Europäische Zentralbank

EZB-Chefvolkswirt warnt vor Inflationsschub durch Nahost-Krieg

Reuters · Uhr (aktualisiert: Uhr)
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Quelle: rarrarorro/Shutterstock.com

Ein längerer Krieg im Nahen Osten kann nach den Worten von EZB-Chefvolkswirt Philip Lane die Inflation in der Euro-Zone anheizen und die Wirtschaft ausbremsen. "Ein Anstieg der Energiepreise übt tendenziell Inflationsdruck aus, insbesondere kurzfristig", sagte Lane der "Financial Times" in einem am Diensteg ‌veröffentlichten Interview. Das könne sich auch negativ auf die Konjunktur auswirken.

Am Montag hatte sich der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ausgeweitet. Israel ⁠griff den Libanon ⁠an, während der Iran seine Attacken auf die ölreichen Golfstaaten fortsetzte. Dies trieb die Ölpreise um mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Die Folgen für die Inflation hängen von der Dauer des Konflikts ab, sagte der Notenbanker weiter. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde die Lage beobachten. Lane verwies auf frühere Analysen der ‌Währungshüter. Diesen zufolge würde ein längerer Krieg zu einem "deutlichen ‌Anstieg" der energiepreisbedingten Inflation und einem "starken Rückgang" der Wirtschaftsleistung führen, sollte es zu einem dauerhaften Rückgang der Energielieferungen aus der Region kommen. Eine separate Analyse der EZB vom Dezember ⁠deutet darauf hin, dass ein dauerhafter Ölpreisanstieg in dieser Größenordnung die Inflation um ‌0,5 Prozentpunkte anheben und das Wachstum um ⁠0,1 Prozentpunkte dämpfen könnte.

Zuvor hatten bereits Banken-Ökonomen gewarnt, dass sich ein über Wochen oder gar Monate hinziehender Krieg im Nahen Osten auf die Verbraucherpreise durchschlagen könnte. "In einem solchen Risiko-Szenario würde die Inflationsrate im Euroraum schätzungsweise um ‌mehr als einen Prozentpunkt steigen, also ⁠von zuletzt 1,7 auf knapp drei ⁠Prozent", sagte etwa Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das wäre ein spürbarer Verlust an Kaufkraft für die Konsumenten."

Die EZB neigt dazu, über kurzfristige, energiepreisbedingte Schwankungen hinwegzusehen. Dies gilt, solange die längerfristigen Inflationserwartungen nicht beeinträchtigt werden und die Teuerung nicht für Zweitrundeneffekte sorgt - also auch andere Waren sowie Dienstleistungen verteuert. Die Geldpolitik wirkt zudem mit großer Verzögerung und gilt als weitgehend wirkungslos gegen kurzfristige Preisschwankungen. Vorerst sind die auf den Märkten basierenden längerfristigen Inflationserwartungen kaum verändert. Die Märkte erwarten für ⁠das gesamte Jahr keine Änderung des maßgeblichen EZB-Einlagensatzes von derzeit zwei Prozent.

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