Gutachten: Rechenzentren müssen vergünstigten Strom erhalten

Reuters · Uhr
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Frankfurt, 02. ⁠Mrz (Reuters) - Rechenzentren haben Juristen zufolge Anspruch auf einen vergünstigten Strompreis. Die Entlastung sei nicht nur europarechtlich zulässig, sondern notwendig, ergab ein am Montag veröffentlichtes Gutachten im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. "Wenn die EU industrielle Verlagerungen verhindern will, muss sie auch die ‌digitale Basis dieser Industrie absichern", betonte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Ohne leistungsfähige Rechenzentren funktioniere eine moderne Produktion nicht.

Die Europäische Union (EU) wolle energieintensive Unternehmen mit niedrigeren ⁠Strompreisen halten, ⁠hieß es in dem Gutachten weiter. Rechenzentren seien in der entsprechenden Liste der betroffenen Branchen zwar nicht aufgeführt. Sie gehörten jedoch zu einer Basisinfrastruktur. Der Verzicht auf eine Strompreisentlastung für Cloud-Anbieter könnte den Wettbewerb verzerren.

Die Juristen warnten vor einem Dominoeffekt: Entstünden Rechenzentren vor allem im außereuropäischen Ausland, gerieten heimische Unternehmen ‌in Abhängigkeit. Sie könnten daher im Rahmen einer ‌sogenannten Adhäsionsmigration ihren Rechenzentren folgen, um höhere Datenrisiken oder geopolitische Unsicherheiten zu verringern. "Wenn wir nicht handeln und Rechenzentren bei den Strompreisentlastungen berücksichtigen, droht der schrittweise Verlust zentraler ⁠Teile unserer digitalen Infrastruktur", sagte Bitkom-Chef Wintergerst.

Den Angaben des Verbands zufolge entfällt die ‌Hälfte der Betriebskosten eines Rechenzentrums auf ⁠die Energieversorgung. Aktuell verbrauchen Server in Deutschland etwa 21 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr. Bis 2030 werde dieser Wert auf rund 30 Milliarden steigen. Dies entspricht in etwa dem Fünffachen des aktuellen Energiebedarfs der ‌Stadt Frankfurt.

Tim Höttges, Chef der Deutschen ⁠Telekom, trommelt seit Längerem für günstigere Strompreise ⁠für Rechenzentren. Er beziffert den Kostennachteil gegenüber anderen Staaten auf 20 Prozent und mehr. Ohne eine Lösung dafür werde sich der Betrieb einer KI-Gigafactory kaum rechnen. Die EU will den Bau mehrerer dieser besonders leistungsfähigen und energieintensiven Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) fördern. Eines davon soll den Plänen der Bundesregierung zufolge in Deutschland entstehen. Die Telekom hatte zu Jahresbeginn eine industrielle KI-Cloud in Betrieb genommen. Das Unternehmen betrachtet sie als Referenzprojekt für eine ⁠mögliche Gigafactory.

(Bericht von Hakan Ersen. Redigiert von Ralf Bode. Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen ‌und Märkte).)

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