hoffnung auch aus Meldungen, wonach Vertreter des Irans angeblich an den Verhandlungstisch zurückkehren wollen. Momentan scheinen die Marktteilnehmer eher mit einem kürzeren Krieg von wenigen Wochen zu rechnen" ergänzte Krämer. Beim letzten Konflikt im Nahen Osten, dem Zwölftagekrieg zwischen dem Iran und Israel, waren Deutschland und der Euroraum dem Experten zufolge kaum wirtschaftlich betroffen.
Krämer erwartet, dass ein ähnliches Szenario wieder eintritt. Das habe zwei Gründe: Einerseits wetterte US-Präsident Donald Trump selbst immer gegen die Kriege seiner Vorgänger im Irak. "Seine Anhänger teilen diese Weltsicht und sind nicht bereit, amerikanisches Leben und Geld für Kriege weit weg von den USA zu opfern. Auch die Demokraten haben sich gegen den neuen Nahost-Krieg ausgesprochen. Auf diese Stimmung wird Trump Rücksicht nehmen, zumal er im Vorfeld der Zwischenwahlen zum Kongress ohnehin in der Defensive ist."
Auf der anderen Seite steht für das Regime im Iran ebenfalls viel auf dem Spiel. "Auch die iranische Führung hat kein Interesse an einem langen Krieg, weil er das Überleben des Regimes gefährdet, das vor allem in städtisch geprägten Teilen der Bevölkerung verhasst ist", so Krämer.
Der Preissprung im historischen Vergleich
Offenbar hält auch die Mehrheit der Marktteilnehmer diesen Ausgang des Konflikts für wahrscheinlich. Laut Makrostratege Jim Reid von der Deutschen Bank ist das aber bislang nur der 38.-größte Preissprung seit 1990. Ähnlich hohe Tageszuwächse bei Öl hatte es zuletzt im Frühjahr 2022, nach der russischen Invasion der Ukraine, gegeben.
Von den größten jemals verzeichneten Bewegungen aber sind die Preise noch weit weg. "Um in die Top 20, Top 10 oder Top 5 zu kommen, müsste Öl um 9,6 Prozent, 13,6 Prozent oder 13,9 Prozent springen", so Reid. Diese noch größeren Bewegungen gab es vor allem im Zuge der Großen Finanzkrise, dem Beginn der Coronavirus-Pandemie sowie zu Beginn des ersten Golfkriegs Anfang der 1990er.
Was die Historie ebenfalls zeigt: Wie bei Aktien auch häufen sich die Tage mit starker Volatilität meistens. Auf derart große Gewinne folgen oft ähnlich hohe Verluste an einem oder wenigen Handelstagen. Wohin sich der Preis mittelfristig bewegt, zeigt sich meist erst in den Wochen nach diesen Preisspitzen,
Aktuell signalisiert der Futures-Markt sogar noch, dass der Preissprung kurzlebig bleiben wird. So sinken die Preise für Termingeschöfte bereits wieder im Sommer dieses Jahres. Für 2027 signalisiert der Terminmarkt sogar wieder Barrelpreise bei Brent von unter 70 US-Dollar. In diesem Bereich rangierte Brent Mitte Februar, bevor die Anzeichen auf eine Eskalation zwischen dem Iran und den USA zunahmen.


